Die Zeichen waren längst da: Google verlagert seinen Fokus Stück für Stück weg von Android als Herzstück – und hin zur schillernden Zukunft der künstlichen Intelligenz. Die aktuellen News bestätigen nun endgültig, wohin die Reise geht. Laut Android Authority will Google die Entwicklung von Android komplett intern abwickeln. Kurz gesagt: Der Android-Quellcode wird privatisiert.
Für Google ist das natürlich ein Gewinn. Der Konzern muss sich künftig nicht mehr mit zwei verschiedenen Code-Basen herumschlagen oder auf externe Rückmeldungen reagieren, während im Hintergrund schon fleißig an der nächsten Android-Version gearbeitet wird. Auch für Nutzerinnen und Nutzer bringt das Vorteile – denn es bedeutet: Keine parallelen Android-Versionen mehr während der Entwicklungsphase. Bisher gab es einerseits den internen Quellcode, den Google an Hersteller mit Google-Mobile-Services-Vertrag weitergibt, und andererseits das öffentlich zugängliche Android Open Source Project (AOSP), das im Prinzip jede*r nutzen kann.
Dass Google nun komplett auf eine interne Entwicklungsstruktur umstellt, zeigt vor allem, wie sich die Prioritäten im Unternehmen verschoben haben. Künstliche Intelligenz ist mittlerweile das große Ding – allen voran natürlich Gemini. Schon auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2024 wurde klar, wohin der Wind weht: Die Hardware- und Softwareabteilungen wurden zu einer zentralen „Platforms and Devices“-Einheit zusammengelegt. Nur einen Monat später trat David Burke, der 14 Jahre lang die Android-Entwicklung maßgeblich geprägt hatte, von seiner Position als Engineering-Vizepräsident zurück und wechselte in eine beratende Rolle. Ein weiteres Zeichen für den Wandel.
Trotzdem – keine Panik: Für die Plattform selbst ändert sich erst mal nicht viel. Laut der Branchenanalystin Carolina Milanesi ergibt der Schritt aus Sicht von Ressourcenverteilung durchaus Sinn. „Die Veränderung ist logisch, wenn man sich anschaut, wo die Arbeit wirklich zählt“, schrieb sie in einer Nachricht. Für Android-Nutzerinnen ändert sich auf den ersten Blick wenig. Was sich jedoch spürbar verändern könnte, ist der Austausch zwischen Google und Entwicklerinnen ohne GMS-Vertrag. „Entwickler*innen werden vielleicht weniger Einblick darin haben, was kommt … aber der tatsächliche Zugang bleibt derselbe“, so Milanesi weiter.
Google selbst hat sich bisher noch nicht öffentlich zu der Umstellung geäußert – obwohl die Informationen unabhängig bestätigt wurden. Wahrscheinlich deshalb, weil es für die allermeisten keinen sichtbaren Unterschied machen wird. Was sich allerdings verändern dürfte: Das klassische Code-Geflüster, das man auf Android-Blogs regelmäßig mitverfolgen konnte, dürfte mit der Zeit leiser werden. Google wird künftig weniger offenen Quellcode veröffentlichen – zumindest bis er wirklich bereit für den großen Auftritt ist. Für Entwickler*innen, die gerne schon Monate im Voraus in Androids Zukunft schnuppern, wird das sicher frustrierend. Für den Großteil der Android-User hingegen: business as usual.
Google zieht sich beim Android-Code aus der Öffentlichkeit zurück – ein strategischer Schritt, der vor allem eines zeigt: Künstliche Intelligenz ist jetzt der Star der Show. Android bleibt bestehen, aber es wird zunehmend zur Bühne für Googles größere Ambitionen.