Ein optisches Rätsel am Himmel von Texas
Satellitenbilder, die für Google Earth gesammelt wurden, haben in der Vergangenheit bereits seltsame Dinge enthüllt – von Phantominseln bis hin zu mysteriösen Schiffswracks. Doch beim Hineinzoomen in ein ländliches Gebiet im Norden von Texas zeigte sich kürzlich ein Satellit in der Umlaufbahn, der eine farbenfrohe Erscheinung hervorrief.
Nutzer auf Reddit, insbesondere im Subreddit „GoogleEarthFinds“, entdeckten ein Bild eines Satelliten, der über das Hagerman National Wildlife Refuge nahe Gainesville, Texas, flog. Solche direkten Einblicke in die Bewegung von Satelliten sind selten – dieser Blick auf den orbitalen Flug stellt daher eine echte Rarität dar. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit des Satelliten erscheint er viermal im Bild, was einen surrealen, fast science-fictionartigen Effekt erzeugt.
Ein seltener Schnappschuss mit ungewöhnlichem Effekt
Das Bild wurde bereits am 29. November 2024 aufgenommen, aber erst letzte Woche in Umlauf gebracht. Welcher Satellit darauf zu sehen ist, wurde bisher nicht eindeutig festgestellt. Laut Jonathan McDowell, Astronom am Harvard–Smithsonian Center for Astrophysics, könnte es sich jedoch um einen Starlink-Satelliten von SpaceX im niedrigen Erdorbit handeln. Seine Einschätzung teilte er auf der Plattform X (vormals Twitter).
McDowell erklärte auch, warum der Satellit wie ein mehrfarbiges Geisterbild aussieht, das über die Erdoberfläche fliegt. Das Bild wurde vom Pleiades-1B-Satelliten aufgenommen – einem hochauflösenden optischen Erdbeobachtungssatelliten, der alle 26 Tage die gesamte Erdoberfläche aus einer sonnensynchronen Umlaufbahn heraus abbildet. Der Satellit nimmt Bilder in vier Spektralbändern auf: Rot, Blau, Grün und Nahinfrarot. Diese werden in Sekundenbruchteilen nacheinander aufgenommen und anschließend zu einem einzigen Bild kombiniert, das dem menschlichen Sehen nachempfunden ist.
Ein rasanter Flug durch die Umlaufbahn
Das Problem: Der abgebildete Satellit war einfach zu schnell. Satelliten im niedrigen Erdorbit bewegen sich mit etwa 28.000 Kilometern pro Stunde, um der Schwerkraft der Erde entgegenzuwirken. In dem Bild, das letztlich auf Google Earth zu sehen ist, hat sich der Satellit während der Aufnahmen zwischen den vier Spektralbildern weiterbewegt – was laut McDowell zu seinem futuristischen Erscheinungsbild führte, als wäre es einer Invasion aus dem All entsprungen.
Dieses Phänomen demonstriert eindrucksvoll, wie moderne Satellitenbildtechnik und extreme Geschwindigkeiten zusammenwirken können, um visuelle Effekte zu erzeugen, die den Betrachter in Staunen versetzen. Gleichzeitig bietet es einen seltenen Einblick in die Dynamik von Objekten im Erdorbit, die wir normalerweise mit bloßem Auge nicht wahrnehmen können.
Wer das Bild selbst sehen möchte, kann dies direkt auf Google Earth tun. Die Koordinaten des Hagerman National Wildlife Refuge lauten: 33.744157, -96.746170. Ein Besuch dieses Orts in der Anwendung lohnt sich – zumindest für alle, die gerne ein Stück Science-Fiction in der realen Welt entdecken wollen.