Wasser ist Leben – das gilt nicht nur auf der Erde, sondern auch auf dem Mond. Und wer langfristig dort leben will, braucht sauberes Trinkwasser. Genau daran arbeitet ein britisches Forscherteam, das nun den ersten Platz bei der internationalen Aqualunar Challenge abgeräumt hat. Ihr Preis: stolze 150.000 Pfund (etwa 194.000 US-Dollar) für ein System, das Wasser aus gefrorenem Mond-Eis aufbereitet – mithilfe von Schallwellen und einer Art „Mond-Mikrowelle“.
Der Mond als neues Zuhause? Dann brauchen wir Wasser.
Die NASA verfolgt mit ihrer Artemis-Mission ambitionierte Ziele: Bis Ende des Jahrzehnts sollen die Grundlagen für eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond geschaffen werden. Doch bevor man an Hightech-Basen oder interplanetare Landwirtschaft denkt, muss man die Basics klären – Essen, Wasser, Schutz.
Genau hier setzt die Aqualunar Challenge an. Die von der britischen Raumfahrtbehörde gemeinsam mit der kanadischen Weltraumagentur und anderen Partnern organisierte Initiative fördert technologische Innovationen rund um die Wasserversorgung im All. Am Donnerstag wurden nun die Gewinner bekannt gegeben – ganz vorne mit dabei: das Team von Naicker Scientific.
Wie funktioniert das „SonoChem“-System?
Lolan Naicker, technischer Leiter des Unternehmens, erklärt: „Stell dir vor, du müsstest im tiefsten Winter den gefrorenen Boden in deinem Garten aufgraben, um Wasser zu gewinnen – nur dass es auf dem Mond -200 °C hat, fast kein Luftdruck herrscht, die Schwerkraft geringer ist und du kaum Energie zur Verfügung hast.“
Die Lösung seines Teams: Das sogenannte SonoChem-System. Es nutzt Ultraschallwellen, um in dem aus Mond-Eis extrahierten Wasser mikroskopisch kleine Blasen zu erzeugen. Diese Blasen kollabieren unter extremen Bedingungen – hohe Temperatur, hoher Druck – und setzen dabei sogenannte freie Radikale frei, also chemisch hochreaktive Teilchen, die das Wasser effektiv reinigen.
Klingt futuristisch – ist es auch. Und doch könnte genau diese Technik schon bald auf dem Mond (und vielleicht später auch auf dem Mars) eine lebenswichtige Rolle spielen.
Der Mond als Wasserspender
Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund 5,6 % des Regoliths – also des Mondbodens – rund um den Südpol aus gefrorenem Wasser bestehen. Wenn es gelingt, dieses Eis zu extrahieren, vom Staub zu trennen und aufzubereiten, könnte das die Grundlage für bemannte Mondbasen schaffen.
„Astronauten brauchen eine zuverlässige Wasserquelle – zum Trinken, zur Nahrungsmittelproduktion, für Sauerstoff und sogar als Treibstoff in Form von Wasserstoff“, so Meganne Christian, Vorsitzende der Aqualunar-Jury und leitende Forscherin bei der britischen Raumfahrtbehörde.
Auch die Zweitplatzierten beeindrucken
Neben dem Gewinnerteam gab es auch zwei starke Zweitplatzierte: Eine Vater-und-Söhne-Gruppe entwickelte ein dreistufiges Wasserfiltersystem, das konstant trinkbares Wasser liefern kann – sie erhielten dafür 100.000 Pfund (ca. 129.000 US-Dollar). Ebenfalls ausgezeichnet wurde ein Team der Queen Mary University of London, das auf einen reaktorbasierten Ansatz setzt. Ihr Preisgeld: 50.000 Pfund (rund 65.000 US-Dollar).
Vom All zurück zur Erde
Das Faszinierende: Technologien wie das SonoChem-System könnten nicht nur für die Raumfahrt bahnbrechend sein, sondern auch für entlegene Regionen auf der Erde, wo Zugang zu sauberem Trinkwasser oft ein großes Problem darstellt.
„Viele dieser Ideen könnten nicht nur die Zukunft der Raumfahrt sichern, sondern auch ganz konkret das Leben auf der Erde verbessern und helfen, Wasserknappheit zu bekämpfen“, sagte Patrick Vallance, Wissenschaftsminister des Vereinigten Königreichs.
Gerade im Kontext des Klimawandels sei es entscheidend, innovative Lösungen zu fördern, um langfristig eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft zu sichern.
Science-Fiction wird Realität
Was vor wenigen Jahren noch wie ein abgefahrener Sci-Fi-Plot klang, wird Stück für Stück Wirklichkeit. Systeme wie SonoChem zeigen, dass technische Kreativität, gepaart mit einem klaren Ziel – in diesem Fall: Wasser auf dem Mond – zu echten Durchbrüchen führen kann.