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Wissenschaft

Flüssiges Wasser unter der Mars-Oberfläche? Neue Hinweise erhöhen die Chance auf Leben

Neue Forschungsergebnisse deuten auf "seismische Diskontinuitäten" in der Marskruste hin, die auf flüssiges Wasser unter der Oberfläche des Roten Planeten hindeuten könnten. Das könnte bedeuten, dass mikrobielles Leben dort noch existieren könnte.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Eine neue Chance für Leben auf dem Mars?

Mars fasziniert Wissenschaftler schon lange als möglicher Ort für Leben jenseits der Erde. Mit einer Vergangenheit, die der der Erde ähnelt, und seiner relativen Nähe zu unserem Planeten ist der Mars ein Schlüsselziel der Astrobiologie. Jetzt liefern Daten der InSight-Mission Hinweise darauf, dass flüssiges Wasser in der Tiefe existieren könnte – eine essenzielle Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

„Wenn es flüssiges Wasser auf dem Mars gibt, könnte das auf mikrobielles Leben in der Marskruste hindeuten“, erklärte Ikuo Katayama, Planetenwissenschaftler an der Hiroshima University und Mitautor der Studie, in einer Veröffentlichung der Geological Society of America.

Seismische Hinweise auf Wasser

Seit Jahrzehnten untersuchen Mars-Rover, Landegeräte und Orbiter den Roten Planeten auf Anzeichen von Leben – ob heute oder in der Vergangenheit. Besonders der Perseverance-Rover hat in den letzten vier Jahren den westlichen Rand des Jezero-Kraters erforscht, einer riesigen Senke, die vor Milliarden von Jahren einen See beherbergte. Dabei sammelte er vielversprechende Gesteinsproben, die NASA mit der Mars Sample Return-Mission zur Erde bringen will.

Die InSight-Mission landete bereits im November 2018 auf dem Mars und hatte das Ziel, die Beschaffenheit des Mars-Bodens zu untersuchen, Wetterphänomene wie Winde und Staubteufel zu erfassen und vor allem die seismische Aktivität im Inneren des Planeten zu erforschen. Bis zu ihrer Außerbetriebnahme im Dezember 2022 hatte die Sonde über 1.300 Marsbeben registriert und fast 7.000 Bilder zur Erde gesendet.

Einige der seismischen Daten zeigten markante Grenzschichten in etwa 10 und 20 Kilometern Tiefe. Diese wurden bisher als plötzliche Änderungen in der Gesteinsporosät gedeutet. Doch das Forscherteam vermutet nun, dass es sich hierbei um mit Wasser gefüllte Risse handeln könnte.

Experimentelle Bestätigung durch Erdmessungen

Um diese Hypothese zu testen, untersuchten die Wissenschaftler seismische Wellen in ähnlichen Gesteinsformationen in Schweden. Dabei stellten sie fest, dass sich die Geschwindigkeiten seismischer Wellen je nach Feuchtigkeitsgehalt des Gesteins deutlich unterscheiden. Trockene, feuchte und gefrorene Gesteinsproben zeigten jeweils unterschiedliche seismische Signaturen. Die auf dem Mars gemessenen Daten könnten also darauf hindeuten, dass in bestimmten Tiefen ein Übergang von trockenem zu feuchtem Gestein existiert – ein starkes Indiz für flüssiges Wasser.

„Viele Studien deuten darauf hin, dass es vor Milliarden von Jahren Wasser auf dem Mars gab“, erklärte Katayama. „Unsere Modellrechnung weist jedoch auf die Existenz von flüssigem Wasser im heutigen Mars hin.“

Neue Missionen notwendig?

Ein Problem der InSight-Mission war das Versagen des „Mars-Maulwurfs“, eines Instruments, das tiefer in den Marsboden eindringen sollte, um dessen innere Prozesse besser zu verstehen. Ohne diese Messungen bleibt die direkte Bestätigung der neuen Hypothese vorerst aus.

Sollte es NASA gelingen, die Mars Sample Return-Mission erfolgreich durchzuführen, könnte die Untersuchung der Perseverance-Proben wichtige Erkenntnisse darüber liefern, ob es einst Leben auf dem Mars gab. Doch angesichts der neuen Funde könnte es an der Zeit sein, schwereres Gerät zum Roten Planeten zu schicken – vielleicht sogar eine Art „Mars-Bagger“, der tief genug gräbt, um eine definitive Antwort zu liefern.

 

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