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Wissenschaft

Fliegende Flusspferde: Videoaufnahmen zeigen Top-Speed-Trab mit Luftphase

Flusspferde sind deutlich beweglicher, als viele denken. Die fünftschwersten Landtiere der Welt können beim schnellen Traben sogar kurzzeitig abheben. Das zeigt eine neue Studie des Royal Veterinary College der University of London.
Von Harri Weber Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Flusspferde heben beim Sprinten ab

Obwohl Flusspferde mehrere Tonnen wiegen und äußerst muskulös sind, erreichen sie beim schnellen Traben eine Phase, in der keines ihrer Beine den Boden berührt. Die Forscher analysierten Videomaterial von 169 verschiedenen Schritten aus 32 Flusspferden. Dabei stellten sie fest: Ein Galopp kommt bei diesen Tieren nicht vor. Stattdessen bewegen sie sich mit einem Trab (oder etwas Ähnlichem), bei dem die Beine diagonal den Boden berühren. Bei höchster Geschwindigkeit verbringen Flusspferde etwa 15 % jedes Schritts komplett in der Luft.

Dieser luftige Moment wurde laut den Wissenschaftlern bisher nicht dokumentiert.

Ein einzigartiges Laufmuster

Die Vorliebe der Flusspferde für den Trab ist ungewöhnlich für große Landtiere. Andere Kolosse wie Nashörner oder Giraffen wechseln je nach Tempo zwischen unterschiedlichen Schrittfolgen. Es könnte jedoch sein, dass dieses Muster in der Vergangenheit nicht so selten war: Lange ausgestorbene Dinosaurier mit langen Hälsen könnten sich auf ähnliche Weise bewegt haben, wie unabhängige Forschungen nahelegen.

Schwierige Forschung an schwer zugänglichen Tieren

Flusspferde verbringen den Großteil ihres Tages im Wasser und kommen erst in der Dämmerung an Land, um dort rund 36 Kilogramm Gras zu fressen. Ihr Lebensraum und ihr mitunter aggressives Verhalten machen sie jedoch zu einer Herausforderung für Forscher.

„Flusspferde werden nur selten in Gefangenschaft gehalten, und selbst dann sind sie schwer zu untersuchen. Sie verbringen wenig Zeit an Land, sind nachtaktiv, schwer zu motivieren und extrem gefährlich, falls sie doch motiviert sind“, erklärte John R. Hutchinson, Professor für evolutionäre Biomechanik am Royal Veterinary College und Hauptautor der Studie, gegenüber Gizmodo.

„In freier Wildbahn ist es beinahe Glückssache, sie in voller Geschwindigkeit zu filmen“, so Hutchinson weiter.

Warum diese Studie?

Hutchinson räumt ein, dass das Thema „recht nischig“ sei. „Kaum jemand hat sich diese Frage gestellt oder sie in wissenschaftlichen Arbeiten untersucht“, sagte er.

Da sich seine Forschung stark mit den biomechanischen Einschränkungen schwerer Tiere an Land beschäftigt, war es für ihn jedoch nur eine Frage der Zeit, bis er sich auch den Flusspferden widmete.

Dank dieser Untersuchung wissen wir nun: Auch wenn sie klobig erscheinen, können Flusspferde bei hoher Geschwindigkeit durchaus einen Moment in der Luft verbringen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Natur immer wieder mit Überraschungen aufwartet.

 

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