Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Flexibel und fit: Warum bewegliche Menschen länger leben

Neue Studie zeigt Zusammenhang zwischen Flexibilität und Lebenserwartung
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Ein paar gute Dehnübungen am Tag könnten mehr bewirken, als wir bisher dachten – zumindest, wenn es nach einer neuen Studie geht. Forschende haben herausgefunden, dass Menschen mittleren Alters, die beweglicher sind, eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit haben, früh zu sterben. Flexibilität scheint also nicht nur etwas für Yoga-Enthusiasten zu sein, sondern ein echter Gesundheitsbooster bis ins hohe Alter.

Was die Studie genau zeigt

Die Untersuchung, die in der Ausgabe des Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports erschienen ist, beleuchtet ein bisher wenig beachtetes Thema: den Zusammenhang zwischen Beweglichkeit und Langlebigkeit. Obwohl Flexibilität schon lange als Teil eines ausgewogenen Fitnessprogramms empfohlen wird, gab es bislang kaum Forschung dazu, wie sich diese Fähigkeit konkret auf unsere Lebensdauer auswirkt.

Um diese Lücke zu schließen, haben die Wissenschaftlerinnen Daten von über 3.000 Brasilianerinnen mittleren Alters ausgewertet. Diese stammen aus einer seit 1994 laufenden Langzeitstudie namens CLINIMEX Exercise open cohort. Die Teilnehmenden mussten sich regelmäßigen Gesundheits- und Fitnesstests unterziehen – darunter auch Beweglichkeitsprüfungen an sieben verschiedenen Gelenken. Daraus wurde ein sogenannter „Flexindex“ erstellt: Je höher der Wert, desto flexibler der Körper.

Flexibler = länger leben?

Das Ergebnis: Wer einen hohen Flexindex hatte, lebte im Durchschnitt länger. Die Forschenden fanden heraus, dass sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein niedriger Flexindex mit einem höheren Sterberisiko verbunden war – und zwar ziemlich deutlich. Männer mit geringer Beweglichkeit hatten fast doppelt so häufig ein vorzeitiges Lebensende wie ihre beweglicheren Geschlechtsgenossen. Bei Frauen war der Unterschied noch krasser: Weniger flexible Frauen starben fast fünfmal so häufig frühzeitig wie besonders bewegliche Frauen.

Wichtig: Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ab 2020 wurden aus der Analyse ausgeschlossen, um das Ergebnis nicht zu verzerren.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig Flexibilität als Teil der gesundheitsbezogenen körperlichen Fitness ist“, so das Fazit der Forschenden.

Was bedeutet das für unseren Alltag?

Auch wenn die Studie keinen direkten Ursache-Wirkung-Zusammenhang nachweisen kann, ist der Trend eindeutig: Beweglichkeit geht Hand in Hand mit einer besseren Lebenserwartung. Und das passt auch zu anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach regelmäßige Bewegung unsere Lebensqualität im Alter verbessert und sogar das Leben verlängern kann.

Besonders spannend ist, dass Flexibilität im Gegensatz zu vielen anderen körperlichen Voraussetzungen gezielt trainiert werden kann – etwa durch Yoga, Pilates oder gezielte Dehnübungen. Die Forschenden regen daher an, künftig genauer zu untersuchen, ob Trainingsprogramme, die auf mehr Beweglichkeit abzielen, tatsächlich einen eigenständigen Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

Flexibilität als Teil des Check-ups?

Ein weiterer interessanter Punkt der Studie: Die Autor*innen stellen die Frage, ob Beweglichkeit nicht genauso routinemäßig überprüft werden sollte wie Blutdruck oder Cholesterinwerte. Schließlich lässt sich Flexibilität einfach messen – und, wie es aussieht, könnte sie ein unterschätzter Gesundheitsindikator sein.

Da unsere Beweglichkeit mit zunehmendem Alter nachlässt, wäre es aus ihrer Sicht auch sinnvoll, gezielt zu erforschen, ob Übungen wie Yoga oder gezieltes Stretching dabei helfen können, körperlich und geistig fit zu bleiben – und somit vielleicht sogar länger zu leben.

Besser dehnen als bereuen

Ob im Büro, auf der Yogamatte oder nach dem Joggen – ein bisschen mehr Stretching könnte langfristig einen größeren Effekt haben, als wir bisher dachten. Wer also regelmäßig an seiner Beweglichkeit arbeitet, investiert vielleicht nicht nur in mehr Wohlbefinden, sondern auch in ein längeres Leben.

Und mal ehrlich: Ein paar Minuten Dehnen am Tag sind doch machbarer als viele andere Gesundheitsmaßnahmen. Vielleicht lohnt es sich also, die morgendliche Routine um ein paar Stretch-Übungen zu erweitern – für mehr Beweglichkeit, weniger Arztbesuche und vielleicht ein paar gesunde Jahre obendrauf.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel