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Filmreife Technologie: So funktionieren die neuen Kontaktlinsen mit Infrarotsicht

Ein Team von Wissenschaftlern aus China und den USA hat einen revolutionären Prototyp entwickelt: Kontaktlinsen, die Infrarotlicht erkennen können – sogar bei geschlossenen Augenlidern. Die Technologie befindet sich noch im experimentellen Stadium, könnte aber neue Möglichkeiten für das menschliche Sehen, die Medizin und die Sicherheit eröffnen.
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Grenzen des menschlichen Sehens – und wie sie fallen könnten

Das menschliche Auge hat klare Grenzen: Wir können weder im Dunkeln sehen noch bestimmte Lichtarten wahrnehmen. Doch das könnte sich bald ändern. Forschende von Universitäten in China und den USA haben einen gewaltigen Schritt in Richtung Kontaktlinsen gemacht, die infrarotes Licht – einen für uns unsichtbaren Bereich des Lichtspektrums – sichtbar machen können.

Und nicht nur das: Diese Linsen funktionieren sogar mit geschlossenen Augen, dank Nanopartikeln, die Infrarotstrahlung in sichtbares Licht umwandeln. Was einst nach Science-Fiction klang, scheint nun nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Grenzüberschreitende Entwicklung mit enormem Potenzial

Filmreife Technologie: So funktionieren die neuen Kontaktlinsen mit Infrarotsicht
© Ismail Hadine – Unsplash

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der University of Science and Technology und der Fudan University in China sowie der University of Massachusetts Medical School. Die ersten Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Cell, zeigen, dass Menschen mit diesen Linsen bei völliger Dunkelheit oder im Nebel sehen und unsichtbare Signale erkennen könnten.

Die Linsen verwenden Nanopartikel aus sogenannten seltenen Erden, etwa Erbium und Ytterbium. Diese Materialien sind in der Lage, für den Menschen unsichtbares Infrarotlicht in sichtbares Licht umzuwandeln. In Tests konnten sowohl Tiere als auch Menschen Infrarotquellen wie LEDs oder Morsezeichen erkennen.

Erstaunlich: Manche Testpersonen sahen mit geschlossenen Augen besser. Die Augenlider blockieren sichtbares Licht, nicht aber Infrarot, was die Bildqualität verbessern kann, indem störende Lichtquellen ausgeblendet werden.

Leicht, farbig, batterielos: Vorteile gegenüber herkömmlicher Nachtsichttechnik

Filmreife Technologie: So funktionieren die neuen Kontaktlinsen mit Infrarotsicht
© R.Louis Mac Photo – Unsplash

Im Vergleich zu herkömmlichen Nachtsichtbrillen, die Batterien benötigen und nur monochrome Bilder liefern, sind diese Kontaktlinsen ultraleicht und ermöglichen farbiges Sehen. Auch die klobige Bauweise klassischer Geräte entfällt.

Die geschätzten Kosten pro Paar liegen bei etwa 200 US-Dollar. Noch sind sie nicht im Handel erhältlich, doch die Forschenden sehen vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Medizin, Notfalleinsätzen und Sicherheitsdiensten. So könnten sie bei fluoreszenzgestützten Operationen helfen oder Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, krankes Gewebe direkt zu erkennen.

Allerdings gibt es noch Schwächen: Die Bilder sind derzeit verschwommen, da die Lichtstreuung durch die Nanopartikel die Schärfe beeinträchtigt. Zudem erkennen die Linsen bislang nur sehr starke Infrarotsignale, etwa von bestimmten LEDs, nicht aber schwache natürliche Quellen.

Zukunftsperspektiven und ethische Fragen

Die Wissenschaftler arbeiten daran, die Empfindlichkeit der Linsen zu erhöhen und die Lichtumwandlung zu verbessern. Auch eine Erweiterung des erkennbaren Lichtspektrums durch zusätzliche Nanopartikel wird erwogen.

Denkbare Anwendungen sind vielfältig: Unsichtbare Sicherheits- und Zugangssysteme, Infrarotkommunikation nur für Linsenträger oder Sehhilfen für Menschen mit eingeschränkter Sicht.

Gleichzeitig werfen diese Entwicklungen ethische Fragen auf – etwa zum möglichen militärischen Einsatz oder zu den gesellschaftlichen Auswirkungen einer Technik, die das menschliche Wahrnehmungsspektrum dauerhaft verändern könnte. Sollen wir sehen können, was die Natur uns verborgen hat?

Noch ist diese Technologie Zukunftsmusik. Aber klar ist: Die Zukunft des Sehens könnte direkt vor – oder sogar in – unseren Augen liegen.

Quelle: Infobae

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