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Wissenschaft

Euclids erste große Datenveröffentlichung: 26 Millionen Galaxien kartiert, um das dunkle Universum zu entschlüsseln

Die erste große Datenveröffentlichung der Euclid-Mission ist eine wahre Schatzkiste für Wissenschaftler, die das Rätsel des Universums lüften wollen.
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Der Weltraumteleskop Euclid hat die ehrgeizige Mission, über sechs Jahre hinweg mehr als ein Drittel des gesamten Himmels zu kartieren und dabei Milliarden von Galaxien zu erfassen. Ziel ist es, Licht ins Dunkel des Universums zu bringen – also in die mysteriöse Welt der Dunklen Materie und Dunklen Energie. Mit der ersten großen Datenveröffentlichung präsentiert Euclid ein atemberaubendes Mosaik aus Millionen ferner Galaxien in unterschiedlichsten Formen und Größen – ein eindrucksvoller Beweis seiner Fähigkeiten, tief ins All zu blicken.

26 Millionen Galaxien in nie dagewesener Detailtreue

Am Mittwoch veröffentlichte die Europäische Weltraumorganisation (ESA) den ersten Katalog mit Euclid-Daten. Die erfasste Fläche entspricht dabei mehr als dem 300-fachen der Vollmondgröße am Himmel. Für diese erste Veröffentlichung untersuchte das Teleskop drei Bereiche des Himmels, die später ausführlicher erforscht werden sollen.

Insgesamt wurden 26 Millionen Galaxien detailreich erfasst, davon mehr als 380.000 mit exakten Angaben zu Form und Entfernung von der Erde. Die am weitesten entfernte dieser Galaxien liegt unglaubliche 10,5 Milliarden Lichtjahre entfernt. Wissenschaftler weltweit sind bereits dabei, die Daten auszuwerten und so unser Verständnis des Universums zu erweitern.

500 neue Kandidaten für starke Gravitationslinsen entdeckt

Ein Forscherteam der Universitäten Oxford, Portsmouth und Newcastle arbeitete mit Citizen Scientists zusammen, um in den Daten sogenannte starke Gravitationslinsen aufzuspüren. Solche Linsen entstehen, wenn massereiche Objekte – etwa Galaxien – die Raumzeit so stark verformen, dass das Licht dahinterliegender Objekte verzerrt und verstärkt wird. Dadurch werden ferne Objekte quasi „vergrößert“, als würden sie durch eine kosmische Lupe betrachtet.

Solche Gravitationslinsen sind extrem schwer zu entdecken, doch das Team konnte bereits 500 neue Kandidaten identifizieren – ein beachtlicher Fortschritt, wenn man bedenkt, dass bisher weniger als 1.000 starke Linsen bekannt sind. „Diese Linsen helfen uns schon jetzt, das Universum besser zu verstehen – und das ist erst der Anfang für Euclid“, erklärte Natalie Lines, Doktorandin an der Universität Portsmouth. „Die komplette Euclid-Umfrage wird eine Revolution für die Gravitationslinsenforschung sein.“

Ein neuer Katalog für die kosmische Forschung

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) haben die Euclid-Daten mit verschiedenen Himmelsdurchmusterungen kombiniert, um ein umfassendes Katalogsystem zu erstellen. Dadurch können unzählige Galaxien in hochauflösenden Bildern identifiziert und ihre Entfernungen präzise bestimmt werden. „Dieser Katalog bildet die Grundlage für ein tieferes Verständnis dieser Objekte, ihrer Verteilung und ihrer inneren Eigenschaften“, erklärte Christoph Saulder, Forscher am MPE und Leiter dieses Projekts.

Euclid: Das $1,4 Milliarden-Teleskop auf der Suche nach dem dunklen Universum

Euclid wurde am 1. Juli 2023 mit dem Ziel ins All geschickt, die bislang umfassendste 3D-Karte des Universums zu erstellen. Es konzentriert sich vor allem auf die dunkle Seite des Kosmos – jene rund 95 %, die aus Dunkler Materie und Dunkler Energie bestehen. Hierfür nutzt es modernste Instrumente: eine hochauflösende Kamera für sichtbares Licht (VIS), eine Nahinfrarot-Kamera und einen Spektrometer (NISP).

Obwohl das Teleskop seine Mission erst begonnen hat, liefert es bereits spektakuläre Ergebnisse. Im Februar gelang es Euclid, einen Einstein-Ring in der Galaxie NGC 6505 – rund 590 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt – einzufangen. Einstein-Ringe entstehen, wenn Licht durch eine perfekte Gravitationslinse gebogen wird, sodass ein fast vollständiger Kreis entsteht – ein weiteres beeindruckendes Beispiel für die Mächtigkeit der kosmischen Verzerrung.

Was kommt als Nächstes?

Die erste umfassende Veröffentlichung von Euclids kosmologischen Daten ist für Oktober 2026 geplant. Bis dahin wird das Teleskop weiter in die Tiefen des Universums vordringen und unser Verständnis über die dunklen Geheimnisse des Kosmos revolutionieren.

 

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