Die bahnbrechenden Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Das Team transplantierte die Leber in den Körper eines hirntoten Patienten. Dort blieb sie über eine Woche lang funktionsfähig und übernahm grundlegende Aufgaben – ein echter Fortschritt auf dem Weg zur sogenannten Xenotransplantation, also der Übertragung tierischer Organe auf den Menschen.
Hoffnungsschimmer für Tausende auf der Warteliste
Allein in den USA stehen über 100.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan – alle acht Minuten kommt eine neue Person dazu. Doch jährlich finden nur rund 48.000 Transplantationen statt. Das bedeutet: Täglich sterben im Schnitt 17 Menschen, weil kein passendes Organ verfügbar ist.
Um dieser dramatischen Lücke zu begegnen, arbeiten Wissenschaftler an Alternativen – von künstlichen Organen bis hin zur Xenotransplantation. Letztere rückt durch Fortschritte in der Gentechnologie nun in greifbare Nähe.
Schweine als Organspender der Zukunft?
Durch gezielte Genmanipulation können Forscher Schweine züchten, deren Organe deutlich besser mit dem menschlichen Immunsystem harmonieren. So wird beispielsweise häufig das Gen entfernt, das für die Bildung von Alpha-Gal verantwortlich ist – ein Zucker, den der menschliche Körper nicht produziert und der bei Transplantationen sonst starke Abwehrreaktionen auslöst.
In der aktuellen Studie verwendete das Team eine sogenannte Bama-Minischwein-Leber, die insgesamt sechs gezielte Genveränderungen aufwies. Der Patient – hirntot und mit Zustimmung der Angehörigen – erhielt gleichzeitig immunsuppressive Medikamente, um Abstoßungen zu verhindern. Über zehn Tage hinweg überwachten die Forscher den Zustand des Organs. Auf Wunsch der Familie wurde der Versuch nach dieser Frist beendet.
Erste Hinweise auf echtes Funktionieren im Körper
Das Ergebnis: keine akute Abstoßung, stabile Funktion über den gesamten Zeitraum. Bereits zwei Stunden nach dem Eingriff begann die Leber mit der Produktion von Galle und zeigte durchgehend ausreichenden Blutfluss – ein klares Indiz dafür, dass das Organ „mitspielte“.
Zwar hatten andere Teams – wie etwa 2023 an der University of Pennsylvania – bereits Schweinelebern außerhalb des Körpers an Menschen angeschlossen, um deren Funktion zu testen. Doch das hier ist laut den chinesischen Wissenschaftlern die erste von Fachleuten begutachtete Studie, in der ein gentechnisch verändertes Schweineorgan vollständig in einen menschlichen Körper verpflanzt wurde.
„Ein großer Durchbruch“, sagte Studienautor Lin Wang am Dienstag auf einer Pressekonferenz.
Noch ist es nicht der große Durchbruch – aber ein echter Anfang
So spektakulär der Eingriff auch ist – Schweineorgane als Routinebehandlung sind noch in weiter Ferne. Zwar wurden in den vergangenen Jahren bereits Schweineherzen und -nieren in schwer kranke Patienten verpflanzt, doch überlebt haben bisher nur zwei von ihnen.
Eine dieser Patientinnen ist Towana Looney, 53 Jahre alt, die im November 2024 eine Schweineniere erhielt. Sie lebt mittlerweile seit über vier Monaten mit dem Organ – länger als jeder andere Mensch zuvor.
Größere klinische Studien stehen kurz vor dem Start. Doch auch wenn sie erfolgreich verlaufen sollten, warnen viele Experten davor, allzu große Hoffnungen auf eine rasche Umsetzung im Klinikalltag zu setzen. Bis tierische Organe ähnlich langlebig und verlässlich funktionieren wie menschliche Spenderorgane, dürfte es noch einige Zeit dauern.
Tierorgane als „Brücke“ zur rettenden Transplantation?
Trotzdem könnte Xenotransplantation schon früher eine wichtige Rolle spielen – etwa als temporäre Lösung. In der aktuellen Studie blieb die Leber des Empfängers vollständig erhalten. Das eröffnet die Möglichkeit, Schweineorgane künftig als Übergangslösung einzusetzen, zum Beispiel bei Patienten, deren eigenes Organ sich nach einem akuten Schaden noch erholen kann, oder bei Menschen, die auf der Warteliste überbrückt werden müssen.
Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction klang, wird heute Realität – Schritt für Schritt. Und mit jeder erfolgreichen Transplantation rückt das Ziel näher, Leben zu retten, unabhängig davon, ob gerade ein menschliches Organ verfügbar ist.