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Wissenschaft

Erinnerst du dich immer an deine Träume? Forschende könnten wissen, warum

Warum manche Menschen ihre Träume besser behalten als andere
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Faktoren wie Alter, Schlafmuster und die Neigung zum Tagträumen könnten beeinflussen, wie gut du dich morgens an deine Träume erinnerst. Eine neue Studie liefert spannende Erkenntnisse.

Hast du dich schon einmal gefragt, warum du dich an manche Träume erinnerst und andere spurlos verschwinden? Vielleicht wachst du manchmal mit dem vagen Gefühl auf, dass du geträumt hast, aber die Details bleiben unerreichbar. Forschende haben nun einige Hinweise darauf gefunden, warum das so ist.

Ein Team italienischer Wissenschaftler:innen hat in den letzten vier Jahren intensiv die sogenannte „morgendliche Traumerinnerung“ untersucht. Ihre Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Communications Psychology veröffentlicht. In ihrer Studie analysieren sie, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen beeinflussen, ob wir uns nach dem Aufwachen an unsere Träume erinnern. Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend für die Traumforschung insgesamt, da das Phänomen des Träumens bis heute ein wissenschaftliches Rätsel ist.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Traumerinnerung nicht nur Zufall ist, sondern durch das Zusammenspiel von persönlichen Einstellungen, kognitiven Fähigkeiten und Schlafdynamiken beeinflusst wird“, erklärt Giulio Bernardi, Hauptautor der Studie und Psychologe an der IMT School for Advanced Studies Lucca. „Diese Erkenntnisse vertiefen nicht nur unser Verständnis davon, wie Träume entstehen und erinnert werden, sondern könnten auch eine wichtige Rolle für die psychische Gesundheit und die Erforschung des menschlichen Bewusstseins spielen.“

Was beeinflusst die Traumerinnerung?

Für die Studie untersuchte das Forschungsteam über 200 Personen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren. Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihre Träume zu dokumentieren und zwei Wochen lang eine Schlafüuhr zu tragen. Zusätzlich füllten sie Fragebögen zu persönlichen Themen aus, darunter ihr Interesse an Träumen, ihre Neigung zur Ablenkung und ihr Angstlevel.

Die Ergebnisse zeigten große Unterschiede in der Traumerinnerung. Besonders auffällig: Menschen, die Träume als etwas Positives betrachten und oft tagträumen, erinnerten sich häufiger an ihre Träume. Sogar die Jahreszeit schien eine Rolle zu spielen – im Frühling war die Traumerinnerung bei den Teilnehmenden insgesamt höher als im Winter.

Auch die Schlafphase beeinflusst, ob wir uns an Träume erinnern. Personen, die mehr Zeit im leichten Schlaf verbringen, können sich ihre Träume besser merken. Jüngere Menschen hatten ebenfalls eine höhere Traumerinnerung. Ältere Personen hingegen berichteten häufiger, dass sie zwar das Gefühl hatten zu träumen, sich aber nicht an die Inhalte erinnern konnten – ein Phänomen, das die Forschenden als „weiße Träume“ bezeichnen.

„Unsere Beobachtungen unterstützen die Annahme, dass weiße Träume echte Traumsequenzen sind, deren Inhalte beim Aufwachen verblassen“, schreiben die Autor:innen in ihrer Studie.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Die gewonnenen Daten könnten zukünftige Untersuchungen zu klinischen Fragestellungen unterstützen. „Die Daten aus diesem Projekt werden als Referenz für künftige Vergleiche mit klinischen Populationen dienen“, sagt Valentina Elce, Erstautorin der Studie und Doktorandin für kognitive, rechnergestützte und soziale Neurowissenschaften an der IMT School for Advanced Studies Lucca. „So können wir die Forschung zu pathologischen Veränderungen des Träumens und deren möglichem diagnostischen Wert weiter vorantreiben.“

Natürlich bleibt die Traumerinnerung ein subjektives Phänomen, das sich nur schwer objektiv messen lässt. Dennoch liefert die Studie wertvolle Hinweise darauf, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Damit wird ein kleines Stück mehr Licht auf eines der faszinierendsten Geheimnisse des menschlichen Gehirns geworfen – das Träumen.

 

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