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Wissenschaft

Entdeckung im Mittelmeer: Griechisches Schiff mit unversehrtem Schatz gefunden

Ein archäologischer Fund entfacht neue Diskussionen über die antike Seefahrt im Mittelmeerraum: Ein griechisches Handelsschiff, das vor über 2.300 Jahren gesunken ist, wurde mit überraschend gut erhaltener Struktur und Ladung entdeckt. Warum blieb es so intakt? Und weshalb mussten Forschende das bisher angenommene Sinkdatum korrigieren?
Von Romina Fabbretti Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Selten enthüllt ein Schiffswrack so viel über die Vergangenheit wie das der Kyrenia, eines antiken griechischen Handelsschiffs, das dem Lauf der Zeit – und historischen Annahmen – getrotzt hat. Eine neue internationale Studie bestätigt nicht nur seinen außergewöhnlichen Erhaltungszustand, sondern verschiebt dank modernster Technologien auch das Datum seines Untergangs. Was in seinem Inneren entdeckt wurde – und wie – könnte unser Wissen über Seefahrt und Handel in der Antike grundlegend verändern.

Ein nautischer Schatz mit über zwei Jahrtausenden auf dem Meeresgrund

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© NOAA – Unsplash

Alles begann 1965 vor der Küste Zyperns, als der Taucher Andreas Cariolu bei der Suche nach Schwämmen auf ein Wrack stieß, das die maritime Archäologie revolutionieren sollte. Was er fand, war ein 14 Meter langes griechisches Schiff mit einem einzigen quadratischen Mast und Spuren, die auf eine vierköpfige Besatzung hindeuteten. Rundherum lagen über hundert Amphoren – stille Zeugen seiner letzten Reise.

Zwischen 1968 und 1969 wurden 391 Amphoren geborgen, gefüllt mit Waren wie Wein, Olivenöl und Mandeln. Zunächst nahm man an, dass das Schiff um das Jahr 300 v. Chr. gesunken sei – basierend auf Münzen und Keramikfunden. Doch neue Untersuchungen widerlegen diese Datierung.

Technologie im Dienst der Vergangenheit: Datierung, die Geschichte neu schreibt

In einer Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift PLOS ONE, verwendete ein Team der Cornell University fortschrittliche Methoden der Radiokarbondatierung und Dendrochronologie (Analyse von Baumringen), um das Sinkdatum neu zu bestimmen: zwischen 286 v. Chr. und 272 v. Chr. Diese Neudatierung verändert die bisherige Zeitleiste des klassischen griechischen Handels erheblich.

Das Forschungsteam stand dabei vor einer unerwarteten technischen Hürde: Die Holzreste des Schiffs waren mit Polyethylenglykol (PEG) behandelt worden – einer konservierenden Substanz, die Radiokarbonmessungen und Baumringanalysen stört. Erst nachdem es gelang, das PEG zu entfernen, konnten die Wissenschaftler*innen präzise Ergebnisse erzielen.

Zusätzlich entdeckten sie eine fehlerhafte Kalibrierungskurve für Radiokarbondaten der Nordhalbkugel im Zeitraum zwischen 400 v. Chr. und 250 v. Chr. Mithilfe von Proben anderer Baumarten konnten sie diese Lücke schließen – ein Fortschritt, der auch zukünftigen Studien zugutekommen wird.

Warum ist dieses Schiff so außergewöhnlich gut erhalten?

Besonders bemerkenswert ist der exzellente Zustand des Schiffsrumpfs: Mehr als die Hälfte des originalen Holzes ist erhalten – ein extrem seltener Befund in der Unterwasserarchäologie. Ausschlaggebend dafür sind die besonderen Umweltbedingungen am Fundort, die holzabbauende Organismen weitgehend fernhielten.

Die Kyrenia gilt als Schlüsselfund für das Verständnis griechischer Schiffbautechnologie: Sie bewahrt strukturelle Details wie Plankenverbindungen, Mastkonstruktionen und Lagersysteme – essenziell für die Rekonstruktion antiker Handelsrouten und Techniken im östlichen Mittelmeerraum.

Eine neue Ära für die maritime Archäologie

Dank dieser Studie bestätigt sich die Kyrenia als das am besten erhaltene griechische Schiffswrack der Antike. Ihre erneute Untersuchung ebnet den Weg für eine neue Generation archäologischer Forschung, die auf wissenschaftlicher Präzision basiert.

„Wir sind begeistert vom Einfluss, den diese Arbeit auf die Datierung anderer Schiffswracks haben wird“, sagte einer der Studienautoren. Die verwendeten Methoden könnten künftig ein deutlich klareres Bild der maritimen Vergangenheit des Mittelmeerraums zeichnen.

Die Geschichte dieses Schiffs, das über Jahrhunderte mit seinem Schatz unter dem Meeresspiegel schlummerte, taucht nun wieder auf – nicht nur mit neuen Antworten, sondern auch mit neuen Fragen darüber, was in den Tiefen noch alles darauf wartet, entdeckt zu werden.

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