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Wissenschaft

Enormer Dinosaurierschädel enthüllt bisher unbekannte Spezies

Lishulong wangi: Ein neues Dinosaurierfossil lässt die Wissenschaft staunen
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ein gigantischer Dinosaurierschädel, der im südlichen China entdeckt wurde, gehört offenbar einer bisher unbekannten Spezies an. Das enthüllten Paläontologen, die das Fossil ausgiebig untersucht haben.

Gefunden wurde der versteinerte Schädel im Lufeng Dinosaur National Geopark in der Provinz Yunnan. Die Forscher bestimmten, dass der Schädel einem Sauropodomorphen angehörte – einer Gruppe von Dinosauriern, zu der auch riesige pflanzenfressende Sauropoden wie der Brachiosaurus zählen. Doch dieses Exemplar scheint ein vollständig neuer Eintrag in der wissenschaftlichen Geschichte zu sein.

Das Forschungsteam gab dem Dinosaurier den Namen Lishulong wangi: „Lishu“ steht für die chinesische Bezeichnung des Kastanienbaums, „long“ bedeutet Drache und „wangi“ ehrt einen Paläontologen mit diesem Namen.

Ein Riese seiner Zeit

Laut den Wissenschaftlern könnte Lishulong wangi eine Länge von bis zu zehn Metern erreicht haben. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden kürzlich in der Fachzeitschrift PeerJ veröffentlicht.

„Basierend auf den aktuellen Fossilfunden ist Lishulong wangi der größte Sauropodomorph aus der frühen Jurazeit Chinas und gilt als morphologisch ausgereift“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Besonders bemerkenswert ist die Größe des Schädels: Mit einer Länge von etwa 40 Zentimetern übertrifft er den bisher größten bekannten Sauropodomorph-Schädel der Region – jener eines Jingshanosaurus – um fünf Zentimeter. Die Forscher weisen darauf hin, dass dies neue Rückschlüsse auf die tatsächlichen Dimensionen dieser Dinosauriergruppe zulässt und frühere Erkenntnisse über deren Größe eventuell revidiert werden müssen.

Laut Paläontologe Zhang, der mit LiveScience sprach, war dieser Dinosaurier wahrscheinlich ein Pflanzenfresser. Eine seiner markanten Eigenschaften, die ihn von seinem engen Verwandten Yunnanosaurus unterscheidet, sind seine größeren Nasenöffnungen.

China als Hotspot spektakulärer Fossilienfunde

Der Fund des Lishulong wangi reiht sich ein in eine lange Liste spektakulärer Entdeckungen, die in den letzten Jahren in China gemacht wurden.

So präsentierte ein Forscherteam 2023 ein sensationelles Fossil eines Säugetiers, das offenbar ein schnabeltragendes Dinosaurier-Jungtier jagte – eine Seltenheit in der Fossilgeschichte. Im Jahr zuvor fanden Wissenschaftler das Gegenteil: die versteinerten Reste eines Microraptors, in dessen Magen sich der Fuß eines Säugetiers befand.

2021 enthüllten chinesische Paläontologen eine Reihe bedeutender Fossilien, darunter die versteinerten Überreste eines nistenden Oviraptors mit fossilen Dinosauriereiern, ein erstaunlich gut erhaltenes Dinosaurier-Kloakenfossil sowie 500 Millionen Jahre alte „Penis-Würmer“ – ebenfalls aus der Provinz Yunnan, wo auch Lishulong wangi entdeckt wurde.

Neue Einblicke in die Dinosaurierentwicklung

Die Entdeckung von Lishulong wangi könnte neue Erkenntnisse über die Verbreitung dieser und verwandter Dinosaurierarten auf der alten Superkontinentalmasse der Erde liefern. Die Forscher schreiben dazu:

„Die Paläobiodiversität der frühen Sauropodomorphen aus Gondwana scheint nach der Trias-Jura-Grenze leicht abzunehmen. Daher vermuten wir, dass sich nicht-sauropode Sauropodomorph-Gattungen in Laurasia, insbesondere in China, weiterentwickelten und schnell ausbreiteten.“

Mit anderen Worten: Während Sauropodomorphen in Gondwana zurückgingen, blühten sie in Laurasia, vor allem in China, weiter auf.

Zwar erreicht Lishulong wangi nicht die immensen Ausmaße der gewaltigen Sauropoden wie der Titanosaurier, dennoch übertrifft er in seiner Dimension jegliche heutigen Landtiere. Der neu beschriebene Fossilfund ist mittlerweile im Lufeng World Dinosaur Valley Museum für die Öffentlichkeit ausgestellt und gibt Besuchern einen einmaligen Einblick in die prähistorische Gigantenwelt.

 

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