Bei seinem jüngsten Auftritt in Starbase entfachte Elon Musk erneut einen Sturm der Erwartungen, als er seinen neuen Zeitplan zur Kolonisierung des Mars präsentierte. Demnach soll SpaceX im Jahr 2026 fünf Starships schicken, 2028 zwanzig, 2030 hundert … und 2033 fünfhundert. Technologischer Realismus oder narrative Strategie, um von jüngsten Fehlschlägen abzulenken? Bei Musk weiß man nie – aber der Mars ist wieder Gesprächsthema.
Neue Schiffe, neue Namen und Triebwerke mit Superkräften

Bei der Veranstaltung stellte Musk zwei neue Starship-Varianten vor: „Next Gen“ und „Future Starship“. Diese ersetzen die bisherigen Nummernbezeichnungen, um Verwirrung zwischen Entwicklungsstufen zu vermeiden. Die Next Gen entspricht dem Starship v2 (Block 2) und misst inklusive Super Heavy v2 124,4 Meter. Das Future Starship ist zwar kürzer, erreicht aber 142 Meter Höhe und soll 10.000 Tonnen Schub sowie 200 Tonnen Nutzlast ermöglichen.
Der Raptor 3, der stille Star des Abends, wurde in realen Tests gezeigt. Dieses Triebwerk spart pro Einheit etwa eine Tonne Gewicht ein – dank eines vereinfachten Designs mit integriertem Hitzeschild. Weniger exponierte Bauteile bedeuten mehr Zuverlässigkeit und höhere Traglast. Sowohl die Next Gen als auch das Future Starship werden mit diesen Triebwerken ausgestattet sein, die auch das Aussehen der Super Heavy verändern, da der externe Hitzeschild entfällt.
Das große Versprechen: Von fünf zu fünfhundert Starships

Der kühnste Teil der Präsentation kam mit Musks Zeitplan für den Mars: 5 Schiffe im Jahr 2026, 20 im Jahr 2028, 100 im Jahr 2030 und 500 im Jahr 2033. Mit Ladungen zwischen 10 und 300 Tonnen pro Schiff will Musk bis zu 1,5 Millionen Tonnen pro Startfenster zum Mars bringen – mit dem Ziel, eine autarke Kolonie in der Region Arcadia zu errichten, die reich an unterirdischem Eis ist.
Die erste Fracht wird aus Teslas Optimus-Robotern bestehen, die Straßen, Solarfarmen und Strukturen für künftige Städte bauen sollen. Menschen sind noch nicht vorgesehen, aber es ist von Landefahrwerken, doppelseitigen Laderampen und Hitzeschilden für die Rückkehr in die CO₂-Atmosphäre des Mars die Rede. Die Botschaft ist klar: Alles soll vorbereitet sein, bevor die ersten Kolonisten ankommen.
Realismus oder Nebelkerze?
Parallel dazu erweitert SpaceX seine Anlagen, um bis zu tausend Schiffe pro Jahr zu bauen und alle 26 Monate zu starten – immer dann, wenn Erde und Mars günstig zueinander stehen. Doch die Machbarkeit des Plans wird vielfach in Frage gestellt. In einem Umfeld, in dem noch kein Treibstofftransfer im Orbit getestet wurde und keine kontrollierte Marslandung geglückt ist, wirken diese Zahlen eher rhetorisch als technisch fundiert.
Viele vermuten hinter solchen Ankündigungen ein Ablenkungsmanöver vom gescheiterten IFT-9-Flug oder den Unsicherheiten des Artemis-Programms. Doch eines hat Musk erneut erreicht: Die Welt schaut wieder zum Mars – wenn auch skeptisch. Ob dies ein genialer Schachzug oder nur ein weiteres Datum ist, das von der Zeit überholt wird, wird sich in einem Jahr zeigen.