Ein Fund im verborgenen Herzen der Balkanregion

In der Nähe der heutigen Stadt Bitola in Nordmazedonien, an einem Ort namens Gradishte, haben Archäolog:innen monumentale Überreste entdeckt, die über Jahrhunderte im Boden verborgen lagen. Doch es handelt sich nicht um irgendeine antike Siedlung – die gefundenen Strukturen wie eine Akropolis, ein Theater und zahlreiche städtische Gebäude deuten auf ein bedeutendes politisches, kulturelles und militärisches Zentrum hin.
Die Ausgrabungen werden seit mehr als zehn Jahren vom Nationalen Institut und Museum von Bitola in Zusammenarbeit mit der California Polytechnic State University (Cal Poly Humboldt) durchgeführt. Erst durch moderne Technologien wie LiDAR-Scans mit Drohnen und bodendurchdringende Radarsysteme konnten nun detaillierte Bilder des Geländes gewonnen werden – und das Ausmaß der Entdeckung wird erst jetzt klar.
Spuren eines legendären Eroberers

Für große Überraschung sorgte der Fund einer antiken Münze mit dem Konterfei von Alexander dem Großen. Sie wurde zwischen 325 und 323 v. Chr. geprägt und verankert den Ort nicht nur zeitlich, sondern bringt ihn auch direkt in Verbindung mit einem der bedeutendsten Herrscher der Antike.
Es wird vermutet, dass es sich bei dem Fundort um die legendäre Stadt Lyncus handelt – einst Hauptstadt des Königreichs Lyncestis und ein strategisch wichtiger Knotenpunkt auf dem Weg nach Konstantinopel. Manche Theorien besagen sogar, dass bedeutende Persönlichkeiten wie Oktavian und Agrippa diesen Ort auf ihrem Weg zur Schlacht bei Actium passiert haben könnten.
Nick Angeloff, Archäologe und Professor an der Cal Poly Humboldt, erklärte: „Dieser Fund wirft ein neues Licht auf die komplexen Netzwerke und Machtstrukturen im antiken Makedonien. Er hilft uns, die geopolitische Bedeutung dieser Region besser zu verstehen.“
Eine Stadt kehrt aus der Vergessenheit zurück
Neben der Münze wurden auch Steinäxte, Keramikfragmente und Funde aus der Bronzezeit geborgen – was darauf hindeutet, dass das Gebiet schon lange vor seinem Höhepunkt als Stadtstaat bewohnt war. Die Expert:innen vermuten, dass es über Jahrhunderte hinweg ein bedeutendes zeremonielles und bewohntes Zentrum war.
Ein weiterer historischer Hinweis: Eurydike, die Großmutter Alexanders des Großen und Frau von König Amyntas III., soll aus dieser Region stammen – eine politische Figur von großer Bedeutung in der makedonischen Dynastie.
Cal Poly Humboldt bezeichnet den Fund als „eine außergewöhnliche Gelegenheit, mehr über die Entstehung früher europäischer Staaten und ihre weltgeschichtliche Bedeutung zu erfahren“. Noch steht die Forschung am Anfang, doch eines ist jetzt schon klar: Diese wiederentdeckte Stadt könnte bald zu den bedeutendsten antiken Zentren Europas zählen. Und sie lag über zwei Jahrtausende still – bis jetzt.
Quelle: Los Andes