Was wie ein gewöhnlicher Keller im Zentrum Londons aussah, verbarg eine überraschende Entdeckung, die Archäologen in Staunen versetzte. Unter den Fundamenten eines Gebäudes in der Gracechurch Street wurden die Überreste einer monumentalen Struktur gefunden – fast 2.000 Jahre alt.
Dieser Fund verändert unser Verständnis der Stadtgeschichte und bestätigt die Bedeutung von Londiniums römischer Vergangenheit.
Die unerwarteten Überreste von Londinium

Bevor London zur heutigen Weltmetropole wurde, existierte hier Londinium, eine römische Stadt, die im Jahr 43 n. Chr. als strategischer Hafen am Ufer der Themse gegründet wurde. Doch ihr frühes Wachstum wurde zwischen 60 und 61 n. Chr. jäh unterbrochen, als die Icener-Königin Boudicca mit ihren Truppen Londinium verwüstete – ein blutiger Aufstand gegen die römische Herrschaft.
Nach der Zerstörung bauten die Römer Londinium nach einem geordneten, typisch römischen Stadtplan wieder auf. Um das Jahr 80 n. Chr. errichteten sie eine Basilika, die als Verwaltungs- und Gerichtsgebäude diente. Bislang galt ihre Existenz nur als Theorie – doch nun wurde sie von Archäologen des Museum of London Archaeology (MOLA) bestätigt. Und das unter einem Keller im heutigen Finanzdistrikt.
Ein Schlüsselbauwerk in der Geschichte der Stadt

Die bei der Ausgrabung entdeckten Überreste der Basilika waren 40 Meter lang, 20 Meter breit und 12 Meter hoch – ein beeindruckendes Bauwerk für seine Zeit. Die Fundamente aus Kalkstein aus Kent zeugen von der hohen architektonischen Präzision der Römer.
Diese Basilika war Teil des Forums, des wirtschaftlichen und politischen Zentrums von Londinium. Hier versammelten sich die Bürger, um rechtliche und wirtschaftliche Angelegenheiten zu regeln. Doch das Gebäude hatte nur eine kurze Nutzungsdauer: Bereits nach zwei Jahrzehnten wurde es ersetzt.
Der Aufstieg von Londinium und seine Transformation

Im 2. Jahrhundert n. Chr. erreichte Londinium seine Blütezeit. Die Stadt zählte schätzungsweise zwischen 45.000 und 60.000 Einwohner und erstreckte sich über 330 Acres (etwa 133 Hektar) nördlich der Themse.
Die ursprüngliche Basilika wurde durch eine monumentale, noch größere Version ersetzt – eine der größten römischen Bauwerke nördlich der Alpen.
Der Fund wurde als eine der bedeutendsten Entdeckungen der letzten Jahre bezeichnet. Laut Sophie Jackson vom Museum of London Archaeology:
„Diese Entdeckung zeigt uns das Herz des römischen Londons.“
Ein Keller, der die Geschichte veränderte
Was als routinemäßige Keller-Ausgrabung begann, führte zu einer bahnbrechenden historischen Entdeckung. Londinium birgt noch immer viele Geheimnisse unter den Straßen Londons – und mit jedem neuen Fund gewinnen wir tiefere Einblicke in die Vergangenheit dieser einstigen römischen Hochburg in Britannien.