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Wissenschaft

Eine Pille gegen Ebola? Neues Medikament zeigt bis zu 100 % Überlebensrate bei Affen

Ein neues Forschungsprojekt zeigt vielversprechende Ergebnisse: Das experimentelle antivirale Medikament Obeldesivir verhinderte in einer aktuellen Studie den Tod von bis zu 100 % der mit dem tödlichsten Ebola-Stamm infizierten Affen.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Ein einfacher Weg zur Heilung einer tödlichen Krankheit?

Wir könnten schon bald eine leicht einzunehmende Lösung gegen eine der tödlichsten Krankheiten der Welt haben. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass eine experimentelle Pille, die einmal täglich eingenommen wird, die hohe Sterblichkeitsrate von Ebola drastisch reduzieren kann – zumindest bei Affen.

Die Studie wurde von Forschenden der University of Texas Medical Branch durchgeführt und am Freitag in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht. Der experimentelle Wirkstoff Obeldesivir, ein orales Antivirusmedikament, konnte bei Affen, die mit einer hohen Dosis des tödlichsten Ebola-Stamms infiziert wurden, eine Überlebensrate von bis zu 100 % erreichen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Obeldesivir eine entscheidende Waffe im Kampf gegen Ebola und ähnliche Infektionen werden könnte, die oft schnell zu inneren Blutungen und dem Tod führen.

Ebola: Eine tödliche Bedrohung

Ebola wird durch verschiedene verwandte Virusarten verursacht, die offiziell als Orthoebolaviren bezeichnet werden. Die am häufigsten vorkommende und zugleich tödlichste Form wird durch das Zaire-Ebolavirus ausgelöst, das eine Sterblichkeitsrate von bis zu 90 % haben kann, wenn es unbehandelt bleibt.

Zu den ersten Symptomen von Ebola gehören Fieber, Muskelschmerzen und grippeähnliche Beschwerden. Doch die Infektion kann schnell eskalieren und zu schweren Organschäden sowie massiven inneren Blutungen führen – ein Zustand, der als hämorrhagisches Fieber bekannt ist.

Ebola ist eine zoonotische Krankheit, das heißt, dass sie ursprünglich von Tieren auf Menschen übertragen wird. Wissenschaftler vermuten, dass afrikanische Fruchtfledermäuse der Hauptwirt des Virus sind. Die Krankheit kann sich aber auch von Mensch zu Mensch über körperliche Flüssigkeiten wie Blut oder Sperma verbreiten. Aufgrund der raschen Entwicklung der Symptome und der hohen Sterblichkeitsrate bleibt Ebola oft lokal begrenzt. Doch in der Vergangenheit kam es bereits zu verheerenden Ausbrüchen.

Ein besonders schlimmer Fall ereignete sich zwischen 2014 und 2016 in Westafrika, als ein Zaire-Ebolavirus-Ausbruch fast 30.000 Menschen infizierte und über 11.000 Todesopfer forderte. Seitdem gab es zwar keine Epidemien dieser Größe mehr, doch Ebola und verwandte hämorrhagische Viren stellen weiterhin eine ernsthafte Bedrohung für die betroffenen Regionen dar.

Fortschritte in der Behandlung

Es gibt mittlerweile wirksame Impfstoffe und Medikamente gegen einige Ebola-Stämme. Doch die aktuellen Behandlungsmethoden haben Nachteile: Impfstoffe sind nur begrenzt verfügbar, und die derzeit zugelassenen Antikörper-Therapien müssen gekühlt und intravenös verabreicht werden, was ihre Einsatzmöglichkeiten stark einschränkt. Hier könnte Obeldesivir einen echten Durchbruch bedeuten.

Obeldesivir ist eine orale Version des antiviralen Medikaments Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von COVID-19 entwickelt wurde. In der neuen Studie infizierten die Wissenschaftler Cynomolgus- und Rhesusaffen mit einer tödlichen Dosis des Zaire-Ebolavirus und behandelten sie ab dem Tag nach der Infektion für zehn Tage mit Obeldesivir.

Das Ergebnis: Alle Rhesusaffen überlebten die Infektion, während bei den Cynomolgusaffen die Überlebensrate bei 80 % lag. Das Medikament verzögerte die Virusvermehrung und schien sogar die Immunantwort der Affen zu unterstützen, indem es die Bildung von Antikörpern förderte.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Obeldesivir möglicherweise auch gegen das Sudan-Virus wirksam sein könnte – die zweithäufigste Ebola-Art. Anfang dieses Jahres stellten Forscher zudem fest, dass Obeldesivir Affen vor dem Marburg-Virus schützen kann, einem tödlichen Verwandten von Ebola. Ein jüngster Marburg-Ausbruch in Tansania forderte mindestens zehn Todesopfer.

Hoffnung für die Zukunft

Natürlich ist weitere Forschung notwendig, um die Wirksamkeit von Obeldesivir beim Menschen zu bestätigen. Doch die Wissenschaftler sind zuversichtlich, dass das Medikament zu einem weit verbreiteten und praktischen Mittel gegen diese lebensgefährlichen Infektionen werden könnte.

„Für den Einsatz in Epidemien könnten orale antivirale Medikamente enorme Vorteile gegenüber den derzeit zugelassenen intravenösen Therapien bieten – etwa durch einfachere Lagerung, Verteilung und Anwendung“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Sollte sich Obeldesivir tatsächlich als ebenso wirksam beim Menschen erweisen, könnte es den Kampf gegen Ebola revolutionieren – und Tausenden Menschen das Leben retten.

 

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