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Wissenschaft

Eine neue Therapie könnte die Behandlung von Bluthochdruck revolutionieren

Ein innovatives, minimalinvasives Verfahren könnte eine Alternative zur Operation für Menschen mit Bluthochdruck bieten, der durch eine hormonelle Störung verursacht wird. Erste Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse und könnten den medizinischen Ansatz in den kommenden Jahren verändern.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Millionen Menschen weltweit leiden unter Bluthochdruck, und in einigen Fällen ist diese Erkrankung auf eine hormonelle Fehlregulation namens primärer Aldosteronismus (PA) zurückzuführen. Bisher war eine Operation die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit. Doch nun hat ein Forscherteam im Vereinigten Königreich eine weniger invasive Methode entwickelt, die die Behandlung dieser Erkrankung revolutionieren könnte.

Dabei handelt es sich um die gezielte Thermotherapie, auch bekannt als Triple T, eine Technik, die auf der Anwendung von ultraschallgesteuerter Hochfrequenzablation basiert, um das Gewebe zu entfernen, das den Bluthochdruck verursacht. Die ersten Ergebnisse, die in The Lancet veröffentlicht wurden, haben in der medizinischen Gemeinschaft große Erwartungen geweckt.

Was ist Bluthochdruck und wie hängt er mit primärem Aldosteronismus zusammen?

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© Towfiqu barbhuiya

Bluthochdruck tritt auf, wenn der Blutdruck dauerhaft über 140/90 mmHg liegt (nach Definition der WHO). Es handelt sich um eine weit verbreitete Erkrankung, die unbehandelt das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen erhöht.

Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Höheres Alter
  • Genetische Veranlagung
  • Übergewicht oder Adipositas
  • Übermäßiger Salzkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Hoher Alkoholkonsum

Bei etwa 5 % der Patienten mit Bluthochdruck ist primärer Aldosteronismus (PA) die zugrunde liegende Ursache. Dabei produziert die Nebenniere zu viel Aldosteron, ein Hormon, das die Natriumretention erhöht und dadurch den Blutdruck steigen lässt.

Die Standardbehandlung für PA umfasst Medikamente und Lebensstiländerungen. In schweren Fällen wird jedoch die chirurgische Entfernung der betroffenen Nebenniere empfohlen. Die Triple-T-Therapie könnte nun eine schonendere Alternative zur Operation darstellen.

Wie funktioniert die Triple-T-Therapie?

Das Triple-T-Verfahren zerstört gezielt die für die Aldosteron-Überproduktion verantwortlichen Knoten, ohne dass eine größere Operation erforderlich ist.

Ablauf der Methode:

  1. Präzise Lokalisierung der Knoten mithilfe von Ultraschallbildern und einer speziellen molekularen Markierung.
  2. Einführen einer feinen Nadel durch den Magen bis zur Nebenniere.
  3. Gezielte Erwärmung des Gewebes durch Hochfrequenzenergie, wodurch nur das krankhafte Gewebe zerstört und der gesunde Teil der Nebenniere erhalten bleibt.

Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten, wird unter lokaler Betäubung durchgeführt und ermöglicht es den Patienten, noch am selben Tag nach Hause zu gehen.

Im Vergleich zur herkömmlichen Operation verkürzt Triple T die Erholungszeit, reduziert das Risiko einer Vollnarkose und minimiert die Notwendigkeit eines längeren Krankenhausaufenthalts.

Vielversprechende Ergebnisse in den ersten Studien

Forscher der Queen Mary University of London führten in Zusammenarbeit mit dem Barts Health NHS Trust und dem University College London eine erste Studie mit 28 Patienten mit PA durch.

Die in The Lancet veröffentlichten Ergebnisse waren ermutigend:

  • Die meisten Patienten hatten nach sechs Monaten normale Hormonwerte.
  • Viele konnten ihre Blutdruckmedikamente absetzen oder die Dosis erheblich reduzieren.
  • Einige berichteten über Verbesserungen bei begleitenden Symptomen, wie z. B. chronischen Kopfschmerzen.

Eine Teilnehmerin, Michelina Alfieri, teilte ihre Erfahrung:
„Ich litt jahrelang unter starken Kopfschmerzen. Nach der Behandlung konnte ich sofort zu meinem normalen Alltag zurückkehren. Ich bin dem Ärzteteam unglaublich dankbar.“

Nächste Schritte: Wird Triple T zum neuen Standardverfahren?

Derzeit läuft eine größere klinische Studie namens WAVE, in der Triple T mit der herkömmlichen Operation verglichen wird. 120 Patienten nehmen daran teil, und die Ergebnisse sollen bis 2027 vorliegen.

Falls die Studie bestätigt, dass Triple T sicher und wirksam ist, könnte das Verfahren in endoskopischen Abteilungen implementiert werden und für eine größere Anzahl von Patienten zugänglich werden.

Die Entwicklung dieser innovativen Therapie wurde finanziell unterstützt durch Barts Charity, das National Institute for Health and Care Research (NIHR) und die British Heart Foundation.

Obwohl weitere Studien erforderlich sind, sehen Experten in Triple T ein enormes Potenzial, die Behandlung des primären Aldosteronismus grundlegend zu verändern. Durch eine sichere und minimalinvasive Alternative könnte dieses Verfahren tausenden von Menschen helfen, ihren Bluthochdruck ohne eine größere Operation zu kontrollieren.

Sollten die laufenden klinischen Studien weiterhin positive Ergebnisse liefern, könnte diese Technik in den nächsten Jahren zum neuen Standardverfahren für Patienten mit hormonell bedingtem Bluthochdruck werden.

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