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Wissenschaft

Ein verborgenes Rätsel im Kalzium: Die fünfte Kraft, die die Physik verändern könnte

Eine fast unmerkliche Abweichung in Experimenten mit Kalziumatomen stellt die Gesetze unseres Universums infrage. Wissenschaftler glauben, Hinweise auf eine fünfte fundamentale Kraft gefunden zu haben – jenseits von Gravitation, Elektromagnetismus und den beiden Kernkräften. Stehen wir am Rand einer Revolution in der Physik?
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Lesezeit 2 Minuten

Wenn ein Atom das Universum erschüttert

Manchmal entstehen bahnbrechende Entdeckungen nicht in riesigen Teilchenbeschleunigern oder fernen Galaxien, sondern im stillen Inneren eines Atoms. Ein internationales Forschungsteam hat eine Anomalie bei den Energiesprüngen von Elektronen im Kalzium beobachtet. Und genau dieser kleine Unterschied könnte auf etwas Großes hinweisen: eine neue fundamentale Naturkraft.

Eine Anomalie, die das Standardmodell infrage stellt

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© Unsplash – Buddha Elemental 3D.

Die in Physical Review Letters veröffentlichte Studie analysierte die elektronischen Übergänge in fünf Kalziumisotopen: 40, 42, 44, 46 und 48. Entscheidend war das sogenannte King-Plot-Diagramm – eine Darstellung, die normalerweise eine lineare Beziehung zeigt. Doch diesmal verlief die Kurve nicht gerade. Die Abweichung war so deutlich – über 100 Standardabweichungen –, dass ein Zufall als Ursache ausgeschlossen wurde.

Die Forscher vermuten, dass es sich um eine bislang unbekannte Wechselwirkung zwischen Elektronen und Neutronen handeln könnte. Das würde auf das Vorhandensein einer neuen Kraft hindeuten. Sogar ein hypothetisches Teilchen kommt ins Spiel: ein skalarer Yukawa-Boson als möglicher Kraftvermittler.

Was ist eine fundamentale Kraft – und was würde sich ändern?

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© Unsplash – Shawn Day.

Fundamentale Kräfte sind die Grundinteraktionen, die alle Vorgänge im Universum bestimmen. Derzeit kennt man vier davon: Gravitation, Elektromagnetismus sowie die starke und schwache Kernkraft. Doch diese erklären nicht alle Phänomene, etwa dunkle Materie oder die beobachtete Asymmetrie im Universum.

Daher vermuten Physiker seit Jahren, dass eine weitere Kraft existiert. Die neue Studie bestätigt das zwar nicht, setzt aber deutlich engere Grenzen dafür, wo sich eine solche Kraft verbergen könnte. Möglich wurde dies durch hochpräzise Messungen mittels quantenmechanischer Spektroskopie und einem Penning-Fallen-Spektrometer.

Eine neue Kraft – oder doch ein Rechenfehler?

Es gibt auch eine zurückhaltendere Erklärung: Die Abweichung könnte durch einen bereits bekannten, aber ungenau berechneten Effekt wie die Kernpolarisation verursacht worden sein. Die Autoren der Studie betonen selbst, dass eine Verringerung der Messunsicherheiten helfen könnte, die Ursache der Anomalie eindeutig zu klären.

Dennoch ist allein die erreichte Messgenauigkeit ein wissenschaftlicher Meilenstein. Sollte sich die Existenz einer fünften Kraft bestätigen, wäre dies eine Entdeckung, die unser Weltbild grundlegend verändert. Wie so oft in der Physik genügt ein Zittern in den Daten, um die Fundamente ganzer Theorien ins Wanken zu bringen.

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