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Wissenschaft

Ein Tunnel auf dem Mond? Neue Radaraufnahmen liefern Hinweise auf riesige Höhle

Ein Forschungsteam hat mithilfe von Radaraufnahmen der Mondoberfläche eine potenzielle Höhle entdeckt – und diese könnte eines Tages zum Standort einer bemannten Mondbasis werden.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Was wurde entdeckt – und wo genau?

Die vermeintliche Höhle befindet sich im sogenannten Mare Tranquillitatis, also dem Meer der Ruhe. Klingt bekannt? Kein Wunder: Genau dort landete 1969 die berühmte Apollo-11-Mission. In diesem Gebiet liegt auch die bislang tiefste bekannte Grube des Mondes – und genau in dieser Grube könnte sich der Tunnel verbergen.

Entstanden ist die Grube vermutlich durch den Einsturz eines ehemaligen Lavakanals oder durch tektonische Prozesse, die einen Hohlraum geschaffen haben. Um der Sache auf den Grund zu gehen, analysierte das Team Radaraufnahmen der Mini-RF-Kamera an Bord des Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO), die zwischen 2009 und 2011 aufgenommen wurden. Mithilfe von 3D-Simulationen testeten sie verschiedene Tunnelgeometrien, um zu prüfen, ob die Helligkeit in den Bildern auf unterirdische Strukturen zurückzuführen sein könnte.

Und tatsächlich: Die Analyse legt nahe, dass sich in der Grube ein Tunnel mit einer Länge zwischen 30 und 80 Metern erstreckt. Seine Breite beträgt etwa 45 Meter, der Boden ist entweder flach oder leicht geneigt – maximal aber um 45 Grad. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht.

Ein echter Gamechanger für Mondmissionen

Die Aussicht auf eine begehbare Höhle auf dem Mond lässt vor allem Raumfahrtfans und Wissenschaftler aufhorchen. Denn solche Strukturen könnten sich ideal als Basislager für zukünftige Mondmissionen eignen.

„Die Erkundung von Mondhöhlen durch künftige Robotermissionen könnte unser Verständnis der geologischen Entwicklung des Mondes revolutionieren“, schreiben die Forschenden. „Zudem könnten solche Höhlen stabile Bedingungen bieten – geschützt vor Strahlung und mit angenehmen Temperaturen –, was sie extrem interessant für die langfristige Nutzung durch Menschen macht.“

Schon 2022 hatte die NASA Daten veröffentlicht, die zeigten, dass sich in bestimmten Mondgruben Temperaturen um die 17 Grad Celsius halten – ein absoluter Luxus, verglichen mit den extremen Temperaturschwankungen an der Mondoberfläche.

Warum eine Mondhöhle besser ist als jede Oberfläche

Die Mitautoren der Studie, Leonardo Carrer und Lorenzo Bruzzone von der Universität Trient, betonen gegenüber Gizmodo die vielen Vorteile, die eine Höhlenbasis im Vergleich zu einem Stützpunkt auf der Mondoberfläche hätte:

  • Strahlungsschutz: Kosmische Strahlen und Sonnenstrahlung treffen ungebremst auf die Mondoberfläche – nicht gerade ideal für Menschen. Eine Höhle bietet hier natürlichen Schutz.

  • Temperaturstabilität: Während es an der Oberfläche bis zu +127°C heiß oder -173°C kalt werden kann, bleiben Höhlen vergleichsweise konstant temperiert.

  • Schutz vor Mikrometeoriten: Auf dem Mond gibt’s keine Atmosphäre, die kleine Gesteinsbrocken abbremst. Eine Höhlenstruktur schützt vor Einschlägen.

  • Rohstoffnähe: Einige Höhlen könnten näher an Wassereis- oder Mineralvorkommen liegen – beides essenziell für längere Aufenthalte.

Wie geht es jetzt weiter?

Eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond wäre nicht nur ein wissenschaftlicher Meilenstein, sondern könnte auch als Sprungbrett für Missionen tiefer ins Sonnensystem dienen.

Doch auch abseits zukünftiger Basen bieten Höhlen auf dem Mond spannende Einblicke in dessen Vergangenheit. Unberührt von Wind, Wetter und Strahlung könnten sich dort Gesteinsschichten befinden, die Hinweise auf vulkanische Aktivitäten und die Zusammensetzung des Mondinneren geben – sozusagen ein geologisches Archiv.

Aktuell fehlen allerdings modernere Radarsonden im Orbit, um detailliertere Bilder zu liefern. Die jetzigen Erkenntnisse sind daher eher ein vielversprechender Vorgeschmack auf das, was mit zukünftiger Technologie möglich sein könnte.

Aber klar ist: Diese Entdeckung ist mehr als nur eine spannende Theorie. Sie zeigt, wie viel es auf dem Mond noch zu entdecken gibt – und dass unsere Rückkehr dorthin nicht nur ein PR-Gag ist, sondern echte Perspektiven für Forschung, Technologie und vielleicht sogar eine neue Ära der bemannten Raumfahrt bietet.

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