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Welt

Ein seltsames, unerklärliches Brummen raubt einer schottischen Insel nachts den Schlaf

Ein Team für Umweltgesundheit auf der Insel untersucht Berichte über niederfrequente Geräusche.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Unerklärliches Brummen beunruhigt Inselbewohner

Bewohner der schottischen Insel Lewis in den Äußeren Hebriden berichten von einem seltsamen Brummton. Niemand weiß, woher das Geräusch stammt – oder ob es überhaupt real ist. Dennoch behaupten einige der sogenannten „Brummhörer“, dass das Geräusch ihr Leben stark beeinträchtigt.

Lauren-Grace Kirtley, Gründerin der Facebook-Gruppe The Hebridean Hum: Low frequency noise disturbance action and support group, beschrieb das Phänomen in der BBC-Radiosendung Good Morning Scotland als „ein sehr tiefes, summendes, dröhnendes, pulsierendes Geräusch. Es ist unglaublich aufdringlich und belastend.“ Sie sagte, das Geräusch mache es schwer zu schlafen und sich zu konzentrieren. „Ich habe viel Flattern in den Ohren“, fügte sie hinzu, „es macht mich schwindelig und verursacht Kopfschmerzen“, so die BBC.

Messdaten stützen die Wahrnehmung

In einem Facebook-Beitrag schrieb Kirtley, dass die Gruppe Spektrogramm-Aufnahmen – also graphische Darstellungen von Schallfrequenzen über die Zeit – an jedem Ort gemacht hat, an dem Menschen das Brummen wahrnahmen. Sie identifizierten dabei ein „anhaltendes, messbares 50-Hz-Signal mit variabler Stärke“, das an allen Standorten vorhanden war. Dies deutet darauf hin, dass das Brummen nicht aus dem Zentrum der Insel stammt.

Durch diese Methode konnten alle bekannten potenziellen Quellen auf der Insel ausgeschlossen werden, darunter Häfen, Turbinen und andere Infrastrukturen. Die Gruppe untersucht nun mögliche Ursprünge auf See.

Mögliche Erklärungen: von Technik bis Innenohr

Die Gruppe hat laut eigenen Angaben mehrere Organisationen um Unterstützung gebeten, aber es gibt noch keine einheitliche Erklärung für die mögliche Ursache. Kirtley ist jedoch überzeugt, dass das Geräusch menschlichen und nicht natürlichen Ursprungs ist.

Pamela Weaver Larson, ein Mitglied der Facebook-Gruppe mit 546 Mitgliedern, vermutete in einem Beitrag, dass es sich bei dem Phänomen um sogenannte otoakustische Emissionen handeln könnte – also niederintensive Geräusche, die in der Cochlea, einem Teil des Innenohrs, erzeugt werden. Mit anderen Worten: Die Betroffenen könnten Geräusche hören, die von ihren eigenen Ohren erzeugt werden – nicht von außen.

„Aber warum höre ich das Brummen dann nicht überall?“ fragte sich Larson in dem Beitrag und erklärte, dass sie das Geräusch weder in Florida noch im Norden von Michigan wahrgenommen habe.

Weltweites Phänomen: Das „Worldwide Hum“

Die aktuellen Berichte reihen sich in eine Vielzahl ähnlicher Phänomene ein, die weltweit seit Jahrzehnten dokumentiert werden. Es gibt sogar das World Hum Map and Database Project, gegründet von Glen MacPherson, einem ehemaligen Dozenten der Universität British Columbia. Dieses Projekt sammelt und kartiert Selbstauskünfte über das sogenannte „Worldwide Hum“.

Laut der Webseite wird das Brummen typischerweise mit „einem Auto- oder Lkw-Motor, der vor dem Haus oder ein paar Häuser weiter läuft“ verglichen oder als „tiefes Grollen oder Dröhnen“ beschrieben. Es werde oft nachts als lauter wahrgenommen als tagsüber, und drinnen stärker als draußen. Allerdings wird dort auch behauptet, dass Betroffene das Geräusch überall hören – was nicht mit Larsons Erfahrung übereinstimmt.

Offizielle Untersuchung auf der Isle of Lewis

Comhairle nan Eilean Siar, der örtliche Gemeinderat auf der Isle of Lewis, bestätigte laut BBC den Erhalt mehrerer Berichte über niederfrequente Geräusche von Inselbewohnern. Das Umweltgesundheitsteam untersucht derzeit die Situation.

In einem Gespräch mit der Times sagte Kirtley jedoch: „Wir sind uns jetzt ziemlich sicher, dass was auch immer das verursacht, eine maritime Quelle hat“ – und dass es wahrscheinlich auch Meereslebewesen beeinträchtigt. „Das macht es umso wichtiger, die Ursache zu finden und das Brummen endgültig zum Schweigen zu bringen.“

Eine Antwort lässt weiter auf sich warten

Ob es der Gruppe tatsächlich gelingt, die Quelle des Brummens zu identifizieren – und was Expertinnen und Experten letztlich dazu sagen werden – bleibt abzuwarten.

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