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Ein Rätsel unter dem Atlantik: Der wahre Ursprung der Kanarischen Inseln entdeckt

Jahrelang wurde geglaubt, dass die Kanarischen Inseln aus einem Hotspot im Erdmantel entstanden sind, ähnlich wie Hawaii. Eine neue Studie stellt jedoch diese Theorie in Frage und deutet darauf hin, dass der Archipel durch tektonische Kräfte in Verbindung mit der afrikanischen Platte und dem Atlasgebirge geformt wurde. Wie verändert dies unser Verständnis des Vulkanismus im Atlantik?
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Die Kanarischen Inseln sind schon immer ein geologisches Rätsel gewesen. Ihr vulkanischer Ursprung ist unbestreitbar, aber die Art und Weise, wie sie aus dem Ozean hervorgingen, war Jahrzehnte lang umstritten. Bis jetzt lautete die vorherrschende Theorie, dass sie durch einen Hotspot im Erdmantel gebildet wurden.

Eine neue Untersuchung über vulkanische Ursprünge

Doch eine neue Untersuchung stellt diese Idee infrage und schlägt vor, dass ihre Bildung stärker mit der Plattentektonik verbunden ist, als zuvor gedacht. Wenn das wahr ist, könnte dies unser Verständnis des Vulkanismus im Atlantik grundlegend verändern.

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Der Hotspot, der nie existierte

Die klassische Theorie behauptete, dass ein aufsteigender und fester Magmastrahl im Mantel die Lithosphäre durchdrang und die Inseln bildete, während sich die afrikanische Platte darüber bewegte. Dieses Modell würde die sequenzielle Bildung von Vulkainseln erklären, wie es in Hawaii der Fall ist.

Allerdings enthüllt die im Earth-Science Reviews veröffentlichte Studie wichtige Schwächen in dieser Theorie, wenn sie auf die Kanarischen Inseln angewandt wird. Zu den Hauptproblemen zählen:

  • Fehlen eines vertikalen Magmakanals: In Hawaii wurde ein tiefer Kanal identifiziert, durch den das Magma aufsteigt. In den Kanarischen Inseln gibt es jedoch keine Beweise für eine solche Struktur.
  • Gleichzeitige vulkanische Aktivität auf mehreren Inseln: Wenn der Hotspot die Ursache wäre, sollte die Aktivität allmählich von einer Insel zur anderen wandern. Allerdings hatten mehrere Kanarische Inseln gleichzeitig Ausbrüche.
  • Anomale Anhebung der Inseln: In Hawaii sinken die Vulkane mit der Zeit. Auf den Kanarischen Inseln wurden einige Gebiete um bis zu 2.000 Meter angehoben, was auf einen anderen Prozess hinweist.

Eine unerwartete Verbindung zum marokkanischen Atlas

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Das Forschungsteam der Universidad Complutense de Madrid, der Universidad de La Laguna und des IGME-CSIC schlägt eine neue Hypothese vor: Die Kanarischen Inseln entstanden durch die Wechselwirkung der afrikanischen Platte mit dem Atlasgebirge in Marokko.

Diese Theorie besagt, dass Risse in der afrikanischen Lithosphäre das Ausströmen von Magma ermöglichten, was den Vulkanismus hervorbrachte, der den Archipel bildete. Das würde erklären, warum die Ausbrüche auf den Kanarischen Inseln viel länger andauerten als in Hawaii, wo die vulkanische Aktivität auf jeder Insel nur ein oder zwei Millionen Jahre anhält.

Darüber hinaus verstärkt die Präsenz von marinen Gesteinen, die in großer Höhe auf Fuerteventura gefunden wurden, die Vorstellung, dass die Plattentektonik eine Schlüsselrolle bei der Bildung des Archipels spielte.

Auswirkungen auf die vulkanische Überwachung auf den Kanarischen Inseln

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Wenn die vulkanische Aktivität nicht von einem einzigen Emissionspunkt abhängt, sondern von einem umfassenderen Prozess auf regionaler Ebene, könnten die Überwachungsmodelle für Ausbrüche einer Überprüfung bedürfen. Die Vorhersage neuer Ausbrüche auf den Inseln könnte komplexer werden, als bisher gedacht.

Diese Entdeckung hinterfragt nicht nur unser bisheriges Wissen über die Kanarischen Inseln, sondern wirft auch neue Fragen zu anderen vulkanischen Archipelen weltweit auf.

Die Kanarischen Inseln sind nicht so entstanden, wie wir es erzählt bekommen haben. Die Wissenschaft erforscht weiterhin die Geheimnisse, die der Atlantik birgt, und dies könnte erst der Beginn einer neuen Ära im Verständnis des globalen Vulkanismus sein. Welche weiteren Rätsel bleiben noch verborgen unter dem Ozean?

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