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Wissenschaft

Ein neuer Ansatz gegen Haarausfall sorgt für Aufsehen

Orale Minoxidil-Tabletten erobern den Markt – Doch Fragen bleiben
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Haarausfall könnte in Zukunft einfacher zu behandeln sein. Eine internationale Gruppe von Dermatologie-Experten empfiehlt jetzt eine günstige Tablettenform des Wirkstoffs Minoxidil – bekannt aus dem beliebten topischen Mittel Rogaine. Laut den Experten könnte diese orale Version eine effektive Alternative für viele Betroffene sein, die mit der äußeren Anwendung nicht zufrieden sind. Doch trotz der neuen Unterstützung bleiben einige Zweifel bestehen.

Warum die Tablette als Alternative gilt

Minoxidil in topischer Form ist seit Jahrzehnten ein gängiges Mittel gegen Haarausfall und sogar rezeptfrei erhältlich. In den letzten Jahren haben jedoch einige Ärzte begonnen, stattdessen niedrig dosierte Minoxidil-Tabletten zu verschreiben. Der Grund: Die orale Einnahme bringt einige Vorteile mit sich.

Bei der Anwendung auf der Kopfhaut kann Minoxidil Nebenwirkungen wie Rötungen und Brennen verursachen. Zudem müssen Haustierbesitzer vorsichtig sein, da Minoxidil für Katzen und Hunde giftig ist. Viele Menschen empfinden es auch als lästig, das Mittel täglich als Gel oder Schaum aufzutragen. Die Tablettenform hingegen ist einfach einzunehmen, kostengünstig und umgeht diese Probleme. Studien deuten sogar darauf hin, dass orale Minoxidil-Tabletten möglicherweise effektiver wirken, da der Wirkstoff nicht immer optimal über die Kopfhaut aufgenommen wird.

Noch nicht offiziell zugelassen – aber vielversprechend

Derzeit bleibt die orale Version eine Art Geheimtipp, da sie nicht offiziell zur Behandlung von Haarausfall zugelassen ist. Die meisten Ärzte haben bislang wenig Erfahrung mit diesem Ansatz und sind sich unsicher, wie sie ihn korrekt dosieren oder für wen er geeignet ist. Ein neues Expertenpapier, das in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Dermatology veröffentlicht wurde, soll hier Klarheit schaffen.

43 Haarausfall-Spezialisten aus 12 Ländern haben die verfügbaren Daten analysiert und sich auf 76 Schlüsselpunkte geeinigt. Ihr Fazit: Niedrig dosiertes orales Minoxidil ist eine sinnvolle Option für Menschen, bei denen die topische Variante nicht wirkt oder unerwünschte Nebenwirkungen verursacht.

„Die Einnahme von Minoxidil-Tabletten kann eine Lösung sein, wenn die topische Anwendung unpraktisch ist, zu Irritationen führt oder nicht den gewünschten Effekt bringt“, erklärt Mitautorin Paradi Mirmirani, Dermatologin aus Kalifornien.

Vorsicht bei Herzproblemen

Minoxidil wurde ursprünglich als Medikament zur Blutdrucksenkung entwickelt und kann in höheren Dosen das Herz belasten. Die Experten sind sich jedoch einig, dass die niedrige Dosierung zur Behandlung von Haarausfall in der Regel unbedenklich ist. Dennoch sollte Minoxidil nicht bei Patienten mit bestimmten Herzkrankheiten wie Perikarditis eingesetzt werden. Personen mit anderen Herz- oder Gesundheitsproblemen sollten die Einnahme vorher mit ihrem Arzt abklären.

Durch die neuen Richtlinien könnte sich die orale Anwendung von Minoxidil weiter verbreiten. Viele Dermatologen sind bisher noch zurückhaltend, da ihnen ausreichende Informationen zu Indikationen, Dosierung und Nebenwirkungen fehlen.

„Da orale Minoxidil-Tabletten in der Dermatologie noch relativ neu sind, trauen sich viele Ärzte nicht, sie zu verschreiben. Unser Konsenspapier gibt ihnen eine klare Orientierungshilfe und hoffentlich mehr Sicherheit bei der Anwendung“, sagt Mitautorin Brittany Craiglow von der Yale University School of Medicine.

Ob sich Minoxidil-Tabletten als neuer Standard in der Haartherapie durchsetzen, bleibt abzuwarten. Doch die Chancen stehen gut, dass sich das Wissen über diese Behandlungsmethode in den kommenden Jahren weiter verbreiten wird.

 

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