Der NASA-Rover Curiosity erkundet den Mars nun schon seit über einem Jahrzehnt und liefert wertvolle Informationen über diese Welt, die unserem Planeten sowohl ähnlich als auch fremdartig ist. Doch was er vor Kurzem eingefangen hat, ließ Wissenschaftler staunen: Ein Tanz schillernder Wolken in roten und grünen Tönen bewegte sich über die Marsatmosphäre.
Die Bilder wurden mit der Mastcam aufgenommen, einer fortschrittlichen Kamera, die Farbaufnahmen und Videos erstellen kann. Am 17. Januar dokumentierte der Rover über einen Zeitraum von 16 Minuten ein atmosphärisches Phänomen, das als nachtleuchtende Wolken bekannt ist – eine Wolkenart, die nur unter bestimmten Bedingungen sichtbar wird und in diesem Fall eine atemberaubende Farbpalette zeigte.
Was sind nachtleuchtende Wolken und warum sind sie so besonders?

Nachtleuchtende Wolken sind Dämmerungsformationen, die tagsüber aufgrund des intensiven Sonnenlichts unsichtbar bleiben. Sie werden erst dann sichtbar, wenn die Sonne am Horizont steht und sie in einem Winkel beleuchtet, der ihre Struktur und in manchen Fällen auch ihre schillernden Farben hervorhebt.
Auf dem Mars bestehen diese Wolken hauptsächlich aus Wassereiskristallen oder – in größeren Höhen und kälteren Regionen – aus Kohlendioxideis. Bisher wurde jedoch nur beobachtet, dass Kohlendioxideis-Wolken diese beeindruckenden Farbeffekte erzeugen können. Sie treten in Höhen zwischen 60 und 80 Kilometern über der Marsoberfläche auf.
Zudem lassen sich gelegentlich weiße Säulen beobachten, die bis auf etwa 50 Kilometer herabreichen, bevor sie aufgrund höherer Temperaturen in niedrigeren Höhen verdampfen.
Von einem vermeintlichen Kamerafehler zu einer faszinierenden wissenschaftlichen Entdeckung

Nachtleuchtende Wolken auf dem Mars wurden erstmals 1997 von der NASA-Mission Pathfinder entdeckt. Allerdings konnte der Curiosity-Rover sie erst 2019 dokumentieren – ein Wendepunkt in der Erforschung der Marsatmosphäre.
Als die schillernden Wolken zum ersten Mal in den Rover-Bildern auftauchten, hielten die Wissenschaftler sie zunächst für einen Farbfehler. Doch nach einer genaueren Analyse bestätigte sich, dass es sich um ein reales Phänomen handelte. Seitdem hat sich das Verständnis dieser Wolken so weit entwickelt, dass ihre Erscheinungen nun präzise vorhergesagt werden können.
Es wurde festgestellt, dass diese Wolken jedes Jahr zur gleichen Zeit auftreten – zu Beginn des Herbstes auf der Südhalbkugel des Mars. Diese Erkenntnis ermöglicht es Forschern, ihre Beobachtungen im Voraus zu planen und detailliertere Aufnahmen zu machen.
Ein Phänomen voller ungelöster Rätsel

Trotz der Fortschritte in der Erforschung dieser Wolken gibt es noch viele offene Fragen. Das Sammeln weiterer Bilder wird dabei helfen, ihre Zusammensetzung, Größe und Entwicklung besser zu verstehen. Dies wiederum liefert wertvolle Informationen über die Marsatmosphäre und ihre internen Prozesse.
Eines der größten Rätsel ist, warum diese Kohlendioxideis-Wolken nur in bestimmten Regionen des Mars vorkommen, während sie in anderen Gebieten scheinbar nicht entstehen. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass einige Bereiche des Planeten anfälliger für atmosphärische Schwerewellen sind, die die Atmosphäre abkühlen und so die Wolkenbildung begünstigen.
Diese Hypothese bedarf jedoch weiterer Untersuchungen. Fest steht, dass jede neue Entdeckung weiterhin überrascht und unser Wissen über den Mars und seine komplexe Atmosphäre herausfordert.