Nach Wochen der Unsicherheit scheint die Trump-Regierung bereit zu sein, der NASA massiv die Mittel zu streichen. Ein vorläufiger Haushaltsentwurf sieht vor, die Finanzierung der US-Raumfahrtbehörde nahezu zu halbieren.
Gerüchte – also Äußerungen in wissenschaftlichen und parlamentarischen Ausschüssen – haben bereits angedeutet, wohin der Wind für die NASA weht. Und dieser Wind gleicht eher einem Orkan. Die Washington Post berichtete, dass die vorläufige „Passback“-Version von Donald Trumps Haushaltsvorschlag eine Kürzung des NASA-Budgets von 7,3 Milliarden auf 3,9 Milliarden Dollar vorsieht.
Interne Unsicherheit und erste Reaktionen
Nicky Fox, wissenschaftliche Leiterin der NASA, erklärte am 1. April vor dem Raumfahrtunterausschuss des Wissenschaftsausschusses im Repräsentantenhaus, dass die Behörde bislang keine Szenarien durchgespielt habe, wie sie mit einer 50-prozentigen Budgetkürzung umgehen würde, da ihr der Haushaltsentwurf der Trump-Regierung für 2026 noch nicht vorgelegen habe. Nun jedoch haben einige Personen Einblick erhalten – und das Bild ist alles andere als erfreulich.
Laut SpaceNews sagte Fox: „Eine Kürzung um 50 % wird zu einigen ziemlich drastischen Entscheidungen führen.“ Hoffentlich sind die Bleistifte beim NASA-Budgetteam angespitzt – denn im nächsten Jahr wird vielleicht nicht einmal mehr Geld für Anspitzer da sein.
Bethany Stevens, Pressesprecherin der NASA, erklärte: „Die NASA hat den Haushaltsentwurf für das Haushaltsjahr 2026 vom Office of Management and Budget erhalten und mit dem internen Abstimmungsprozess begonnen.“
Konsequenzen für Forschung und Wissenschaft
Wie diese internen Beratungen ausgehen, bleibt abzuwarten. Eine Kürzung des NASA-Budgets würde bedeuten, dass eine große Zahl laufender und geplanter Missionen eingestellt wird – Missionen, die Astronominnen, Astrophysikerinnen und Planetenforscher*innen helfen würden, das Universum besser zu verstehen. Die NASA-Missionen ermöglichen es der Menschheit, über die Grenzen der irdischen Gravitation hinaus vorzustoßen – und den Horizont unserer Spezies im Kosmos zu erweitern.
Darüber hinaus helfen diese Missionen bei der Beantwortung von drei der grundlegendsten Fragen menschlicher Existenz: Woher kommen wir, wohin gehen wir – und sind wir allein?
Harte Zahlen: Welche Bereiche besonders betroffen wären
Laut dem Bericht der Washington Post soll das Budget der Astrophysik auf weniger als eine halbe Milliarde Dollar schrumpfen – zuvor lag es bei 1,5 Milliarden. Die Mittel für die Planetenforschung würden von 2,7 Milliarden auf 1,9 Milliarden gekürzt, das Budget der Erdforschung halbiert sich auf knapp über 1 Milliarde Dollar (vorher rund 2,2 Milliarden). Kein neues Teleskop – abgesehen vom Hubble- und dem Webb-Weltraumteleskop – würde finanziert werden. Schlechte Nachrichten also für das Nancy Grace Roman Space Telescope, dessen Start schon im nächsten Jahr geplant ist.
„Aussterbeereignis“ für die NASA?
Bereits jetzt bezeichnen führende Persönlichkeiten aus der Weltraumforschung den Passback-Haushalt als ein „Aussterbeereignis“ für die NASA – eine Behörde, die seit fast 70 Jahren Vorreiterin in der Weltraumerkundung ist.
Wie Ars Technica berichtet, handelt es sich bei dem Dokument um den ersten Schritt im Haushaltsprozess für das Fiskaljahr 2026 – ausgearbeitet vom Office of Management and Budget des Weißen Hauses. Diese Behörde wird von Russell Vought geleitet, dessen erklärtes Ziel von Anfang an war, „Wissenschaftler*innen traumatisch zu beeinflussen“, wie Nature berichtet.
Von der Sorge zur Realität
Der Passback-Entwurf überrascht nicht: Bereits im vergangenen Monat hatte die NASA auf Anweisung des sogenannten Department of Government Efficiency fast eine halbe Milliarde Dollar an Verträgen gestrichen – doch nun wird aus einer beunruhigenden Idee Realität.
Was bleibt vom Konsens in der Raumfahrt?
Traditionell genießt die NASA parteiübergreifende Unterstützung – die USA als führende Nation in der Weltraumforschung und wissenschaftlichen Entdeckung: eine Vision, hinter der beide politische Lager stehen können. Doch die aktuelle Regierung scheint das Geld lieber anderswo ausgeben zu wollen – nicht für die Erforschung des Weltalls, nicht für das Verständnis fundamentaler physikalischer Gesetze, nicht für die Mysterien, die das Leben, wie wir es kennen, übersteigen.
Ob und wie der Kongress dem freudigen Kahlschlag an Amerikas wohl bekanntester Wissenschaftsbehörde etwas entgegensetzen kann, bleibt abzuwarten.