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Wissenschaft

Ein äußerst besorgniserregender Abgrund: Der tiefste Punkt des Mittelmeers enthüllt ein erschreckendes Geheimnis

In über 5.000 Metern Tiefe, verborgen in der Dunkelheit des Calypso-Abgrunds, haben Wissenschaftler etwas Beunruhigendes entdeckt. Plastik, Metalle und Glas haben sich in dieser abgelegenen Tiefseeregion angesammelt – ein erschreckender Beweis dafür, dass Verschmutzung keine Grenzen kennt. Doch wie gelangten diese Abfälle in eine so unberührte Umgebung, und was bedeutet das für die Zukunft der Ozeane?
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Selbst an den entlegensten Orten der Erde hinterlässt die Menschheit ihre Spuren. Ein Forschungsteam stieg in den tiefsten Punkt des Mittelmeers hinab – nur um dort eine beispiellose Ansammlung von Müll zu finden.

Plastik, Glas und Metalle lagern in diesem stillen Abgrund, angeschwemmt durch Strömungen und Zeit. Ist dies das endgültige Zeugnis eines Meeres, das unter unseren Abfällen erstickt?

Der Calypso-Abgrund: Die tiefste Müllhalde des Mittelmeers

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© iStock.

Tief verborgen in 5.112 Metern unter der Meeresoberfläche, etwa 60 Kilometer vor der griechischen Küste, liegt der Calypso-Abgrund – der tiefste Punkt des Mittelmeers. Er befindet sich in der Hellenischen Tiefseerinne, einer seismisch aktiven Region mit extremen geologischen Bedingungen. Umgeben von steilen Unterwasserklippen, schien dieser 20 Kilometer lange Abgrund lange Zeit unberührt von menschlicher Aktivität zu sein. Doch die Realität sieht anders aus: Die Verschmutzung hat ihren Weg bis hierher gefunden.

Eine aktuelle Studie identifizierte 167 Objekte auf dem Meeresboden – darunter 148 eindeutig menschengemachte Abfälle. Plastiktüten, Flaschen, Metallfragmente und Papierreste liegen in der totalen Dunkelheit der Tiefsee. Diese Funde stellen eine der höchsten Müllkonzentrationen in großen Meerestiefen dar, die je dokumentiert wurden.

Wie gelangt Müll in die tiefsten Regionen des Mittelmeers?

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© Universidad de Barcelona.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Abfälle im Calypso-Abgrund verschiedene Ursprünge haben. Einige wurden von der Küste angeschwemmt, andere fielen durch Meeresstrudel in die Tiefe. Es gibt sogar Hinweise auf illegale Müllentsorgung von Schiffen, die ganze Müllsäcke ins Meer kippten.

Die ozeanischen Strömungen spielen eine entscheidende Rolle:

  • Leichte Abfälle, wie Plastik, treiben oft über weite Strecken, bis sie zerfallen oder in Tiefseebereiche wie diesen gespült werden.
  • Meereswirbel konzentrieren den Müll und transportieren ihn an Orte, an denen er schließlich auf den Meeresboden sinkt.
  • Die geringe Wasserzirkulation im Abgrund verhindert, dass sich der Müll wieder verteilt – stattdessen sammelt er sich unaufhaltsam an.

Das Mittelmeer, als geschlossenes Meer mit einer der weltweit höchsten Bevölkerungsdichten entlang seiner Küsten, hat sich in eine gigantische Müllfalle verwandelt – mit Folgen, die noch nicht vollständig absehbar sind.

Hochmoderne Technologie enthüllt eine lautlose Katastrophe

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© Universidad de Barcelona.

Den Calypso-Abgrund zu erreichen, ist eine technische Herausforderung. Das Forschungsteam nutzte das Limiting Factor, ein Tiefsee-Tauchboot, das für den enormen Druck der Ozeangräben entwickelt wurde. Dieses hochmoderne Fahrzeug, das zwei Passagiere transportieren kann, tauchte 650 Meter vertikal in nur 43 Minuten zum Meeresboden hinab.

Die Aufnahmen der Expedition zeigen eine verstörende Landschaft: Ein karger Meeresboden, fast völlig leblos – nur zwei Tierarten wurden gesichtet. Doch statt unberührter Natur fanden die Forscher eine erschreckende Menge an Müll. Selbst in der größten Tiefe scheinen die Spuren menschlicher Aktivitäten bereits Teil der Unterwasserlandschaft geworden zu sein.

Das Mittelmeer: Ein Meer, das in seiner eigenen Verschmutzung gefangen ist

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Der Fund im Calypso-Abgrund ist kein Einzelfall. Das Mittelmeer gehört zu den am stärksten verschmutzten Meeresregionen der Welt. Bereits 2021 wurde die Straße von Messina als das am stärksten mit Meeresmüll belastete Gebiet weltweit identifiziert.

Statt ein Refugium der Natur zu sein, haben sich Tiefseegräben und Unterwasserschluchten in Fallen für Müll verwandelt. Dort, wo das Wasser nur langsam zirkuliert, bleiben Abfälle über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, gefangen.

Das Problem verschärft sich durch fehlenden Wasseraustausch und den intensiven Schiffsverkehr. Mit über 150 Millionen Menschen, die entlang seiner Küsten leben, sowie einer aktiven Fischerei- und Industriebranche, steht das Mittelmeer vor einer beispiellosen Umweltkrise.

Was kann gegen diese unsichtbare Katastrophe getan werden?

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Die Entdeckung im Calypso-Abgrund ist eine Alarmglocke. Die Meeresverschmutzung hat bereits die entlegensten Regionen erreicht – und ihre Eindämmung erfordert dringende Maßnahmen.

Ein Hoffnungsschimmer ist das geplante UN-Weltplastikabkommen, das jedoch noch nicht verabschiedet wurde. Doch selbst mit neuen Gesetzen bleibt die Realität bestehen: Der Großteil des Mülls, der im Meer landet, stammt direkt aus menschlichen Aktivitäten – und kann nur durch strengere Vorschriften und besseren Schutz der Meere reduziert werden.

Ist es zu spät, das Mittelmeer zu retten?

Die Bilder eines mit Müll bedeckten Tiefseegrabens könnten die letzte Warnung sein, bevor sich die Verschmutzung unumkehrbar ausbreitet.

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