Ein unscheinbarer Felsbrocken auf dem Gelände einer australischen High School, ein Parkplatz-Stein und sogar ein Buchstütze aus einer privaten Sammlung haben eines gemeinsam: Sie alle tragen 200 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußspuren – und niemand hat es bemerkt.
Ein Fenster in die frühe Jurazeit
Vor rund 200 Millionen Jahren, während der frühen Jurazeit, erholte sich das Leben auf der Erde langsam von einem der schlimmsten Massenaussterben der Geschichte. Obwohl aus dieser Zeit in Australien bisher keine versteinerten Dinosaurierknochen entdeckt wurden, hinterließen diese prähistorischen Kreaturen dennoch ihre Spuren.
Jetzt haben Forscher die bisher größte Konzentration an Dinosaurier-Fußspuren pro Quadratmeter (10,7 Quadratfuß) in Australien dokumentiert – und das an einem Ort, an dem sie seit Jahrzehnten einfach ignoriert wurden: auf dem Gelände einer High School.
Die Studie, die am 20. März in der Fachzeitschrift Historical Biology veröffentlicht wurde, zeigt, dass diese und weitere Fußabdrücke aus der frühen Jurazeit quasi direkt unter den Augen der Wissenschaft verborgen lagen.
47 Dinosaurier spazierten durch feuchten Ton
„Die 200 Millionen Jahre alten Fußspuren auf dem High-School-Felsen stammen von 47 Dinosauriern, die einst über eine feuchte, weiße Tonschicht liefen – möglicherweise entlang eines Flusses oder beim Überqueren eines Gewässers“, erklärt der Paläontologe Anthony Romilio von der Universität Queensland, Hauptautor der Studie.
„Es ist ein beispielloser Einblick in die Häufigkeit, Bewegung und das Verhalten von Dinosauriern aus einer Zeit, aus der wir in Australien bislang keine versteinerten Knochen gefunden haben“, so Romilio weiter.
Mithilfe von Gipsabdrücken, 3D-Scans und speziellen Lichtfiltern konnte Romilio 66 Fußabdrücke auf der Oberfläche des Felsens dokumentieren. Jeder Abdruck besitzt drei Zehen, was darauf hinweist, dass sie zur Ichnospezies Anomoepus scambus gehören. Diese kleinen Pflanzenfresser hatten lange Beine, kurze Arme, einen Schnabel und einen stämmigen Körper. Während sie durch den feuchten Ton stapften, bewegten sie sich mit weniger als 6 km/h vorwärts – also eher ein gemütlicher Spaziergang als eine Flucht vor Fressfeinden.
Jahrzehntelang unbemerkt auf einem Schulhof

Der Felsblock wurde vor etwa 20 Jahren in einer Kohlemine nahe Biloela in Zentral-Queensland entdeckt und dann an eine High School weitergegeben. Dort lag er unbeachtet herum, bis Mitglieder der Schulcommunity auf frühere Arbeiten Romilios zu Dinosaurier-Fußspuren stießen und erkannten, dass sie womöglich einen bedeutenden Fund auf ihrem Gelände hatten.
„Solche bedeutenden Fossilien können jahrelang unbemerkt bleiben, selbst wenn sie direkt vor unserer Nase liegen“, sagt Romilio. „Es ist unglaublich zu denken, dass ein derart wertvolles Stück Erdgeschichte all die Jahre einfach auf einem Schulhof lag.“
Weitere Spuren im Parkhaus und als Buchstütze
Doch der Schulhof-Fund war nicht das einzige versteckte Fossil. Romilio berichtet, dass er in der gleichen Region weitere Fußspuren entdeckte, die ebenfalls „in aller Öffentlichkeit verborgen“ lagen:
„Ich habe ein weiteres Exemplar in einem Kohlebergwerk gefunden – es wurde als Begrenzungsstein für die Einfahrt eines Parkplatzes genutzt“, erzählt er. Dieser Stein zeigt zwei deutliche Fußabdrücke eines größeren zweibeinigen Dinosauriers.
Und als wäre das noch nicht genug, tauchte noch ein weiteres Fossil auf: ein dritter Felsblock, der in Harz eingegossen wurde und als Buchstütze verwendet wurde.
„Diese Funde geben uns völlig neue Einblicke in die urzeitliche Vergangenheit dieser Region“, fasst Romilio zusammen.
Ein Blick in den eigenen Garten?
Die Entdeckung dieser Fußspuren wirft eine interessante Frage auf: Wie viele versteinerte Schätze dürften noch unentdeckt sein, vielleicht sogar im eigenen Vorgarten oder auf alten Familiengrundstücken?
Vielleicht lohnt es sich also, doch noch einmal genauer hinzusehen – sei es beim Parkplatz-Stein, einem alten Torpfosten oder der Steinsammlung von Oma und Opa. Wer weiß, vielleicht hat man ja ein Stück Erdgeschichte direkt vor der eigenen Haustür.