Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Dieser Schleim erzeugt Strom, wenn er zusammengedrückt wird

Wissenschaftler in Kanada haben einen Strom erzeugenden Schleim erfunden, der die Medizin, Robotik und sogar unsere Fortbewegung revolutionieren könnte.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Schleim ist nicht mehr nur für Kindersendungen – er könnte der nächste wissenschaftliche Durchbruch direkt aus der Science-Fiction sein.

Forscher der Universität Guelph in Kanada haben einen „Schleim“ entwickelt, der beim Zusammendrücken Strom erzeugt. Seine potenziellen Anwendungen reichen von sauberer Energieerzeugung bis hin zu medizinischen Produkten. Man kann sich das Ganze wie ein Grundschul-Schleimprojekt vorstellen – nur mit Hochleistungseffekt. Ihre Arbeit wurde in einer Studie vom 1. Februar im Journal of Molecular Liquids veröffentlicht.

Das Prototyp-Material besteht aus Ölsäure (einer Fettsäure, die in Olivenöl vorkommt), Aminosäuren (den Bausteinen unserer Proteine) und zu 90 % aus Wasser. Es ist also völlig natürlich und unschädlich für den Körper. Warum ist das wichtig?

„Unser Körper erzeugt kleine elektrische Felder, um Heilungszellen zu einer offenen Wunde zu ziehen“, erklärte Erica Pensini, Umwelt-Ingenieurin an der Universität Guelph und Mitautorin der Studie, in einer Mitteilung des Canadian Light Source Forschungsinstituts. „Wenn wir ein Pflaster entwickeln, das dieses elektrische Feld verstärkt, könnte die Heilung theoretisch schneller erfolgen. In diesem Fall würde das Pflaster durch unsere natürlichen Bewegungen und die Atmung aktiviert.“

Deshalb wollte sie „etwas schaffen, das zu 100 % unbedenklich ist und das ich ohne Bedenken auf meiner Haut verwenden würde“, erklärte sie. Das schleimartige Material ihres Teams könnte theoretisch auch in synthetischer Haut eingesetzt werden, um zukünftige Roboter darauf zu trainieren, den Puls eines Patienten zu messen, oder in Schuhsohlen integriert werden, um das Gangbild von Menschen besser zu analysieren.

Potenzial für Medizin, Robotik und Energiegewinnung

Obwohl das Material Energie erzeugen kann, fanden die Forscher auch heraus, dass sie seine kristalline Struktur durch ein elektrisches Feld verändern können. Mithilfe eines Synchrotrons – „eine Art Supermikroskop“, so Pensini – beobachteten die Forscher, wie der Schleim mikroskopische Strukturen bildete, darunter geschichtete, schwammartige und sechseckige Muster.

Das war sicherlich faszinierend zu beobachten, könnte aber auch bedeutende Anwendungen in der gezielten Medikamentenverabreichung haben.

„Stellen Sie sich vor, das Material hat anfangs eine Struktur, die eine pharmazeutische Substanz enthält, und wenn ein elektrisches Feld angelegt wird, ändert sich die Struktur, sodass das Medikament freigesetzt wird“, erklärte sie.

Der scheinbar magische Schleim könnte über den medizinischen Bereich hinaus eingesetzt werden. Da er Strom erzeugen kann, könnte er in Fußböden integriert werden, um durch den Druck von Menschen, die darüber laufen, Energie zu gewinnen – eine Idee, die an die kinetischen Tanzflächen der Coldplay Music of the Spheres World Tour erinnert.

Bevor dieser „Schleim“ auf den Markt kommen kann, sind weitere Forschungen erforderlich. Doch Pensini testet ihn bereits an sich selbst, indem sie ihn als Balsam für ihre Hände nach dem Klettern verwendet: „Ich brauche ein erstes Versuchskaninchen, also kann es genauso gut ich sein, oder?“

Vielleicht greifen wir eines Tages in der Apotheke nicht mehr zu Pflastern, sondern zu Schleim.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel