Die Ursprünge der Säugetiere sind immer noch ein großes Rätsel, aber jedes neue Fossil hilft dabei, die Geschichte neu zu schreiben. Eine bahnbrechende Entdeckung auf einer Mittelmeerinsel stellt unser bisheriges Wissen darüber infrage, wann und wo die Vorfahren der Säugetiere erstmals auftraten.
Ein Team von Paläontologen hat auf Mallorca, einer spanischen Insel im Mittelmeer, die ältesten bekannten Vorfahren der Säugetiere in einem Haufen versteinerter Knochen entdeckt. Das Tier ist ein etwa 280 Millionen Jahre alter Gorgonopside – eine Gruppe von säbelzahnartigen Raubtieren, die die Erde lange vor den ersten modernen Säugetieren bevölkerten. Die Entdeckung, die in Nature Communications veröffentlicht wurde, verschiebt die Zeitachse und die geographische Herkunft einiger der frühesten Vorfahren der Säugetiere erheblich.
Viele Menschen verbinden den Aufstieg der Säugetiere mit dem Untergang der Dinosaurier vor etwa 66 Millionen Jahren. Als der Chicxulub-Asteroid rund 75 % aller Arten auf der Erde auslöschte – darunter alle Dinosaurier außer den Vorfahren der Vögel – überlebten nur kleine, flink huschende Säugetiere und traten ihr evolutionäres Erbe an. Doch die Geschichte der Säugetiere beginnt viel früher: mit grundlegenden evolutionären Abspaltungen, die zu Wirbeltieren mit besonderen Schädelmerkmalen und anderen einzigartigen Eigenschaften führten.
Der älteste bekannte Gorgonopside
Das untersuchte Fossil ist fragmentarisch und besteht aus mehreren Wirbeln, Rippen, einem Beinknochen und Teilen des Schädels. Trotz der unvollständigen Überreste konnte das Forscherteam das Tier als Mitglied der Gorgonopsiden identifizieren. Mit einem Alter von mindestens 270 Millionen Jahren ist es das bisher älteste gefundene Exemplar dieser Gruppe. Zum Vergleich: Die ersten Dinosaurier tauchten erst rund 25 Millionen Jahre später auf und wurden während der Triaszeit nach dem katastrophalen Massenaussterben am Ende des Perms dominant.
Gorgonopsiden zählen wie Säugetiere zu den Tetrapoden, also vierbeinigen Wirbeltieren, und gehören zu einer Untergruppe der Synapsiden, den sogenannten Therapsiden. „Es gibt eine große Lücke in der Fossilgeschichte der Therapsiden – zwischen dem Zeitpunkt, an dem sie sich vermutlich entwickelten, und dem Zeitpunkt, an dem sie tatsächlich in der Fossilaufzeichnung auftauchen“, erklärt Josep Fortuny, Paläontologe am Institut Català de Paleontologia Miquel Crusafont in Spanien und Hauptautor der Studie. „Das neue Fossil hilft, einen Teil dieser Lücke zu schließen.“
Unerwartete Herkunft und neues Puzzlestück der Evolution
„Unsere Entdeckung ist aus zwei Gründen besonders bedeutend“, führt Fortuny weiter aus. „Erstens ist es das erste Mal, dass ein Gorgonopside in niedrigen Breitengraden gefunden wurde.“ Bisher wurden alle bekannten Fossilien dieser Gruppe in höheren Breitengraden entdeckt, etwa in Russland und Südafrika. Zu ihrer Zeit war die Erdoberfläche noch in den Superkontinent Pangäa vereint, und Mallorca befand sich damals im Zentrum dieser riesigen Landmasse.
„Zweitens, und das ist noch wichtiger, handelt es sich um den weltweit ältesten bekannten Gorgonopsiden“, erklärt Fortuny. „Die Entdeckung des ältesten Exemplars im Mittelmeerraum legt nahe, dass diese Tiergruppe ihren Ursprung in äquatorialen Regionen hatte.“
Das Fossil wurde in einer ehemaligen Überflutungsebene entdeckt, wo frühe säugetierähnliche Tiere und andere Wesen zum Trinken zusammenkamen. Heute sind Säugetiere die einzigen lebenden Synapsiden, doch die Studie des Forschungsteams zeigt, dass die Evolution der vierbeinigen Wirbeltiere bereits sehr früh begann. Sie wirft auch neue Fragen auf: Wo genau auf Pangäa tauchten die ersten unserer Vorfahren auf, und warum?
Funde wie dieser Gorgonopside bringen uns der Antwort auf diese grundlegenden Fragen näher. Doch es gibt noch viel zu entdecken, um die Geschichte unserer Ursprünge vollständig zu verstehen.