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Wissenschaft

Dieser Nebel feuert Teilchen ins All – und sieht dabei aus wie eine Gitarre

NASA zeigt neue Aufnahmen einer galaktischen Showeinlage mit Flammen, Teilchenströmen und einem Hauch Rock ’n’ Roll
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Stell dir vor, du schaust in den Weltraum und siehst… eine Gitarre. Klingt verrückt? Ist aber genau das, was NASA-Teleskope entdeckt haben: Ein gigantischer Nebel, der wie ein Instrument aussieht und gleichzeitig einen wilden Partikelfluss quer durchs All abfeuert – als hätte jemand Mad Max: Fury Road direkt ins Weltall verlegt.

Mit Hilfe des Chandra-Röntgenobservatoriums und des Hubble-Weltraumteleskops hat ein Team von Astronom:innen ein spektakuläres Bild von einem chaotischen Himmelsobjekt eingefangen, das etwa 2.700 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Im Zentrum des Ganzen: ein Pulsar, also ein ultraschnell rotierender Neutronenstern, der eine feurige Spur hinter sich herzieht. Die neuen Aufnahmen helfen nicht nur dabei, die abgefahrene Struktur besser zu verstehen, sondern auch die Herkunft der Teilchen zu klären, die da ins All geschleudert werden. Die Ergebnisse wurden im Astrophysical Journal veröffentlicht.

Credit: X-ray: NASA/CXC/Stanford Univ./M. de Vries et al.; Optical full field: Palomar Obs./Caltech & inset: NASA/ESA/STScI; Image Processing: NASA/CXC/SAO/L. Frattare)

Der Spitzname für das Ganze? Guitar Nebula – also Gitarrennebel. Ob das Ding wirklich wie eine Gitarre aussieht, bleibt Geschmackssache. Aber sein musikähnlicher Look kommt nicht von ungefähr: Während der Pulsar mit wahnsinnigen 765 Kilometern pro Sekunde durchs All rast, pustet er eine Art stetigen Teilchenwind raus. Dabei entstehen „Blasen“, die dem Ganzen diese gitarrenähnliche Form verpassen.

Noch spannender wird’s im Röntgenbereich: Chandra hat eine rund zwei Lichtjahre (also etwa 12 Billionen Meilen!) lange Filament-Struktur entdeckt, die sich wie ein glühender Schweif vom Pulsar wegzieht. In diesem Filament tanzen hochenergetische Teilchen und Antiteilchen – also Materie und Antimaterie – entlang der Magnetfeldlinien rund um den Pulsar. Diese spiralförmige Bewegung bringt die Teilchen zum Leuchten, sodass sie im Röntgenlicht sichtbar werden. Der Pulsar selbst, ein Überbleibsel eines explodierten Sterns, ist als heller weißer Punkt zu erkennen, der direkt mit dem leuchtenden Schweif verbunden ist.

Was hier abgeht, ist alles andere als alltäglich – und liegt an den extremen Eigenschaften von Pulsaren. Die Kombination aus irrer Drehgeschwindigkeit und ultrastarken Magnetfeldern sorgt für eine krasse Beschleunigung von Teilchen und erzeugt hochenergetische Strahlung. Das führt wiederum zur Entstehung von Elektronen und Positronen (Positronen sind quasi die Antimaterie-Zwillinge der Elektronen – gleiche Masse, entgegengesetzte Ladung).

Während der Pulsar samt Gitarren-Nebel durch verschiedene Dichten von interstellarem Gas fliegt, treffen diese Teilchenströme auf Widerstand. Doch die energiereichsten Teilchen lassen sich nicht aufhalten: Sie durchbrechen die Grenzen des Gitarrennebels und rasen weiter in den Raum hinaus. Das Ergebnis? Ein flammenartiger Ausbruch rechts vom Pulsar – wie ein kosmischer Flammenwerfer.

Und was passiert mit den Teilchen, die es aus dem Nebel geschafft haben? Die gleiten locker weiter entlang der Magnetfelder im interstellaren Medium – also dem Raum zwischen den Sternen – und hängen da teils ganz für sich allein herum, fernab vom ursprünglichen Nebel.

Für die Forschung ist das Ganze Gold wert: Die Beobachtung der Guitar Nebula liefert neue Einblicke, wie sich Elektronen und Positronen durch die Weiten des Alls bewegen – und wie sie letztlich zwischen den Sternen landen. Mit jedem neuen Bild dieser himmlischen Rockshow verstehen wir ein bisschen besser, wie das Universum seine eigenen, verrückten Gitarrenriffs spielt.

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