Seit Monaten starren Astronom*innen gebannt in Richtung eines unscheinbaren Sternbilds am Nachthimmel. Der Grund? Eine Sternenexplosion, die nur alle paar Jahrzehnte auftritt – und sie könnte schon diesen Donnerstag, am 27. März, passieren.
Der Star der Show heißt T Coronae Borealis – oder auch ganz passend: der Blaze Star. Dieses Doppelsternsystem liegt rund 3.000 Lichtjahre entfernt in der kleinen nördlichen Sternenkonstellation Corona Borealis. Etwa alle 79 Jahre kommt es dort zu einer spektakulären Nova – einem plötzlichen Helligkeitsausbruch, der die Sterne kurzzeitig zum Leuchten bringt. Und genau dieser Moment steht uns nun möglicherweise unmittelbar bevor.
Ein Datum ausgerechnet – mit mathematischer Präzision
Die Prognose stammt vom Astronomen Jean Schneider vom Pariser Observatorium. In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung von 2024 kombinierte er frühere Ausbruchs-Daten mit der Umlaufzeit der beiden Sterne. Ergebnis: Die Explosionen ereignen sich regelmäßig – und zwar immer dann, wenn das System 128 komplette Umläufe vollendet hat. Ein solcher Orbit dauert rund 227 Tage.
Rechnet man das alles zusammen, ergibt sich der 27. März 2025 als wahrscheinliches Datum für den nächsten Knall. Schneider hat sogar Backup-Termine parat: Sollte es am Donnerstag nicht krachen, wären der 10. November 2025 oder der 25. Juni 2026 mögliche Kandidaten. Ein früherer Tipp auf den 12. August 2024 hat sich mittlerweile erledigt.
Wichtig: Diese Prognose basiert rein auf mathematischen Mustern, nicht auf den physikalischen Mechanismen der Nova selbst. Es könnte also alles ganz anders kommen – aber wenn’s stimmt, wäre das astronomisch cool.
Was passiert da eigentlich – und was ist eine Nova?
T CrB ist ein sogenanntes Binärsystem, bestehend aus zwei sehr unterschiedlichen Himmelskörpern: einem Weißen Zwerg (das kompakte Überbleibsel eines ausgebrannten Sterns) und einem Roten Riesen, der etwa 1,12-mal so massereich ist wie unsere Sonne.
Diese beiden umkreisen sich in nur 0,54 Astronomischen Einheiten Abstand – das entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Venus und Sonne. Und dabei passiert etwas ziemlich Wildes: Der Weiße Zwerg zieht kontinuierlich Wasserstoff vom Roten Riesen ab. Dieser Wasserstoff bildet eine Art Akkretionsscheibe um den Zwergstern – eine rotierende Scheibe aus heißem Gas.
Mit der Zeit sammelt sich immer mehr Material auf der Oberfläche des Weißen Zwergs, bis Hitze und Druck zu groß werden. Dann kommt’s zur thermonuklearen Explosion – die Nova. Anders als bei einer Supernova wird der Stern dabei nicht zerstört. Er überlebt den Knall, schleudert aber eine riesige Gaswolke ins All – so hell, dass man sie von der Erde aus sehen kann.
Warum das jetzt so besonders ist
T CrB ist keine Unbekannte: Schon vor über 800 Jahren wurde eine ihrer Nova-Explosionen erstmals dokumentiert. Seitdem scheint sie sich mit beängstigender Regelmäßigkeit zu wiederholen – etwa alle 79 Jahre. Die letzte sichtbare Explosion war 1946. Seit über einem Jahr beobachten Profi- und Hobby-Astronom*innen daher das System auf Schritt und Tritt – in der Hoffnung, das Schauspiel nicht zu verpassen.
Die NASA hat bereits bestätigt, dass sich der Blaze Star aktuell genauso verhält wie vor der letzten Explosion – also: alle Zeichen stehen auf Boom.
Was du am Himmel sehen kannst
Wenn es passiert, wird’s spektakulär – aber nur für kurze Zeit. Normalerweise ist T CrB viel zu lichtschwach, um ohne Teleskop sichtbar zu sein (Helligkeit: +10). Nach dem Ausbruch steigt sie aber auf eine Helligkeit von +2 – fast so hell wie der Nordstern.
Du wirst den „neuen Stern“ dann für ein paar Tage mit bloßem Auge erkennen können – ganz ohne Fernglas oder Equipment. Schau dazu einfach Richtung Corona Borealis: ein kleines, bogenförmiges Sternbild im Nordhimmel.
Und danach? Verblasst der Glanz wieder – und du wirst rund 80 Jahre warten müssen, bis sich das Spektakel wiederholt. Wenn du also schon immer mal eine echte Nova mit eigenen Augen sehen wolltest: Diese Woche könnte deine Chance sein.
Kurz & knapp:
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Was: Nova-Explosion im Doppelsternsystem T CrB
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Wann: Voraussichtlich Donnerstag, 27. März 2025
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Wo zu sehen: Im Sternbild Corona Borealis, Nordhimmel
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Wie lange sichtbar: Einige Tage, mit bloßem Auge erkennbar
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Wie hell: Helligkeit +2, vergleichbar mit helleren Sternen
Also: Augen auf, Decke schnappen, raus in die Nacht – und vielleicht erwischt du einen der seltensten Lichtblitze des Universums.