Garfield, die kultige Comic-Katze, könnte mit seiner Abneigung gegen Montage recht gehabt haben. Eine neue globale Studie zeigt nämlich, dass das Suizidrisiko montags am höchsten ist, verglichen mit anderen Wochentagen. Zudem scheint sich dieses Risiko an Neujahr besonders stark zu erhöhen.
Suizid ist ein komplexes Phänomen, das grundsätzlich jeden betreffen kann. Es gibt jedoch bekannte Faktoren, die das Risiko suizidaler Gedanken und Handlungen beeinflussen. Einige Studien deuten darauf hin, dass auch der Kalender eine Rolle spielt, doch bisher war unklar, welche spezifischen Tage oder Daten einen Einfluss haben. Eine neue Untersuchung, die am Mittwoch im Fachjournal The BMJ veröffentlicht wurde, bringt nun mehr Klarheit.
Datenanalyse aus 26 Ländern
Das Forscherteam analysierte Daten zu Suizidtodesfällen aus 740 Städten und anderen Regionen in 26 Ländern zwischen 1971 und 2019. Trotz regionaler Unterschiede in der Häufigkeit und dem Zeitpunkt von Suiziden zeigten sich einige klare Muster: Montags treten Suizide besonders häufig auf. Rund 15 bis 18 Prozent aller Suizide ereignen sich an diesem Tag. Ein weiterer besorgniserregender Trend: In allen untersuchten Ländern nahm die Suizidrate an Neujahr zu. Das Risiko an Wochenenden oder anderen nationalen Feiertagen wie Weihnachten variierte jedoch je nach Land. Während es in einigen Ländern an diesen Tagen zunahm, war es in anderen Regionen niedriger.
„Unsere Ergebnisse liefern empirische Beweise für die zeitlichen Schwankungen von Suiziden und zeigen, wie sich kurzfristige psychologische Veränderungen, ausgelöst durch Feiertage und Wochenenden, auf suizidales Verhalten auswirken können,“ erklärten die Forscher.
Warum ist das Suizidrisiko montags besonders hoch?

Da die Studie auf Beobachtungsdaten basiert, lässt sich zwar keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Kalendertagen und Suiziden herstellen. Dennoch stützt sie frühere Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass Montage ein erhöhtes Suizidrisiko bergen.
Eine mögliche Erklärung dafür ist der sogenannte „Broken-Promise-Effekt“ (gebrochenes Versprechen). Menschen, die mit suizidalen Gedanken kämpfen, setzen oft Hoffnung in das Wochenende oder einen Feiertag, um sich besser zu fühlen. Wenn dieser jedoch nicht die erhoffte Erleichterung bringt, kann die Enttäuschung besonders schwer wiegen.
Zusätzlich könnte der Beginn der Arbeitswoche eine Rolle spielen. Besonders Menschen, die stark unter beruflichem oder sozialem Druck stehen, empfinden den Montag als erdrückend. Der Neustart der wöchentlichen Routine kann bei bereits gefährdeten Personen zusätzliche Belastungen auslösen.
Und warum gerade Neujahr? Die Forscher vermuten, dass der hohe Alkoholkonsum in der Silvesternacht eine bedeutende Rolle spielt. Alkohol kann hemmungslösender wirken und impulsives Verhalten verstärken, was das Suizidrisiko erhöht.
Was bedeutet das für die Suizidprävention?
Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen, Suizidprävention gezielter zu gestalten. Wenn das Suizidrisiko an Neujahr weltweit ansteigt, könnten verstärkte Aufklärungskampagnen und präventive Maßnahmen in der Zeit davor besonders effektiv sein.
„Unsere Ergebnisse liefern epidemiologische Beweise dafür, dass effektivere Strategien zur Suizidprävention entwickelt werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel präventive Screenings und psychologische Unterstützungsprogramme, insbesondere für Arbeitnehmer und jüngere Generationen. Diese könnten dabei helfen, suizidale Krisen in Verbindung mit Wochentagen und Feiertagen zu reduzieren,“ so die Forscher.
Die Studie unterstreicht, dass Suizidprävention ganzjährig relevant ist, aber bestimmte Tage besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mehr gesellschaftliches Bewusstsein und leicht zugängliche Hilfsangebote könnten helfen, Leben zu retten.
Falls Sie oder jemand in Ihrem Umfeld sich in einer Krise befindet, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. In Deutschland können Sie die Telefonseelsorge unter 0800-1110111 oder 0800-1110222 anonym und kostenfrei kontaktieren. In der Schweiz steht Ihnen die Dargebotene Hand unter 143 und in Österreich die Telefonseelsorge unter 142 zur Verfügung. Sie sind nicht allein.