Kaum etwas ist für Hundebesitzer*innen unangenehmer als ein Vierbeiner mit Durchfall. Doch wie oft passiert das eigentlich – und welche Hunde trifft es besonders? Eine aktuelle Studie aus dem Vereinigten Königreich hat jetzt die Tierarztakten von über zwei Millionen Hunden analysiert und liefert überraschende (und teils besorgniserregende) Erkenntnisse.
Jeder zwölfte Hund – pro Jahr
Laut den Forschenden des Royal Veterinary College (RVC) wird bei etwa 8 von 100 Hunden pro Jahr eine Durchfallerkrankung diagnostiziert, die ernst genug ist, um einen Besuch in der Tierarztpraxis notwendig zu machen. In die Untersuchung flossen anonymisierte Daten von über zwei Millionen Hunden ein, die 2019 eine Tierklinik im Vereinigten Königreich aufsuchten.
Besonders gefährdet? Sechs Rassen: Malteser, Zwergpudel, Cavapoo, Deutscher Schäferhund und Yorkshire Terrier hatten ein signifikant höheres Risiko als Mischlingshunde. Dagegen wiesen Jack Russell Terrier und Chihuahuas ein geringeres Risiko auf. Auch das Alter spielt eine Rolle: Hunde unter drei und über neun Jahren waren anfälliger für Durchfall als Tiere im mittleren Lebensalter.
Meist unangenehm, selten gefährlich
In rund einem Drittel der Fälle war sogar Blut im Stuhl sichtbar – ein mögliches Zeichen für schwerere Erkrankungen. Bei knapp der Hälfte der betroffenen Hunde trat zusätzlich Erbrechen auf. Dennoch verliefen die meisten Episoden mild: Über 80 % der Fälle benötigten nur einen einzigen Tierarztbesuch. In der Regel verschwinden die Beschwerden nach ein paar Tagen – ähnlich wie bei uns Menschen.
„Jeder Hundebesitzerin kennt die Angst vor dem berüchtigten ‚Poonami‘ – einer wahren Durchfallflut“, sagt Studienleiter Dr. Dan O’Neill in einer Mitteilung an Gizmodo. „Unsere Daten zeigen: Durchfall bei Hunden ist zwar häufig, aber meistens kein Grund zur Panik. Mit der richtigen Pflege erholen sich die meisten Tiere schnell.“
Was steckt hinter dem Risiko?
Warum sind bestimmte Rassen häufiger betroffen? Eine mögliche Erklärung: genetische Anfälligkeit für Magen-Darm-Probleme. Aber auch das Verhalten spielt eine Rolle – insbesondere das sogenannte „Scavenging“, also das Fressen von Essensresten, Müll oder anderen unappetitlichen Dingen, die Hunde unterwegs aufstöbern.
Zu viele Antibiotika – trotz klarer Richtlinien
Besorgniserregend ist ein anderer Befund der Studie: In fast 40 % der analysierten Durchfallfälle wurden Antibiotika verschrieben – obwohl fachliche Leitlinien schon seit Jahren davon abraten, wenn die Erkrankung mild bis moderat verläuft.
Antibiotika helfen in solchen Fällen oft kaum – können aber die Entwicklung von Resistenzen fördern. Die Forschenden warnen: „Der hohe Antibiotikaeinsatz trotz klarer Empfehlungen dagegen wirft ernsthafte Fragen auf.“
Was tun, wenn der Hund Durchfall hat?
Das Wichtigste: Ruhe bewahren. In den meisten Fällen helfen schon einfache Maßnahmen – etwa ein vorübergehender Wechsel zu schonender Kost wie Reis mit gekochtem Huhn. Antibiotika sind meist unnötig, solange keine Anzeichen für eine schwerere Erkrankung vorliegen.
Und wer einen besonders „gefährdeten“ Vierbeiner zu Hause hat, kann vorbeugen: nicht nur durch artgerechte Fütterung, sondern auch, indem man auf Spaziergängen genau hinschaut, was da gerade vom Boden verschwindet.