Schon der Name lässt erahnen, dass eine automatische Tattoo-Maschine ein Gerät ist, das jeden, der bereits eine schmerzhafte Tattoositzung durchlebt hat, zusammenzucken lässt. Ein begeisterter 3D-Druck-Fan hat nun das ultimative DIY-Projekt entwickelt, das selbst die technikverliebtesten Robotik-Ingenieure ins Zweifeln bringen dürfte: eine automatisierte Tattoo-Maschine, die echte Haut tätowiert.
Frühere Versuche, Tattoo-Automatisierung populär zu machen, gab es bereits. Das in Austin, Texas, ansässige Unternehmen Blackdot bewirbt immer noch seine automatisierte Tattoo-Maschine. Doch warum sollte jemand Hunderte oder gar Tausende von Dollar dafür ausgeben, sich von einer Maschine tätowieren zu lassen, die weitgehend die gleiche Mechanik wie ein günstiger 3D-Drucker nutzt? YouTuberin Emily Yarid, bekannt als EmilytheEngineer (via Hackaday), hat einen 3D-Drucker so umgebaut, dass er statt Kunststoff-Tintenpatronen verwendet, die Extruderdüse gegen eine Tattoopistole austauscht und statt einer Druckplatte menschliche Haut als Druckfläche nutzt.
Dieses Konzept fällt definitiv in die Kategorie „Auf keinen Fall zu Hause nachmachen“. Es gibt zahlreiche Gründe, warum man seine Gesundheit und Sicherheit nicht einem nicht-professionellen Tattoo-Künstler anvertrauen sollte. Dennoch machte Yarid deutlich, dass ihre Kreation nichts für schwache Nerven ist und keinesfalls nachgebaut werden sollte.
Technische Herausforderungen und Anpassungen
Als Basis nutzte sie einen alten Ender-7-Drucker von Creatily. Dieses Modell verfügt über einen beweglichen Druckarm, der sich entlang der X- und Y-Achse bewegt – eine Grundvoraussetzung für zweidimensionale Tattoos. Ist das nicht im Grunde eine normale CNC-Maschine? Ja, aber eine automatische Tattoo-Vorrichtung müsste sich auch in der Z-Achse bewegen, es sei denn, man möchte eine Art Schlucht ins Bein der Person gravieren.
Das Design erforderte erhebliche Hardware- und Software-Anpassungen. Die 3D-Druck-Software musste so umprogrammiert werden, dass sie Bilder nur mit einer einzigen, dünnen Schicht statt mehrerer Schichten erzeugt. Dennoch konnte die Ingenieurin die Z-Achse nicht komplett ignorieren. Um Höhenunterschiede in der Haut auszugleichen, wurde ein Federmechanismus an der Tattoopistole befestigt.
Ein weiteres Problem bestand darin, die Firmware so zu modifizieren, dass sie Temperaturwerte ignoriert. Doch selbst mit all diesen Anpassungen klingt das Vorhaben wie eine ziemlich schlechte Idee. Deshalb integrierte Yarid einen Not-Aus-Hebel, mit dem der Druckarm sofort angehoben werden kann, falls der Schmerz zu groß wird. Zudem entwarf sie eine große Haltevorrichtung für das Bein der Testperson mit einem kleinen Fenster, um die Hautpartie möglichst flach zu halten.
Das fertige Tattoo, das sich Yarid und ihr Versuchskaninchen, YouTuber und Kostümbauer Dan von BuildDanielBuild, auswählten, war simpel: ein Wort in blauer Tinte, das schlicht „LEG“ lautete. Die Maschine könnte theoretisch komplexere Motive stechen, doch ohne eine Feinabstimmung der Hardware und Software für variierende Tiefen und Geschwindigkeiten fehlt der tatsächliche Nutzen. Zudem steigt mit zunehmender Komplexität und Dauer eines Tattoos das Risiko, dass etwas schiefgeht.
Emily the Engineer ist vor allem für ihre 3D-Druck-Projekte bekannt. Sie baute unter anderem ein Boot aus dem 3D-Drucker – das jedoch zusätzliche Verstärkungen aus nicht-gedruckten Rohren sowie einen Motor und Propeller benötigte. Zudem hat sie diverse Cosplay-Stücke erschaffen, darunter mehrere Nachbildungen des Iron-Man-Anzugs von Marvel und Buckys Arm aus „Captain America and the Winter Soldier“. Ihr neuestes Projekt ist jedoch zweifellos das kühnste – auch wenn wir hoffen, dass sich die Idee nicht weiter verbreitet.