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Wissenschaft

Die verborgene Farbe von Pompeji, die die Geschichte der römischen Kunst neu schreiben könnte

Jahrhundertelang glaubten wir, die Farbpalette des Römischen Reiches zu kennen. Doch ein kürzlich gemachter Fund in Pompeji bringt alles ins Wanken: Eine bislang unbekannte Farbe wurde in römischen Fresken entdeckt – ein Fund, der unsere Sicht auf die antike Kunst und darauf, wie die Römer ihre Welt wahrnahmen, grundlegend verändern könnte.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Pompeji hört nie auf, seine Geheimnisse preiszugeben. In dieser vom Vesuv vor fast 2.000 Jahren konservierten Stadt hat ein neuer Fund Archäolog:innen, Kunsthistoriker:innen und Wissenschaftler:innen gleichermaßen überrascht: Die Entdeckung einer Farbe, die in der Farbpalette des antiken Rom bislang völlig unbekannt war.

Ein Pigment, das unser Wissen erweitert – und gleichzeitig infrage stellt, was wir über den römischen Farbeinsatz zu wissen glaubten.

Pompejanisches Grau: Die verlorene Farbe des Imperiums

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© EFE.

Dank einer Kooperation zwischen dem Archäologischen Park von Pompeji und mehreren italienischen Universitäten – darunter die Universität Sannio und die Universität Federico II in Neapel – wurde erstmals ein völlig neues Pigment in Wandmalereien von Pompeji identifiziert. Es wurde „pompejanisches Grau“ getauft – und hat im traditionellen Farbrepertoire des römischen Reiches keine Entsprechung.

Die Entdeckung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Journal of Archaeological Science, wurde mithilfe fortschrittlicher Mikroskopie und Spektroskopie gemacht – zwei nicht-invasive Techniken, die eine Analyse der Fresken ermöglichen, ohne sie zu beschädigen. Untersucht wurden Wandmalereien aus der Zeit vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr.

Die Analyse ergab, dass das pompejanische Grau aus Mineralien wie Baryt und Alunit besteht. Fachleute vermuten, dass es dazu diente, Kontraste, Tiefe und Realismus in den Darstellungen zu erzeugen – ein Hinweis auf ein deutlich höheres künstlerisches Niveau, als bisher angenommen wurde.

Ein Fund, der die Kunstgeschichte herausfordert

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© EFE.

Bisher wurden mit der römischen Malerei vor allem Farben wie Rot (Hämatit), Gelb (Goethit), Schwarz (Kohlenstoff oder Mangan) und Ocker (Eisenoxide) assoziiert. Doch das pompejanische Grau stellt diese Sichtweise auf den Kopf. Es handelt sich nicht nur um eine zusätzliche Farbe – sondern um ein gestalterisches Werkzeug, das möglicherweise eine zentrale Rolle für die räumliche und technische Tiefe der Fresken spielte.

Das neue Pigment deutet darauf hin, dass römische Künstler:innen freier und kreativer experimentierten, als man ihnen lange zugetraut hatte. Zugleich wirft der Fund Fragen über andere Farben auf, die womöglich durch Verwitterung oder chemische Veränderungen verloren gingen oder bislang übersehen wurden.

Darüber hinaus könnte dieser Fund Anlass geben, andere Werke der Epoche mit vergleichbaren Technologien erneut zu untersuchen – auf der Suche nach weiteren, verborgenen Pigmenten unter den Spuren der Zeit.

Einmal mehr beweist Pompeji, dass die Vergangenheit voller Überraschungen steckt. Und manchmal genügt ein einziger Grauton, um Jahrhunderte der Kunstgeschichte neu zu denken. Eine stille, aber revolutionäre Entdeckung.

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