Zum Inhalt springen
News

Die verborgene Farbe der Ozeane: Warum sie sich verändern und was bis 2100 passieren wird

Die Ozeane hatten nicht immer die Farbe, die wir heute kennen. Über Milliarden von Jahren hat sich ihre Tönung aufgrund chemischer und biologischer Prozesse verändert. Nun warnen Wissenschaftler, dass die globale Erwärmung eine neue Veränderung der Wasserfarben hervorrufen könnte. Eine MIT-Studie schätzt, dass bis zum Jahr 2100 mehr als 50 % der Ozeane einen anderen Farbton haben werden.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die verborgene Farbe der Ozeane: Warum sie sich verändern und was bis 2100 passieren wird

Das intensive Blau, das die modernen Ozeane auszeichnet, ist nicht von Dauer. In der Vergangenheit waren die Gewässer des Planeten grün, reich an Eisen und Mikroorganismen, die ihre Oberfläche färbten. Nun könnten sich die Ozeane aufgrund des Klimawandels und der Veränderung in der Verteilung des Phytoplanktons in den kommenden Jahrzehnten erneut in ihrer Farbe verändern. Aber welche Auswirkungen hätte dieser Wandel und was sagt er uns über die Zukunft des Meereslebens?

Die Ozeane waren nicht immer blau

2
© iStock.

Die Farbe der Ozeane wird durch die Wechselwirkung zwischen Sonnenlicht und den in ihren Oberflächenschichten vorhandenen Elementen bestimmt.

  • Blaue Gewässer: Haben weniger Leben und enthalten weniger Phytoplankton.
  • Grüne Gewässer: Sind voller Mikroorganismen und beherbergen oft mehr Meeresarten.

Laut der Zeitschrift New Scientist waren die Ozeane vor etwa 3 Milliarden Jahren überwiegend grün, was auf die hohe Konzentration von gelöstem Eisen im Wasser zurückzuführen war. Dieses Element absorbierte blaues Licht und ließ grüne Wellenlängen passieren. Außerdem dominierten in diesen Gewässern Cyanobakterien, Organismen, die Pigmente namens Phycobiline besaßen, die rotes und grünes Licht absorbierten.

Diese Farbe herrschte über Milliarden von Jahren vor, bis sich vor etwa 600 Millionen Jahren die chemische Zusammensetzung der Ozeane radikal veränderte, was die Verbreitung komplexerer Lebensformen ermöglichte und ihre Tönung veränderte.

Der Einfluss der globalen Erwärmung auf die Meeresfarben

Eine Studie von MIT-Forschern, veröffentlicht in Nature Communications, hat Beweise dafür gefunden, dass der Klimawandel die Verteilung des Phytoplanktons in den Ozeanen beeinflusst. Da diese Mikroorganismen entscheidend für die Farbgebung der Gewässer sind, könnte ihre Verlagerung das zukünftige Erscheinungsbild der Ozeane verändern.

Die Wissenschaftler prognostizieren, dass bis zum Jahr 2100 mehr als 50 % der ozeanischen Oberfläche eine deutliche Farbveränderung erfahren wird. Auch wenn der Wandel allmählich erfolgen wird, wird er wichtige Auswirkungen auf die marine Biodiversität haben.

Ein ökologischer Wandel mit Konsequenzen

3
© iStock.

Die Veränderung der Farbe der Ozeane ist nicht nur ein visuelles Phänomen; sie ist ein Indikator für das ökologische Gleichgewicht.

  • Weniger Phytoplankton in bestimmten Gebieten: Das bedeutet weniger Nahrung für Meerestiere, die auf diese Mikroorganismen angewiesen sind.
  • Anstieg des Phytoplanktons in anderen Bereichen: Kann die Nahrungskette verändern und die Verteilung von Fischen und anderen Organismen beeinflussen.
  • Änderungen in der Kohlenstoffaufnahme: Das Phytoplankton spielt eine entscheidende Rolle bei der Bindung von Kohlendioxid, sodass eine Veränderung seiner Verteilung das globale Klima beeinflussen könnte.

Die Forscher sind sich noch nicht über die vollständigen Auswirkungen dieses Wandels im Klaren, aber Satelliten haben in der letzten Dekade bereits Veränderungen in der Meeresfarbe beobachtet.

Die Zukunft der Ozeane: Rückkehr zum Grün?

Die MIT-Studie legt nahe, dass die Ozeane in einigen Regionen einen grünlicheren Ton annehmen könnten, was an Zeiten erinnert, in denen der Planet ganz anders war. Doch dieser Wandel wäre keine Rückkehr zu ihrem ursprünglichen Zustand, sondern das Ergebnis einer durch die globale Erwärmung verursachten Umweltkrise.

Die Veränderung der Meeresfarbe ist eine Warnung vor den Auswirkungen des Klimawandels auf den Planeten. Obwohl das Wasser weiterhin mehr als 70 % der Erde bedeckt, könnten sich sein Aussehen und seine ökologische Funktion in weniger als einem Jahrhundert drastisch verändern. Sind wir bereit, diesen Veränderungen und ihren Konsequenzen zu begegnen?

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel