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Die Unterwasserstadt, die alles verändern könnte: Der ehrgeizige Plan in Großbritannien, unter dem Meer zu leben

Ein revolutionäres Projekt in Großbritannien zielt darauf ab, die erste permanente menschliche Präsenz im Ozean zu etablieren. Mit einer hochmodernen Infrastruktur, verstärkter Sicherheit und einem Millionenbudget könnte diese Initiative den Beginn einer neuen Ära in der Unterwasserforschung markieren. Doch wie wird das Leben in der Tiefe aussehen, und welche Herausforderungen stellt dieses kühne Vorhaben?
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

In einem ehemaligen Kalksteinbruch in Gloucestershire, Großbritannien, arbeitet ein interdisziplinäres Team an Deep, einem Projekt, das die Beziehung des Menschen zum Ozean grundlegend verändern soll.

Finanziert von einem anonymen Investor, entwickelt Deep bewohnbare Unterwassereinheiten, die es Wissenschaftlern und Forschern ermöglichen sollen, dauerhaft unter Wasser zu leben. Wenn alles nach Plan verläuft, werden die ersten Bewohner im Jahr 2027 in die Tiefen hinabsteigen – ein Meilenstein in der Geschichte der Ozeanerkundung.

Die Infrastruktur: Tauchstationen mit allem, was man zum Leben braucht

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© Deep.

Das Projekt basiert auf der Errichtung von sogenannten Sentinels – modularen Unterwasserstationen, die Platz für bis zu sechs Personen bieten und in einer Tiefe von 200 Metern operieren können. Diese Zone, bekannt als die Dämmerlichtzone des Ozeans, erhält nur wenig Sonnenlicht und beherbergt weitgehend unerforschte Lebensformen.

Zunächst sollen diese Unterwasserstationen als Forschungszentren dienen, doch die langfristige Vision von Deep geht noch weiter: Es sollen permanente Siedlungen in allen Weltmeeren entstehen.

Laut Mike Shackleford, dem Betriebsleiter des Projekts:
„Unser Ziel ist es, für immer im Ozean zu leben.“

Ein Testzentrum in einem überfluteten Steinbruch

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© Deep.

Um diese revolutionäre Infrastruktur zu entwickeln und zu testen, hat Deep ein 20 Hektar großes Gelände in Gloucestershire umgestaltet. Der dortige Steinbruch wurde in den 1990er Jahren überflutet und bietet ideale Bedingungen für die Experimente.

Der Campus umfasst:

✔ Ausbildungs- und Trainingsbereiche für zukünftige Unterwasserbewohner
✔ Eine Basis für Mini-Tauchboote, die die Bewohner zu den Sentinels bringen
✔ Hochmoderne Entwicklungs- und Testeinrichtungen in Bristol

Die Sentinels wurden so konzipiert, dass sie ähnliche Lebensbedingungen wie ein Zuhause an Land bieten, darunter:

🏠 Geräumige Schlafbereiche
🍽 Voll ausgestattete Küchen
🔬 Forschungsräume
🚿 Badezimmer mit fließendem Wasser und einem Druckausgleichssystem

Diese Einheiten werden aus einer speziellen Stahllegierung gefertigt, die extremem Wasserdruck standhält und längere Aufenthalte unter Wasser ermöglicht, ohne die Sicherheit der Bewohner zu gefährden.

Millionenschwere Investitionen und maximale Sicherheit

Eines der größten Mysterien rund um das Projekt ist seine Finanzierung. Deep wird von einem einzigen anonymen privaten Investor unterstützt – dessen Identität und die genaue Investitionssumme bleiben geheim.

Dennoch wurde bestätigt, dass allein für den Bau des Campus in Gloucestershire bereits über 100 Millionen Pfund (mehr als 120 Millionen Dollar) investiert wurden.

In puncto Sicherheit wurden extreme Maßnahmen ergriffen, um Katastrophen wie die Implosion des Tauchbootes Titan im Jahr 2023 zu vermeiden. Phil Short, Leiter des Tauchbetriebs bei Deep, betont den entscheidenden Unterschied:

„Niemand würde seine Familie in ein Auto ohne überprüfte Bremsen oder handgefertigte Reifen setzen. Wir garantieren Sicherheit – vom Design bis zur operativen Umsetzung.“

Um höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten, wird das Projekt von Det Norske Veritas (DNV) überwacht, einer internationalen Zertifizierungsstelle, die jede Entwicklungsphase prüft und genehmigt.

Forschung und menschliche Anpassung an das Leben unter Wasser

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© Deep.

Ein zentraler Aspekt von Deep ist die wissenschaftliche Forschung, insbesondere zum Einfluss eines langfristigen Aufenthalts in der Tiefe auf den menschlichen Körper.

Die Physiologin Dawn Kernagis erklärt, dass bisherige Studien zum Sättigungstauchen fast ausschließlich an jungen, gesunden Männern durchgeführt wurden. Unklar bleibt, wie sich andere Bevölkerungsgruppen an das Leben unter Wasser anpassen könnten.

Das Training für Bewohner der Sentinels ist anspruchsvoll und langwierig:

🟢 Personen ohne Taucherfahrung benötigen 12 bis 18 Monate Vorbereitung
🟢 Psychologische Tests prüfen die Anpassungsfähigkeit an enge Räume
🟢 In eigens entwickelten Simulatoren wird die Toleranz für das Leben unter Wasser analysiert

Ernährung und alltägliche Herausforderungen unter Wasser

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© Deep.

Ein Leben unter Wasser bedeutet, tägliche Routinen anzupassen – einschließlich der Ernährung. Joe Costa, Chefkoch von Deep, hat ein spezielles Unterwasser-Menü entwickelt, das eine ausgewogene Ernährung unter Hochdruckbedingungen sicherstellt.

„Wir haben festgestellt, dass der Druck das Geschmacksempfinden dämpft, also mussten wir die Aromen anpassen.“

Zu den entwickelten Gerichten gehören:

🥣 Französische Zwiebelsuppe
🥩 Rinderrippen mariniert in Rotwein
🍲 Trüffelpolenta mit Ricotta

Zusätzlich wurden vakuumierte Käsesnacks kreiert, um den Geschmack unter Wasser zu intensivieren. Alle Speisen werden von Ernährungswissenschaftlern überprüft und in einem Tauchlabor in Plymouth getestet, bevor sie in den Unterwasserstationen zum Einsatz kommen.

Die Zukunft: permanente Unterwasser-Kolonien

Das Design der Sentinels erlaubt es, sie an einer festen Unterwasserbasis zu verankern – ein Schritt in Richtung bewohnbarer Kolonien im Meer.

Mögliche Zukunftsszenarien umfassen:

🌊 Multinationale Forschungszentren
🌊 Wissenschaftliche Großstationen
🌊 Sogar zivile Siedlungen unter Wasser

Während die Welt über die Besiedlung des Weltraums nachdenkt, setzt Deep auf die Erforschung der Ozeane – jenes 71 % der Erde, die weitgehend unbekannt sind.

Sollte dieses Projekt erfolgreich sein, könnte es den Beginn einer neuen Ära markieren – einer Zukunft, in der der Mensch endlich seinen Platz unter dem Meer findet.

Quelle: Infobae.

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