Trotz zahlreicher Initiativen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen zeigen die Zahlen nach wie vor: Männer gründen häufiger als Frauen. Doch der Grund liegt nicht im fehlenden Talent oder mangelnden Ideenreichtum, sondern in subtileren, kulturell verankerten Faktoren. Dieser Artikel beleuchtet, wie soziale Stereotype den unternehmerischen Werdegang beeinflussen – oft ohne dass wir es merken.
Stereotype, die Entscheidungen prägen

Laut der Rollen-Selbstkonzept-Theorie existieren zwei Arten von Stereotypen: beschreibende (wie Menschen sind) und vorschreibende (wie sie sein sollten). Männliche Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Risikofreude und Führungsstärke werden häufig mit Unternehmertum assoziiert. Weibliche Eigenschaften hingegen – wie Empathie, Teamarbeit und Fürsorge – gelten als weniger passend für diese Rolle.
Das Problem entsteht, wenn das gesellschaftliche Idealbild eines Unternehmers fast ausschließlich „männlich“ geprägt ist. Dadurch werden Frauen oft – bewusst oder unbewusst – als weniger geeignet wahrgenommen, selbst wenn sie die gleichen Fähigkeiten mitbringen.
Der Wunsch zu gründen entsteht im Kopf
In der ersten Phase des Unternehmertums – dem Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu gründen – spielt nicht das biologische Geschlecht die größte Rolle, sondern die geschlechtliche Ausdrucksform. Menschen, die „männlich“ konnotierte Eigenschaften zeigen, äußern häufiger unternehmerische Absichten.
Interessanterweise zeigen Personen mit einer androgynen Ausdrucksweise – also einer Kombination aus weiblich und männlich gelesenen Merkmalen – die höchste Gründungsneigung, da sie sich als vielseitig und kompetent erleben. Das zeigt: Es ist nicht „das Mannsein“ an sich, das zum Unternehmertum führt, sondern das Vertrauen in sich selbst, wie es durch gesellschaftliche Zuschreibungen geformt wird.
Wenn Absicht nicht zu Handlung wird
Doch in der zweiten Phase – wenn aus dem Wunsch Realität werden soll – ändert sich das Muster. Das biologische Geschlecht gewinnt an Bedeutung, und Männer setzen ihre Ideen häufiger in die Tat um. Die geschlechtliche Ausdrucksform verliert an Einfluss.

Hier kommen vorschreibende Stereotype ins Spiel: Frauen, die nicht dem traditionellen Gründerbild entsprechen, sehen sich mit Misstrauen, weniger finanzieller Unterstützung und sozialen Barrieren konfrontiert – oft bevor sie überhaupt beginnen. Diese äußeren Hindernisse werden häufig durch innere Zweifel verstärkt, die aus der eigenen Selbstwahrnehmung entstehen.
Eine tief verwurzelte Herausforderung
Die Erkenntnis: Unternehmertum ist nicht nur eine Frage von Idee oder Ehrgeiz. Soziale Normen und Geschlechterbilder wirken wie unsichtbare Schranken – mal subtil, mal offensichtlich – und halten viele Frauen davon ab, den Schritt zur Gründung zu wagen.
Was muss sich ändern?
Die Lösung liegt in einem kulturellen Wandel: Es gilt, alte Denkmuster zu hinterfragen und ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, die gleichen Chancen erhalten, ihre Ideen zu verwirklichen. Denn das Potenzial ist vorhanden – es braucht nur Raum, um sich zu entfalten.
Quelle: The Conversation