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Wissenschaft

Die unerwartete Erkenntnis: Das Geheimnis der Farben bei Schmetterlingen und die neueste Entdeckung der Wissenschaft

Ein Forscherteam hat ein entscheidendes Mikro-RNA-Molekül entdeckt, das die Pigmentierung von Schmetterlingen beeinflusst – und damit frühere Annahmen über die genetische Steuerung der Farben dieser Insekten infrage stellt. Diese Entdeckung verändert nicht nur unser Verständnis ihrer Evolution, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für die Biomedizin und den Artenschutz.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Schmetterlinge faszinieren Wissenschaftler und Naturforscher seit Jahrhunderten mit der Vielfalt und Komplexität ihrer Farben. Doch diese Muster sind nicht nur ästhetisch – sie spielen eine entscheidende Rolle für das Überleben, die Tarnung und die Fortpflanzung.

Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass die schwarze Pigmentierung ihrer Flügel nicht – wie bisher angenommen – von einem bestimmten Gen gesteuert wird, sondern von einem kleinen RNA-Fragment. Diese Erkenntnis stellt alte Theorien auf den Kopf und könnte weit über die Welt der Insekten hinaus Bedeutung haben.

Eine Entdeckung, die das Wissen über Schmetterlingsfarben verändert

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Lange Zeit glaubte man, dass das cortex-Gen für die schwarze Pigmentierung bei Schmetterlingen verantwortlich ist. Doch ein Forscherteam aus Singapur, Japan und den USA hat nun nachgewiesen, dass die eigentliche Steuerung durch eine Mikro-RNA namens mir-193 erfolgt.

Diese Entdeckung ist bahnbrechend, da Mikro-RNAs die Genexpression regulieren, ohne direkt Proteine zu codieren. Das bedeutet, dass sie möglicherweise eine weitaus größere Rolle in der Evolution der Tierpigmentierung spielen als bisher vermutet.

Die Studie, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, verändert nicht nur das Verständnis der Farbgenetik bei Schmetterlingen, sondern könnte auch die Forschung zur Pigmentierung anderer Lebewesen neu ausrichten.

Das Experiment: Die Rolle von mir-193

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Um die Funktion von mir-193 zu überprüfen, nutzten die Wissenschaftler die CRISPR-Cas9-Genschere bei drei sehr unterschiedlichen Schmetterlingsarten:

  • Bicyclus anynana (Afrikanischer Braunschmetterling)
  • Pieris canidia (Indischer Weißling)
  • Papilio polytes (Gemeiner Mormon)

Als mir-193 inaktiviert wurde, verschwand in allen drei Arten die schwarze Pigmentierung – allerdings mit jeweils einzigartigen Auswirkungen.

  • Bei Bicyclus anynana veränderte sich nicht nur die Flügelfarbe, sondern auch Antennen, Beine und Abdomen waren betroffen. Sogar das Flugverhalten wurde beeinflusst.
  • Bei Pieris canidia verwandelte sich das Schwarz in Weiß, ohne andere Farben zu verändern.
  • Bei Papilio polytes führte das Fehlen von Melanin zur Entstehung neuer Muster in Weiß-, Gelb- und Rottönen, was darauf hindeutet, dass mir-193 nicht nur Melanin steuert, sondern auch andere Pigmente aktiviert.

Mehr als nur Schmetterlinge: Wissenschaftliche und medizinische Implikationen

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Die Entdeckung von mir-193 als Schlüsselfaktor der Farbpigmentierung führte die Forscher zu einem weiteren Test – diesmal an der Taufliege (Drosophila). Überraschenderweise zeigte sich, dass mir-193 auch bei dieser Art eine Rolle in der Pigmentierung spielt, was darauf hindeutet, dass seine Funktion über die Evolution hinweg erhalten geblieben ist.

Doch die Bedeutung der Studie reicht über die Entomologie hinaus. mir-193 ist bereits aus der Humanmedizin bekannt – als Tumorsuppressor. Dies macht es zu einem potenziellen Kandidaten für neue Krebs-Therapien, die auf kleinen RNA-Molekülen basieren. Darüber hinaus könnte ein besseres Verständnis der Pigmentierungsregulation entscheidend für den Artenschutz sein, da viele bedrohte Spezies auf ihre Färbung zur Tarnung und Kommunikation angewiesen sind.

Eine Entdeckung, die die Genetik neu definiert

Diese Studie zeigt, dass nicht nur proteincodierende Gene für sichtbare Merkmale verantwortlich sind. Mikro-RNAs, die in vielen früheren Forschungen übersehen wurden, können einen entscheidenden Einfluss auf Merkmale wie die Pigmentierung haben.

Zugleich wirft die Entdeckung neue Fragen auf:

  • Gibt es eine ähnliche Regulation bei anderen Tieren?
  • Könnte dieses Wissen genutzt werden, um die Pigmentierung bedrohter Arten gezielt zu beeinflussen?
  • Welche Anwendungen sind in der Medizin möglich?

Eines ist sicher: Die Wissenschaft hat einen großen Schritt im Verständnis von Farben in der Natur gemacht. Eine Erkenntnis, die du vielleicht nicht erwartet hast – aber die unser Wissen über Evolution und Genetik grundlegend verändern könnte.

Quelle: Infobae

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