Wissenschaftler glauben, dass sie einen wichtigen Hinweis darauf gefunden haben, warum Maria Branyas Morera ein so langes Leben hatte. Die Spanierin wurde 117 Jahre alt und wies einige außergewöhnliche Merkmale auf – insbesondere eine erstaunlich einzigartige Darmflora.
Ein Forschungsteam der Universität Barcelona untersuchte die Langlebigkeit von Branyas und fand dabei spannende Erkenntnisse, die diesen Monat von der spanischen Zeitung Ara veröffentlicht wurden. Eine der auffälligsten Entdeckungen: Ihre Darmflora ähnelte der eines Säuglings. Diese spezielle Zusammensetzung könnte neben ihren vorteilhaften Genen und einem gesunden Lebensstil dazu beigetragen haben, dass sie ein langes und weitgehend gesundes Leben führen konnte.
Ein Leben durch die Jahrhunderte
Maria Branyas Morera wurde 1907 in den USA geboren, zog jedoch bald mit ihrer Familie zurück nach Katalonien, Spanien. Ihr Leben widmete sie der Pflege, arbeitete als Krankenschwester und unterstützte ihren Ehemann Joan Moret, einen Arzt, bis zu seinem Tod im Jahr 1976. Im Jahr 2000 zog sie in ein Seniorenheim im Norden Kataloniens, doch sie hatte noch viele Jahre vor sich.
Im Januar 2023 wurde Branyas offiziell von Guinness World Records als älteste lebende Frau der Welt anerkannt, nachdem die 118-jährige Lucile Randon aus Frankreich verstorben war. Zu diesem Zeitpunkt überzeugte der Genetiker Manel Esteller von der Universität Barcelona sie, eine Reihe medizinischer Tests durchzuführen, um die Geheimnisse ihrer bemerkenswerten Langlebigkeit zu entschlüsseln. Dabei entdeckte sein Team mehrere Faktoren, die ihre lange Lebensspanne erklären könnten.
Jung gebliebene Zellen und ein gesunder Lebensstil
Ein entscheidender Faktor war Branyas‘ genetische Ausstattung: Ihre Zellen alterten offenbar langsamer als bei den meisten Menschen. Die Forscher schätzten, dass ihr biologisches Alter rund 17 Jahre jünger war als ihr tatsächliches Alter.
Doch Branyas hat auch selbst viel für ihre Gesundheit getan. Sie vermied Alkohol und Zigaretten, bewegte sich regelmäßig, ernährte sich nach der Mittelmeerdiät und pflegte ein aktives Sozialleben. Sie und ihr Ehemann hatten drei Kinder sowie insgesamt zwei Dutzend Enkel und Urenkel.
Was sie jedoch besonders machte, war ihr außergewöhnliches Mikrobiom – die Gemeinschaft von Bakterien in unserem Darm, die unsere Gesundheit beeinflussen. Laut Estellers Team hatte Branyas eine Darmflora, die eher der eines Säuglings als der einer 100-jährigen Person entsprach. Das könnte erklären, warum sie nicht nur lange lebte, sondern bis zum Schluss geistig fit und gesund blieb.
Ein Leben voller Geschichte
Branyas war eine Zeitzeugin von mehr als einem Jahrhundert Geschichte: Sie erlebte beide Weltkriege, den Spanischen Bürgerkrieg und zwei große Pandemien – die Spanische Grippe von 1918 und die COVID-19-Pandemie. Letztere überstand sie 2020 mit nur milden Symptomen.
Doch im August 2023 endete ihre beeindruckende Lebensreise. Branyas verstarb friedlich im Schlaf im Alter von 117 Jahren.
Was wir aus ihrer Geschichte lernen können
Die Rolle des Mikrobioms in unserer Gesundheit wird immer intensiver erforscht. Eine unausgewogene Darmflora wird mit zahlreichen Krankheiten in Verbindung gebracht, von Verdauungsproblemen bis hin zu chronischen Erkrankungen. Doch die Wissenschaft steht noch am Anfang, genau zu verstehen, wie das Mikrobiom unsere Gesundheit beeinflusst.
Branyas’ Geschichte zeigt, dass eine Kombination aus guten Genen, einem gesunden Lebensstil und einer optimalen Darmflora der Schlüssel zu einem langen Leben sein könnte. Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse über Branyas und andere Menschen mit außergewöhnlicher Langlebigkeit künftig dazu beitragen, neue Wege für ein gesundes Altern zu finden – für uns alle.