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Wissenschaft

Die Insel, die kein Mensch betreten kann: Ein Ort, an dem menschliches Leben keine Chance hat

Die Welt beherbergt atemberaubende Landschaften und unerforschte Gebiete, doch es gibt einen Ort, an dem die Gefahr so extrem ist, dass kein Mensch länger als wenige Sekunden überleben könnte.
Von Lucas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Vor der Küste Brasiliens, etwa 30 Kilometer von São Paulo entfernt, liegt ein Ort, der so tödlich ist, dass die Regierung den Zutritt verboten hat: Queimada Grande, eine Insel von rund 430.000 Quadratmetern, die auf den ersten Blick wie ein idyllisches Naturparadies wirken könnte. Doch in ihrem Inneren verbirgt sich eine lautlose, tödliche Gefahr.

Ein Königreich der giftigen Schlangen

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© Vaclav Sebek

Queimada Grande ist auch als Ilha das Cobras (Schlangeninsel) bekannt – und das nicht ohne Grund. Schätzungen zufolge leben hier rund 15.000 Schlangen, was sie zum Gebiet mit der höchsten Schlangendichte pro Quadratmeter weltweit macht. Besonders gefürchtet ist die Bothrops insularis, besser bekannt als die Goldene Lanzenotter – eine der giftigsten Schlangen der Welt.

Obwohl sie selten länger als 1,2 Meter wird, ist diese Schlange extrem aggressiv und hochgefährlich. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Vögeln und Reptilien, doch wenn die Nahrung knapp wird, schrecken die Schlangen nicht vor Kannibalismus zurück. Ihre isolierte Entwicklung auf der Insel hat dazu geführt, dass ihr Gift noch tödlicher ist als das ihrer Verwandten auf dem Festland.

Ein tödliches Gift – ohne Gegenmittel

Das Gift der Goldenen Lanzenotter ist bis zu fünfmal stärker als das ihrer nahen Verwandten Bothrops jararaca und hat verheerende Auswirkungen. Studien zeigen, dass ein Biss dieser Schlange zu Muskelnekrosen, Hirnblutungen, starkem Erbrechen und inneren Blutungen führt.

Die Wirkung des Giftes ist so schnell, dass es praktisch unmöglich ist, ein Gegengift rechtzeitig zu verabreichen oder medizinische Hilfe zu leisten. Experten schätzen, dass eine Person, die auf der Insel gebissen wird, innerhalb von nur 30 Sekunden an den Folgen des Giftes sterben würde. Aus diesem Grund ist Queimada Grande vollständig für die Öffentlichkeit gesperrt.

Ein Naturreservat für die Wissenschaft

Aufgrund ihrer einzigartigen Biodiversität und ihres wissenschaftlichen Wertes wurde die Insel in den 1980er Jahren zu einem Hochschutzgebiet für Herpetologie erklärt. Der Zugang ist ausschließlich Forschern und Wissenschaftlern gestattet, die eine spezielle Genehmigung der brasilianischen Regierung erhalten müssen.

Studien auf Queimada Grande ermöglichen es, die evolutionäre Entwicklung der Goldenen Lanzenotter und die Zusammensetzung ihres Giftes zu erforschen – mit dem Ziel, medizinische Anwendungen zu finden. Die Vorschriften für wissenschaftliche Untersuchungen sind jedoch streng: Das Ökosystem darf nicht gestört werden, und Proben dürfen nur mit offizieller Genehmigung entnommen werden.

Ein Ort, der menschliches Überleben unmöglich macht

Queimada Grande gilt als einer der gefährlichsten Orte der Erde. Die extrem hohe Schlangendichte und die tödliche Wirkung ihres Giftes machen es unmöglich, dass Menschen hier überleben. Kein Wunder, dass jeglicher touristische oder freizeitliche Aufenthalt strengstens verboten ist.

Diese kleine Insel vor der Küste Brasiliens bleibt ein faszinierendes, tödliches Rätsel – zugänglich nur für jene, die bereit sind, ihre Gefahren im Namen der Wissenschaft zu erforschen.

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