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Wissenschaft

Die gefährlichsten Keime ohne wirksame Impfstoffe

Forscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben 17 Krankheitserreger identifiziert, für die dringend neue oder verbesserte Impfstoffe benötigt werden – darunter Bedrohungen wie HIV, Malaria und Influenza.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

WHO präsentiert Prioritätsliste für künftige Impfstoffentwicklungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste mit Krankheitserregern veröffentlicht, gegen die dringend neue oder bessere Impfstoffe entwickelt werden sollten. In einem diese Woche veröffentlichten Bericht haben Wissenschaftler der WHO 17 weit verbreitete Erreger identifiziert, darunter Influenza, HIV, Norovirus und das Bakterium Staphylococcus aureus.

Impfstoffe gehören zu den größten Errungenschaften des öffentlichen Gesundheitswesens. Sie haben dazu beigetragen, gefährliche Krankheiten wie Pocken, Kinderlähmung und zuletzt COVID-19 unter Kontrolle zu bringen oder gar auszurotten. Dennoch existieren gegen viele weit verbreitete Krankheiten keine wirksamen Impfstoffe. Zudem sind einige bestehende Impfstoffe nur begrenzt schützend, wie die saisonale Grippeimpfung. Da Zeit und Ressourcen für die Impfstoffentwicklung begrenzt sind, hat die WHO eine Liste mit den dringendsten Krankheitserregern erstellt, die ins Visier genommen werden sollten.

So wurde die Liste erstellt

Um die Liste zu erstellen, arbeiteten die Wissenschaftler mit internationalen und regionalen Experten zusammen und legten Kriterien fest, darunter die jährlichen Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren und das Ausmaß der Antibiotikaresistenz eines Erregers. Besonders problematisch sind Bakterien, die resistent gegen wichtige Antibiotika sind. Anschließend wurden diese Faktoren mit regionalen Daten abgeglichen, um die zehn gefährlichsten Krankheiten ohne wirksamen Impfstoff pro Weltregion zu ermitteln. Diese regionalen Listen wurden dann zu einer globalen Prioritätenliste mit 17 Erregern zusammengeführt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift eBioMedicine veröffentlicht.

Kate O’Brien, Direktorin der WHO-Abteilung für Impfungen und Biologische Produkte, betonte: „Zu oft werden globale Entscheidungen über neue Impfstoffe allein von wirtschaftlichen Faktoren bestimmt, anstatt davon, wie viele Menschenleben gerettet werden könnten, besonders in vulnerablen Gemeinschaften. Diese Studie nutzt breites regionales Fachwissen und Daten, um Impfstoffe zu priorisieren, die nicht nur Krankheiten erheblich reduzieren, sondern auch die medizinischen Kosten für Familien und Gesundheitssysteme senken würden.“

Die gefährlichsten Krankheitserreger im Fokus

Die drei tödlichsten Krankheiten auf der Liste – HIV, Tuberkulose und Malaria – fordern jährlich weltweit etwa 2,5 Millionen Todesopfer.

Besonders fünf Krankheitserreger wurden in allen WHO-Regionen als vorrangig eingestuft:

  • Mycobacterium tuberculosis (Tuberkulose)
  • HIV-1 (die weltweit häufigste HIV-Form)
  • Klebsiella pneumoniae
  • Staphylococcus aureus
  • Extraintestinale pathogene Escherichia coli

Weitere Erreger auf der Liste sind:

  • Streptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken)
  • Hepatitis-C-Virus
  • Zytomegalievirus
  • Leishmania-Parasiten
  • Nichttyphoidale Salmonellen
  • Norovirus
  • Plasmodium falciparum (Malaria)
  • Shigella-Bakterien (verursachen Durchfall)
  • Dengue-Virus
  • Gruppe-B-Streptokokken
  • Influenza (Grippe)
  • Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV)

Impfstoffe: Fortschritte und Herausforderungen

Einige dieser Erreger haben bereits existierende Impfstoffe, etwa Tuberkulose und Influenza. Allerdings bieten diese nur begrenzten Schutz oder müssen ständig aktualisiert werden, wie der jährliche Grippeimpfstoff. Andere Erreger stehen kurz vor der Zulassung neuer oder verbesserter Impfstoffe, darunter Dengue und RSV. Wieder andere zeigen vielversprechende Ansätze in frühen Forschungsphasen, wie Shigella oder Norovirus. Für manche Krankheitserreger, darunter Hepatitis C, HIV-1 und Klebsiella pneumoniae, ist jedoch noch erhebliche Forschung nötig, um vielversprechende Impfstoffkandidaten zu entwickeln.

Das Ziel: Mehr Impfstoffe für mehr Menschen

Die Liste der WHO ist Teil eines umfassenderen Ziels: Bis 2030 soll weltweit der Zugang zu Impfungen erheblich verbessert werden. Diese Initiative ist unter dem Namen „Immunization Agenda 2030“ (IA2030) bekannt. Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse dabei helfen, die Forschung und Entwicklung von Impfstoffen gezielt voranzutreiben – sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene.

In ihrer Studie schreiben die Wissenschaftler: „Als globale Gemeinschaft können und müssen wir diese Herausforderungen gemeinsam und schnell angehen, um den Nutzen bestehender und neuer Impfstoffe voll auszuschöpfen und nachhaltige Fortschritte zu ermöglichen. Wenn wir diesen Aufruf ernst nehmen, können wir dem IA2030-Ziel näherkommen: einer Welt, in der alle Menschen in jedem Alter und überall auf der Welt von Impfungen profitieren, um Gesundheit und Wohlbefinden zu verbessern.“

 

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