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Wissenschaft

Die FDA genehmigt erstmals CRISPR-bearbeitete Schweine für den Verzehr

Die genetisch veränderten Schweine von PIC sind hochresistent gegen eines der derzeit gefährlichsten Viren, das Schweinepopulationen weltweit bedroht.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Wer hat Lust auf etwas CRISPR-Speck?

Diese Woche hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) genveränderte Schweine der Firma PIC, einem auf Tiergenetik spezialisierten Biotechnologieunternehmen, für den menschlichen Verzehr zugelassen.

Die FDA erteilte die Genehmigung am Mittwoch und erlaubt damit die kommerzielle Nutzung einer spezifischen Genveränderung bei gezüchteten Schweinen. Mit Hilfe von CRISPR – einem leistungsstarken Werkzeug zur Genbearbeitung – hat das in Großbritannien ansässige Unternehmen Schweine erzeugt, die gegen eine der weltweit am häufigsten vorkommenden Virusinfektionen bei Schweinen resistent sind. Es wird jedoch noch eine Weile dauern, bis dieses gentechnisch veränderte Schweinefleisch tatsächlich auf unseren Tellern landet.

Jahrelange Forschung für eine kleine Genveränderung

„Wir haben jahrelang intensive Forschung betrieben, unsere Ergebnisse validiert und eng mit der FDA zusammengearbeitet, um die Zulassung zu erhalten“, sagte Matt Culbertson, Chief Operating Officer von PIC (Pig Improvement Company), in einer am Donnerstag von der britischen National Pig Association veröffentlichten Stellungnahme.

Die Genveränderung von PIC richtet sich gegen das Virus, das das porzine Reproduktions- und Respirationssyndrom (PRRS) verursacht. Dabei wird ein Rezeptor auf den Schweinezellen ausgeschaltet, den das Virus üblicherweise nutzt, um eine Infektion auszulösen. Die veränderten Schweine sollen gegen nahezu alle derzeit zirkulierenden PRRS-Stämme resistent sein – mit Ausnahme einiger seltener Untertypen, die möglicherweise dennoch eine Infektion verursachen können.

Ein wirtschaftlich verheerendes Virus

Obwohl PRRS möglicherweise bereits in freier Wildbahn existierte, wurde es erst vor einigen Jahrzehnten zu einem ernsten Problem in der Schweinezucht. Heute ist das Virus weit verbreitet und richtet enorme wirtschaftliche Schäden an, da es Jungtiere töten und bei Zuchtschweinen zu Fruchtbarkeitsstörungen führen kann. Nach Angaben der Weltorganisation für Tiergesundheit verursacht PRRS allein in den USA jährliche Verluste von rund 560 Millionen US-Dollar.

Die Genveränderung wird in frühe Embryonen eingebracht, die dann in Jungsauen (geschlechtsreife weibliche Schweine, die noch nicht geworfen haben) implantiert werden. Dadurch kann die Mutation an zukünftige Generationen weitervererbt werden. Diese Schweine gelten in Geschmack und Sicherheit als identisch mit nicht veränderten Tieren.

Nicht die ersten genveränderten Schweine

Die genveränderten Schweine von PIC sind nicht die ersten Tiere, die in den USA für den Verzehr zugelassen wurden. Bereits 2020 genehmigte die FDA die sogenannten Galsafe-Schweine des Unternehmens Revivicor zur Nutzung in Medizin und Ernährung. Diese Schweine wurden so verändert, dass sie keinen alpha-Gal-Zucker mehr in ihrer Muskulatur tragen – ein Stoff, der bei bestimmten Personen Allergien auslösen kann und Schweine für Organtransplantationen ungeeignet macht.

Die FDA hat zudem bereits andere genetisch veränderte Tiere wie Lachs als unbedenklich für den menschlichen Verzehr eingestuft. Dennoch hatten viele Unternehmen in der Vergangenheit Schwierigkeiten, regulatorische Hürden zu überwinden oder sich nach der Zulassung am Markt zu etablieren.

Im Fall von PIC könnte die relativ einfache Methode – das Entfernen, nicht das Hinzufügen eines Gens – sowie die potenziellen Vorteile für die Tiergesundheit dazu führen, dass diese Schweine als erste gentechnisch veränderte Nutztiere tatsächlich in großem Umfang gezüchtet und verzehrt werden. Ihr Erfolg könnte auch den Weg für weitere genveränderte Fleischprodukte ebnen, die sicherer oder widerstandsfähiger gegen Krankheiten sind.

Der Markt ist global – und PIC denkt global

Es wird dennoch einige Zeit und Ressourcen benötigen, bis PIC und das Mutterunternehmen Genus das Projekt vollständig umsetzen können. Da die Schweineindustrie stark globalisiert ist, strebt das Unternehmen Zulassungen in weiteren wichtigen Märkten an, in denen Schweinefleisch produziert oder importiert wird – darunter Mexiko, Kanada und China. In den USA rechnet PIC frühestens im Jahr 2026 mit dem Verkaufsstart seiner Schweine.

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