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Wissenschaft

Die Arktis verändert ihre Farbe: Der überraschende Vormarsch des Grüns – und seine mögliche Kehrseite

Die Moore, die derzeit als Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel gelten, breiten sich in der Arktis infolge der globalen Erwärmung aus. Doch was wie eine gute Nachricht erscheint, könnte sich ins Gegenteil verkehren – wenn extreme Wetterlagen diese Ökosysteme in Kohlenstoffquellen verwandeln.
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Ein sich wandelndes arktisches Ökosystem

Während sich die Arktis deutlich schneller erwärmt als andere Regionen der Erde, verändert sich ihre Landschaft auf überraschende Weise. Wo früher gefrorener Boden und kahle Felsen dominierten, entstehen nun neue, feuchte Ökosysteme, die Kohlenstoff binden können. Die Moore breiten sich aus – und obwohl sie derzeit helfen, sind ihre langfristigen Auswirkungen auf das Klima ungewiss.

Wachstum durch Tauwetter: Der Einfluss des Permafrosts

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© Pexels – Laura Paredis.

Eine neue Studie, veröffentlicht in Communications Earth and Environment, zeigt, dass sich die Fläche arktischer Moore in den letzten 40 Jahren erheblich vergrößert hat. Wissenschaftler verschiedener Universitäten nutzten Satellitenbilder, Drohnendaten und direkte Feldbeobachtungen, um dieses Phänomen zu untersuchen – insbesondere in Regionen mit wärmeren Sommern wie dem norwegischen Archipel Spitzbergen (Svalbard).

Der Schlüssel liegt im Permafrost: Wenn dieser dauerhaft gefrorene Boden auftaut, wird Wasser freigesetzt, das das Wachstum von Pflanzen ermöglicht. So entstehen ideale Bedingungen für Moore – feuchte Flächen, in denen organisches Material nur langsam zersetzt wird und große Mengen Kohlenstoff gespeichert werden.

Laut Experten wirken viele dieser neu entstandenen Vegetationszonen bereits jetzt als natürliche Kohlenstoffsenken und entziehen der Atmosphäre aktiv CO₂. Doch dieser Prozess verläuft weder schnell noch völlig stabil.

Vom Klimafreund zur potenziellen Gefahr

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© Pexels – Pavel Danilyuk.

Frisch entstandene Moore stoßen allerdings auch Methan aus – ein Treibhausgas, das viel stärker wirkt als Kohlendioxid. Nach längerer Feuchtigkeitsphase stabilisieren sich diese Emissionen jedoch, und das Moor beginnt, als hocheffiziente Kohlenstofffalle zu funktionieren.

Die eigentliche Gefahr, so warnen Forscher, liegt in extremen Hitzewellen oder Waldbränden, die dieses fragile Gleichgewicht stören könnten. Wenn Moore austrocknen, setzen sie den gespeicherten Kohlenstoff wieder frei – mit potenziell katastrophalen Folgen für das Klima.

Karen Anderson von der Universität Exeter bringt das Dilemma auf den Punkt: „Kurzfristig helfen uns diese neuen Moore. Aber langfristig – wenn wir unsere Emissionen nicht drastisch senken – könnten sie sich gegen uns wenden.“

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