Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Der verborgene Fluss unter dem Amazonas: Die unterirdische Strömung, die Südamerika durchquert, ohne dass wir es merken

Tief unter dem Amazonas-Regenwald und seinen gewaltigen Wasserläufen fließt ein weiterer Strom – lautlos, riesig und kaum bekannt. Kein Science-Fiction: Der Hamza-Fluss ist real. Seine Entdeckung stellt vieles infrage, was wir über die Geografie unseres Kontinents zu wissen glaubten.
Von

Lesezeit 2 Minuten

Eine verborgene Strömung unter dem mächtigsten Fluss der Welt

Wenn wir an den Amazonas denken, stellen wir uns einen gigantischen Strom vor, der halb Südamerika durchzieht. Doch tief unter der Erde – etwa 4.000 Meter unter der Oberfläche – fließt ein zweiter, kaum bekannter Riese: der Hamza-Fluss. Dieses geologische Wunder wurde erst 2011 von brasilianischen Forschern entdeckt und trägt den Namen des Geophysikers Valiya Mannathal Hamza, der an der Entdeckung maßgeblich beteiligt war.

Der unterirdische Fluss verläuft über eine Länge von rund 6.000 Kilometern, beginnend in den Anden bis hin zum Atlantik – fast exakt parallel zum Amazonas selbst. Aber statt offen zu fließen, bewegt sich das Wasser durch poröse Gesteinsschichten in extrem langsamer Geschwindigkeit: wenige Zentimeter pro Jahr.

Fluss oder Mega-Aquifer? Was Hamza so besonders macht

2
© Unsplash – Mathieu Odin.

Ob Hamza wirklich ein „Fluss“ ist, darüber streiten sich die Fachleute. Denn anders als bei klassischen Flüssen fließt das Wasser hier nicht frei durch ein Flussbett, sondern sickert durch tief liegende Gesteinsschichten. Für viele Hydrologen ist das eher ein gigantisches unterirdisches Reservoir – ein sogenannter Aquifer.

Doch egal wie man ihn nennt: Seine Länge, die parallele Ausrichtung zum Amazonas und seine hydrologische Dynamik machen Hamza zu einem faszinierenden Naturphänomen. Bestätigt wurde seine Existenz durch geothermische Bohrungen des brasilianischen Nationalen Observatoriums, bei denen eine feuchte Zone unterhalb von Brasilien und Peru nachgewiesen wurde.

Ein geologisches Spiegelbild unter der Erdoberfläche

3
© Unsplash – Joshua Kettle.

Die Entdeckung legt nahe, dass Südamerika über ein Zwillingssystem von Flüssen verfügt – einer an der Oberfläche, der andere tief verborgen darunter. Das ist geologisch gesehen eine Seltenheit. Es wirft auch die spannende Frage auf: Gibt es unter anderen großen Flüssen der Welt ähnliche unterirdische Systeme, die wir noch nicht kennen?

Der Hamza-Fluss könnte ein echter Gamechanger für unser Verständnis von Wasserkreisläufen sein – vor allem im Amazonasbecken, wo der Zugang zu Süßwasser in abgelegenen Regionen enorm wichtig ist. Und wer weiß: Vielleicht schlummern unter unseren Füßen noch viele solcher Wasseradern, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Ein schlafender Riese tief unter uns

Hamza ist mehr als nur ein geologischer Kuriosität – er ist ein Symbol für das Unbekannte unter der Erdoberfläche. Seine stille Existenz erinnert uns daran, dass unser Planet noch voller verborgener Naturwunder steckt. In einer Zeit, in der Satelliten fast alles kartografieren können, zeigt der Hamza-Fluss: Das Unsichtbare kann manchmal genauso beeindruckend sein wie das, was wir mit eigenen Augen sehen.

Vielleicht stehen wir damit an der Schwelle zu einer neuen Ära der globalen Hydrologie – einer Wissenschaft, die nicht nur das Wasser über, sondern auch unter der Erde in den Fokus nimmt.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel