Ein kurzer Flug mit starken Turbulenzen

Die Strecke zwischen Mendoza (Argentinien) und Santiago de Chile, eine Distanz von nur 196 Kilometern (122 Meilen), wurde 2024 laut der spezialisierten Website Turbli als der turbulenteste Flug der Welt eingestuft. Mit einem Turbulenzindex (EDR) von 24,684 übertrifft diese Route mehr als 10.000 analysierte Flugverbindungen zwischen den verkehrsreichsten Flughäfen weltweit.
Obwohl die Turbulenzen auf dieser Route als „moderat“ eingestuft werden, sind sie ständig und herausfordernd. Der Hauptgrund dafür sind die Bergwellen (Lee Waves), die entstehen, wenn Winde auf die Gipfel der Anden treffen. Diese Luftströmungen können bis zu 30 Kilometer (19 Meilen) in die Höhe reichen und starke Turbulenzen für Flugzeuge verursachen, die die Region durchqueren.
Die Anden: Das Epizentrum der Turbulenzen in Südamerika

Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf die Route Mendoza-Santiago. Auch andere Flüge über die Anden weisen eine hohe Turbulenzrate auf:
✔️ Córdoba–Santiago → Platz 2 mit einem EDR von 20,214
✔️ Mendoza–Salta → Platz 3 mit einem EDR von 19,825
✔️ Mendoza–San Carlos de Bariloche → Platz 4 mit einem EDR von 19,252
Auch in anderen Teilen der Welt sind Flüge über große Gebirgsketten oft von starken Turbulenzen betroffen.
- Asien: Strecken über den Himalaya wie Kathmandu–Lhasa (Tibet) und Chengdu–Lhasa gehören zu den unruhigsten.
- Nordamerika: Die Rocky Mountains verursachen Turbulenzen auf Flügen wie Albuquerque–Denver und Denver–Salt Lake City.
- Europa: Die Alpen beeinflussen Flugverbindungen wie Nizza–Genf oder Mailand–Zürich.
Der Einfluss des Klimawandels auf Turbulenzen
Laut CNN verstärkt der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität von Turbulenzen weltweit. Untersuchungen der University of Reading zeigen, dass Turbulenzen über dem Nordatlantik seit 1979 um 55 % zugenommen haben.
Dies liegt daran, dass die globale Erwärmung die Jetstreams verstärkt, wodurch Turbulenzen in klarer Luft (Clear Air Turbulence, CAT) häufiger auftreten.
Die US Federal Aviation Administration (FAA) definiert CAT als eine Turbulenz, die in wolkenfreien Zonen auftritt und besonders gefährlich ist, da sie nicht visuell erkannt werden kann. Obwohl schwere Vorfälle selten sind, warnen Experten davor, dass sie in Zukunft häufiger auftreten könnten, wenn sich die Wetterbedingungen weiter verändern.
Tipps für Passagiere: Wie man Turbulenzen besser bewältigt

Turbulenzen können unangenehm sein, stellen aber keine echte Gefahr für die Flugsicherheit dar. Laut Simon Calder, Reisejournalist bei The Independent, entstehen die meisten Verletzungen durch Turbulenzen, wenn Passagiere ihren Sicherheitsgurt nicht angelegt haben. Daher wird empfohlen, ihn durchgehend geschlossen zu halten, auch wenn die Anschnallzeichen ausgeschaltet sind.
Die Sitzplatzwahl kann ebenfalls einen Unterschied machen:
✔️ Die stabilsten Plätze befinden sich in der Nähe der Tragflächen, im Schwerpunkt des Flugzeugs.
✔️ In den hinteren Reihen sind die Bewegungen stärker spürbar, da sich das Flugzeug dort mehr auf und ab bewegt.
Turbulente Routen: Ein weltweites Muster
Die Daten von Turbli zeigen, dass Turbulenzen Flugrouten auf der ganzen Welt betreffen:
✔️ Afrika: Die Strecke Durban–Johannesburg ist die turbulenteste des Kontinents, verursacht durch die Drakensberge.
✔️ Ozeanien: In Neuseeland verzeichnet die Verbindung Christchurch–Wellington die stärksten Turbulenzen, bedingt durch die Südalpen.
✔️ Langstreckenflüge: Der Flug von Nairobi (Kenia) nach Sepang (Malaysia) ist der turbulenteste interkontinentale Flug, was zeigt, dass nicht nur Gebirgsketten, sondern auch meteorologische Faktoren Turbulenzen verursachen können.
Mit dem steigenden Luftverkehr und den sich verändernden Klimabedingungen könnten Turbulenzen in Zukunft häufiger und intensiver werden. Doch mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen können Passagiere ihre Auswirkungen minimieren und eine angenehmere Reise genießen.