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Wissenschaft

Der Tunnel, der die Zeit herausfordert: Was man über Wurmlöcher weiß – und was nicht

Wurmlöcher könnten zwei weit entfernte Punkte im Universum verbinden… oder eine Reise in die Vergangenheit ermöglichen. Diese Idee, die aus Einsteins Theorie hervorging, fasziniert Physiker und Schriftsteller gleichermaßen – doch wie nah sind wir wirklich daran, ihre Existenz zu beweisen?
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Von Romanen bis zu Filmen – Wurmlöcher sind ein beliebtes Motiv der Fantasie. Ihr Ursprung liegt jedoch fernab jeder Fiktion. Dieses theoretische Phänomen, das auf der relativistischen Physik Einsteins basiert, wirft tiefgreifende Fragen über Zeit, Raum und die Grenzen des Universums auf. Sind sie nur eine mathematische Kuriosität – oder ein möglicher Weg, die Sterne zu erreichen?

Eine Raum-Zeit-Verzerrung

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© CBestopher.

Ein Wurmloch ist, einfach ausgedrückt, ein hypothetischer Tunnel im Gefüge der Raumzeit, der zwei weit entfernte Bereiche des Universums miteinander verbindet. Laut National Geographic España entsteht diese „Abkürzung“ durch eine mehrfach zusammenhängende Topologie – eine Art Verzerrung, die es ermöglichen würde, weit entfernte Punkte zu verbinden, als würde man den Kosmos falten.

Eine der anschaulichsten Metaphern liefert die Encyclopædia Britannica: Stell dir vor, eine Ameise läuft über ein Blatt Papier von Punkt A nach Punkt B. Wenn man das Papier faltet und beide Punkte aneinanderlegt, überquert die Ameise den Weg augenblicklich – ohne die ganze Strecke zu laufen. Genau das beschreibt die Essenz eines Wurmlochs.

Von Einstein zu Zeitreisen

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© MikeRun CC BY-SA 4.0.

Das Konzept stammt aus den Gleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten die Physiker John Wheeler und Charles Misner Modelle, die die Existenz solcher kosmischen Tunnel zwischen verschiedenen Orten im Universum vorschlugen. Später verfeinerten Kip Thorne und Michael Morris diese Ideen und entwarfen eine stabilere Version – das sogenannte „Morris-Thorne-Wurmloch“.

Das Faszinierende daran: Theoretisch könnten diese Tunnel nicht nur Orte, sondern auch Zeitpunkte miteinander verbinden. Daraus ergeben sich Szenarien von Zeitreisen, die zahlreiche Science-Fiction-Werke inspiriert haben – von Carl Sagans Contact bis hin zu Interstellar.

Wissenschaft, Spekulation und exotische Materie

Aber können sie wirklich existieren? Bislang bleibt das Ganze rein theoretisch. Damit ein Wurmloch offen bleibt, bräuchte es eine Form von exotischer Materie mit Eigenschaften, die bislang noch nicht beobachtet wurden. Außerdem wären solche Strukturen extrem instabil und würden vermutlich sofort kollabieren.

Trotzdem erforschen Physiker weiterhin diese Möglichkeit – im Bewusstsein, dass ein realer Nachweis unsere Vorstellung vom Universum radikal verändern würde. Bis dahin bleiben Wurmlöcher eines der verführerischsten Rätsel der modernen Wissenschaft… und eine stetige Einladung, sich das Unmögliche vorzustellen.

Quelle: National Geographic.

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