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Wissenschaft

Der faszinierende und mysteriöse See, der Tiere „versteinert“ und extreme Temperaturen erreicht

Auf der Welt gibt es Tausende von Seen, aber nur einer hat die Fähigkeit, Tiere „in Stein zu verwandeln“. Dieser See in Tansania erreicht nicht nur Temperaturen von bis zu 60 °C, sondern besitzt auch eine derart hohe Alkalität, dass er für die meisten Lebewesen tödlich ist. Doch was macht diesen See so gefährlich – und gleichzeitig so faszinierend?
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Die Natur birgt Orte, die wie aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Einer davon ist ein geheimnisvoller See in Tansania, der Wissenschaftler und Reisende gleichermaßen verblüfft: Er kann Tiere „mumifizieren“, die mit seinem Wasser in Kontakt kommen. Eine Kombination aus extremen Temperaturen und einer hohen Mineralkonzentration hat zahlreiche Mythen und Theorien über seine seltsame „versteinernde“ Wirkung hervorgebracht.

Der Natronsee: Eine Landschaft wie von einem fremden Planeten

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© iStock.

Der Natronsee, gelegen im Rift Valley nahe der Grenze zu Kenia, zählt zu den beeindruckendsten Naturwundern Afrikas. Sein schwer zugängliches Terrain, umgeben von sumpfigem Land, macht ihn zu einem wenig erforschten Reiseziel.

Je nach Jahreszeit ändert der See seine Farbe und kann von rosafarbenen bis hin zu braunen und weißen Tönen reichen – ein Effekt, der durch seinen hohen Salzgehalt und rote Algen verursacht wird.

Anders als viele andere Seen ist der Natronsee endorheisch, das heißt, er hat keinen natürlichen Abfluss und bleibt nur durch Verdunstung erhalten. Seine Größe schwankt je nach Saison, wodurch während der Trockenzeit große Salzablagerungen freigelegt werden.

Warum „versteinert“ dieser See Tiere?

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© iStock.

Was den Natronsee einzigartig macht, ist sein hoher Gehalt an Natriumcarbonat – derselbe Stoff, den die alten Ägypter zur Mumifizierung von Körpern verwendeten.

Wenn Vögel oder Fledermäuse versehentlich in den See stürzen, sorgt die Kombination aus Mineralien und extremer Hitze dafür, dass ihre Körper in einem erstaunlich gut erhaltenen Zustand bleiben – als wären sie zu Stein erstarrt.

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© Nick Brandt.

Der Fotograf Nick Brandt dokumentierte dieses Phänomen in seinem Buch Across the Ravaged Land. In einer BBC-Interview erklärte er:

„Die extrem reflektierende Oberfläche des Wassers kann Tiere verwirren, sodass sie gegen Hindernisse prallen und in den See stürzen. Dort werden sie durch die Mineralien verkalkt und scheinbar versteinert.“

Verborgene Gefahren des Natronsees

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© Nick Brandt.

Nicht nur Tiere, auch Menschen sind vor den Gefahren des Natronsees nicht sicher. Das Wasser kann Temperaturen von bis zu 60 °C erreichen und hat einen pH-Wert zwischen 9 und 10,5 – ähnlich wie Ammoniak.

Während die meisten Lebewesen unter diesen Bedingungen nicht überleben können, gibt es einige spezialisierte Arten, die sich angepasst haben. Dazu gehört der Alcolapia alcalica, ein Fisch, der sich in dieser extremen Umgebung behaupten kann, sowie spezielle rote Algen, die in dem alkalischen Wasser gedeihen.

Zudem ist der See ein wichtiger Lebensraum für Zwergflamingos, die sich von den Algen ernähren und in den flachen Gewässern nisten.

Ein weiterer gefährlicher Faktor ist die vulkanische Asche des nahegelegenen Vulkans Ol Doinyo Lengai. Dessen Eruptionen tragen zur extremen Alkalität und zur Anreicherung giftiger Stoffe im Wasser bei.

Ein tödlicher, aber faszinierender See

Der Natronsee ist ein beeindruckendes Beispiel für die extreme Vielfalt der Natur. Seine hypnotische Schönheit und tödlichen Eigenschaften machen ihn zu einem einzigartigen Phänomen.

Trotz seines schwer zugänglichen Terrains fasziniert der See Wissenschaftler und Forscher, die seine mysteriöse Wirkung weiter entschlüsseln wollen.

Wie viele Geheimnisse birgt dieser tödliche, aber atemberaubende Ort noch?

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