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Wissenschaft

Der Dino-Killer aus dem All – und warum Jupiter (mal wieder) schuld ist

Vor rund 66 Millionen Jahren wurde die Erde von einem über 10 Kilometer breiten Asteroiden getroffen – ein Einschlag, der das Zeitalter der Dinosaurier jäh beendete und einen gigantischen Krater vor der Küste Mexikos hinterließ.
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Forscher*innen der Universität zu Köln haben sich auf die Spur des Chicxulub-Asteroiden gemacht – so heißt der Übeltäter, der damals das große Artensterben auslöste. Sie analysierten Proben aus dem Krater und verglichen sie mit Material aus anderen Einschlagsorten, die zwischen 36 und 470 Millionen Jahre alt sind. Dabei stießen sie auf ein äußerst seltenes Element: Ruthenium.

Ruthenium ist ein Edelmetall, das in winzigen Mengen in Meteoriten vorkommt. Das Überraschende: Die Zusammensetzung stimmte mit der von kohlenstoffreichen Asteroiden überein, die sich im sogenannten Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter befinden. Doch die neue Studie, veröffentlicht in Science, geht noch weiter – sie vermutet, dass der Dino-Killer ursprünglich aus viel weiter draußen im Sonnensystem stammt. Und dass Jupiter ihn quasi „mitgeschubst“ hat.

Jupiter auf Wanderschaft

„Das war ein kosmischer Zufall vor 66 Millionen Jahren“, sagt Mario Fischer-Gödde, Geochemiker an der Universität zu Köln und Hauptautor der Studie, im Gespräch mit Gizmodo. „Wir wissen nicht genau, was den Einschlag ausgelöst hat, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass der Asteroid aus dem äußeren Sonnensystem stammt.“

Was zunächst etwas weit hergeholt klingt, lässt sich wissenschaftlich erklären: Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren war das Sonnensystem ein wilder Ort. Jupiter, heute der fünfte Planet von der Sonne aus, bewegte sich damals deutlich mehr – erst Richtung Sonne, dann wieder zurück. Diese Wanderung durch das junge Sonnensystem hatte gravierende Folgen: Durch seine gewaltige Schwerkraft warf Jupiter einige Asteroiden aus ihren stabilen Umlaufbahnen, darunter offenbar auch den Chicxulub-Vorläufer.

Was Ruthenium uns verrät

Fischer-Gödde und sein Team nutzten eine neu entwickelte Methode, um Ruthenium aus Gesteinsproben herauszufiltern. Denn dieses seltene Metall kann Hinweise darauf liefern, woher ein Himmelskörper stammt. In den Proben aus dem Chicxulub-Krater fanden sie Ruthenium-Isotope, die auf eine Herkunft aus den kälteren, weiter außen liegenden Regionen des Sonnensystems hindeuten.

Warum das wichtig ist? Asteroiden im inneren Sonnensystem – also näher an der Sonne – bestehen eher aus Metallen und Silikaten und enthalten weniger flüchtige Elemente wie Wasser oder Kohlenstoff. Das liegt an den höheren Temperaturen während der Entstehungsphase der Planeten. Im äußeren Sonnensystem hingegen war es kühler – dort bildeten sich mehr kohlenstoffhaltige Himmelskörper mit einem höheren Gehalt an Ruthenium, Wasserstoff und anderen flüchtigen Elementen.

Ein seltener Treffer

Dass ein solcher Brocken überhaupt die Erde traf, ist laut den Forschenden heute eher unwahrscheinlich. Das Sonnensystem hat sich stabilisiert – die Zeiten, in denen Planeten und Asteroiden wie wild umherflogen, sind vorbei. „Die gute Nachricht ist: Es gibt nicht mehr viele Objekte, die planlos durch unser Sonnensystem treiben“, sagt Fischer-Gödde. „Alles ist jetzt ziemlich stabil – es bräuchte schon eine größere Störung, etwa eine Kollision, damit ein Asteroid wieder auf Erdkurs kommt.“

Nächste Station: Der Mond

Die Spurensuche ist für Fischer-Gödde aber noch lange nicht zu Ende. Als Nächstes will er sich dem Mond zuwenden. „Die Mondkruste ist ein Archiv für Einschläge, die sowohl den Mond als auch die Erde betroffen haben“, erklärt er. Und wer wissen will, welche Himmelskörper in der Frühzeit der Erde – also vor rund 4 Milliarden Jahren – auf unseren Planeten krachten, muss dorthin schauen.

Die nächste große Entdeckung wartet also vielleicht schon im Mondstaub. Und während wir heute nachts verträumt in den Himmel blicken, sollten wir nicht vergessen: Manchmal braucht es nur einen einzigen kosmischen Stoß – und die Welt, wie wir sie kennen, steht Kopf.

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