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Wissenschaft

Das unmögliche Gold: Die Wissenschaft vollbringt die mythische Transmutation von Blei – mit einem unerwarteten Haken

Wissenschaftler am CERN haben einen der ältesten Menschheitsträume wahr gemacht: die Umwandlung von Blei in Gold. Doch das Experiment hat eine überraschende Bedingung. Das Gold erscheint – aber nicht lange genug, um es zu sammeln.
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Jahrhundertealter Traum – durch moderne Wissenschaft erfüllt

Jahrhundertelang träumten Alchemisten davon, gewöhnliche Metalle in Gold zu verwandeln. Heute hat die moderne Wissenschaft genau das geschafft. Zwar gibt es keinen Stein der Weisen und keine dampfenden Mörser, aber dafür Teilchenbeschleuniger und extreme Physik. Der Große Hadronen-Speicherring (LHC) hat einen Mythos Wirklichkeit werden lassen – wenn auch eher symbolisch als praktisch.

Die Alchemie des 21. Jahrhunderts ist kein Mythos mehr

Das unmögliche Gold: Die Wissenschaft vollbringt die mythische Transmutation von Blei – mit einem unerwarteten Haken
© Minem.

Das Labor besteht heute nicht mehr aus Stein, sondern aus Stahl und Supraleitern. Das ALICE-Experiment im LHC des CERN hat erreicht, wovon ganze Generationen nur träumen konnten: die Umwandlung von Bleikernen in Goldkerne.

Wie gelang das? Durch ultraschnelle Kollisionen von Bleiatomen, die in entgegengesetzter Richtung fast mit Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen. Bei diesen mikroskopischen Begegnungen reißen elektromagnetische Felder ein, zwei oder sogar drei Protonen aus dem Kern. Wenn Blei (mit 82 Protonen) drei verliert, bleibt Gold (mit 79 Protonen). Ein einziger Schritt – und die ersehnte Transmutation ist real.

Um dieses fast geisterhafte Phänomen nachzuweisen, kamen extrem präzise Detektoren zum Einsatz: sogenannte Nullgrad-Kalorimeter, entwickelt vom italienischen Institut für Kernphysik (INFN). Zwischen 2015 und 2018 wurden mehr als 86 Milliarden Goldkerne gezählt… doch diese Zahl trügt.

Das Gold erscheint… und verschwindet sofort

Das unmögliche Gold: Die Wissenschaft vollbringt die mythische Transmutation von Blei – mit einem unerwarteten Haken
© Brandon Style – Unsplash.

Der große Haken an diesem wissenschaftlichen Wunder ist die Zeit. Das erzeugte Gold existiert nicht dauerhaft. Innerhalb von weniger als einem Wimpernschlag kollidieren die Kerne erneut oder zerfallen in Protonen, Neutronen und andere Teilchen. Insgesamt entspricht die erzeugte Goldmenge gerade einmal 29 Millionstel eines Millionstel Gramms. Unmöglich zu bergen, unmöglich zu nutzen.

Das CERN bringt es auf den Punkt: „Technisch gesehen ist der Traum wahr geworden. Doch damit reich zu werden, bleibt eine Illusion.“

Die wahre Botschaft: Alchemisten lagen nicht völlig falsch

Der Prozess ist zwar faszinierend, aber so teuer und flüchtig, dass er sich nicht für Schmuck, Münzen oder Barren eignet. Doch er beweist etwas Tieferes: Die Alchemisten lagen nicht ganz daneben. Eine Substanz in eine andere zu verwandeln, ist möglich – sie hätten nur einen Teilchenbeschleuniger gebraucht, keinen magischen Stein.

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