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Wissenschaft

Das seltsame Geheimnis der Pfannkuchenvulkane auf der Venus

Eine neue Studie legt nahe, dass die charakteristischen Kuppeln des Planeten ihre ungewöhnliche Form einer dicken Lavaschicht und einer flexiblen Oberfläche verdanken.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Die Venus beherbergt einige der merkwürdigsten Vulkane im Sonnensystem: riesige, abgeflachte Kuppeln, die wie Pfannkuchen aussehen, die auf der glühenden Oberfläche des Planeten abgekühlt sind. Wissenschaftler vermuteten schon lange, dass diese „pfannkuchenförmigen Dome“ aus zähflüssiger, langsam fließender Lava entstanden sind. Doch eine neue Studie legt nahe, dass auch die flexible Kruste der Venus eine entscheidende Rolle bei der Entstehung dieser ungewöhnlichen Formationen spielt.

Die Rolle der Lava – und der flexiblen Kruste

Die Arbeit wurde diesen Monat im Journal of Geophysical Research: Planets veröffentlicht und konzentriert sich auf eine dieser massiven Strukturen: Narina Tholus, eine Kuppel mit einem Durchmesser von fast 145 Kilometern.

Mithilfe von alten Radardaten der NASA-Mission Magellan aus den 1990er-Jahren erstellten die Forscher ein virtuelles Modell des Domes. Sie testeten, welche Art von Lava – und welche Art von Kruste – eine solche geologische Kuriosität erzeugen könnte.

Das Ergebnis: Nicht nur die Lava erklärt die Form dieser Vulkane.
„Unsere Modelle zeigen, dass die Form auch durch den Einfluss der flexiblen Oberfläche bestimmt wird. Je flexibler die Kruste, desto flacher die Kuppelspitze und desto steiler die Hänge“, schreiben die Forscher.

Ähnlich wie bei weicher Haut verformt sich die Kruste der Venus unter dem Gewicht der dichten Lava. In Simulationen floss die Lava über eine biegsame Lithosphäre, hörte dann auf sich auszubreiten und häufte sich auf, wodurch flache Kuppeln mit steilen Seiten entstanden – genau wie bei den Pfannkuchendomen der Venus. Das Modell erzeugte zudem Krustenwölbungen, wie sie bereits in früheren Studien beobachtet wurden.

Viele Tests, ein auffälliges Ergebnis

Allerdings entstand dieses Phänomen nur mit extrem dichter Lava, die mehr als doppelt so dicht wie Wasser und über eine Billion Mal viskoser als Ketchup ist, wie Live Science berichtet. Nur unter diesen Bedingungen bildeten sich Dome und Krustenverformungen, die den Venus-Formationen entsprachen.

Die Forscher gehen davon aus, dass diese Lava bis zu Hunderttausende Erdjahre braucht, um sich vollständig in solchen kolossalen Strukturen zu setzen.

Das Modell basiert bisher nur auf einem einzigen Domausläufer – schlussfolgernde Aussagen über alle Pfannkuchenvulkane sind daher noch nicht möglich. Doch kommende Missionen wie NASA’s VERITAS und DAVINCI sollen präzisere topografische Daten liefern, um diese Hypothese an tausenden Venusformationen zu testen.

Was Venus’ Dome über den verfluchten Zwilling der Erde verraten

Ein besseres Verständnis dieser Formationen könnte neue Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die Venus gebildet hat – jener infernalische Planet, der oft als verfluchter Zwilling der Erde bezeichnet wird, weil seine Entwicklung so drastisch von der unserer Welt abwich.

Während die Erde feucht, grün und voller Leben ist, wurde die Venus ein heißes, lebensfeindliches Ödland – doch vielleicht erzählen uns ihre Pfannkuchenvulkane mehr über diese uralte Abzweigung, als wir bisher ahnten.

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